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Intermolekulare Kräfte

In dieser Lektion lernst du, welche Kräfte zwischen einzelnen Molekülen wirken und warum sie Schmelz- und Siedepunkte bestimmen. Du unterscheidest Van-der-Waals-Kräfte, Dipol-Dipol-Kräfte und Wasserstoffbrücken anhand echter Stoffe.

  • Fach: Chemie
  • Klasse 10
  • Thema: Stoffe und Eigenschaften
  • Dauer: 18 Min
  • Niveau: Mittel
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Kräfte zwischen Molekülen

Innerhalb eines Moleküls halten Elektronenpaarbindungen die Atome fest zusammen – diese Bindungen sind stark und lassen sich nur mit viel Energie trennen. Zwischen verschiedenen Molekülen wirken dagegen viel schwächere Kräfte, die sogenannten intermolekularen Kräfte. Sie entscheiden, ob ein Stoff bei Zimmertemperatur fest, flüssig oder gasförmig vorliegt.

Je stärker die Anziehung zwischen den Molekülen, desto mehr Energie braucht man, um sie voneinander zu trennen, und desto höher liegen Schmelz- und Siedepunkt eines Stoffes. Deshalb ist Methan mit sehr schwachen intermolekularen Kräften bei Zimmertemperatur ein Gas, während Wasser mit starken Kräften zwischen den Molekülen flüssig bleibt.

Man unterscheidet drei wichtige Arten dieser Kräfte: Van-der-Waals-Kräfte, Dipol-Dipol-Kräfte und Wasserstoffbrücken. Alle drei beruhen letztlich auf der elektrischen Anziehung zwischen Ladungen, unterscheiden sich aber deutlich in ihrer Stärke und in den Voraussetzungen, unter denen sie auftreten.

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Drei Kräfte im Vergleich

Van-der-Waals-Kräfte sind die schwächste Form und treten zwischen allen Molekülen auf, auch zwischen unpolaren wie Methan oder Kohlenstoffdioxid. Sie entstehen, weil sich die Elektronen in einem Molekül ständig bewegen und dadurch kurzzeitig eine ungleiche Ladungsverteilung erzeugen, die im Nachbarmolekül ebenfalls eine kurzzeitige Ladungsverschiebung hervorruft. Je größer ein Molekül, desto stärker werden diese Kräfte.

Dipol-Dipol-Kräfte treten zwischen polaren Molekülen auf, die dauerhaft ein positiv und ein negativ geladenes Ende besitzen. Das positive Ende eines Moleküls wird vom negativen Ende des Nachbarmoleküls angezogen, ähnlich wie sich kleine Magnete ausrichten. Diese Kräfte sind stärker als reine Van-der-Waals-Kräfte, weil die Ladungsverschiebung nicht nur zufällig, sondern dauerhaft vorhanden ist.

Wasserstoffbrücken sind die stärkste der drei Kräfte und treten auf, wenn ein Wasserstoff-Atom direkt an Sauerstoff, Stickstoff oder Fluor gebunden ist. Das stark positiv geladene Wasserstoff-Atom wird dann vom freien Elektronenpaar eines benachbarten Sauerstoff-, Stickstoff- oder Fluor-Atoms besonders stark angezogen. Wasser, Ammoniak und Alkohole bilden deshalb Wasserstoffbrücken und haben ungewöhnlich hohe Siedepunkte für ihre geringe Molekülmasse.

KraftVoraussetzungStärke
Van-der-Waals-Kräftetreten bei allen Molekülen aufam schwächsten
Dipol-Dipol-Kräftepolare Moleküle mit festem Dipolmittel
WasserstoffbrückenH direkt an O, N oder F gebundenam stärksten
Die drei zwischenmolekularen Kräfte im Überblick
Je nach Molekülbau wirken unterschiedlich starke Kräfte zwischen den Teilchen.
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Beispiel 1: Warum Wasser erst bei 100 °C siedet

Erkläre, warum Wasser trotz seiner geringen Molekülmasse einen so hohen Siedepunkt hat, verglichen mit ähnlich schweren Molekülen ohne Wasserstoffbrücken.

Gegeben:

  • Wasser H2O: Siedepunkt 100 °C
  • Methan CH4, ähnliche Molekülmasse: Siedepunkt -161 °C

Gesucht:

Erklärung des großen Siedepunktunterschieds

Lösung:

  1. Wassermoleküle sind polar: Sauerstoff trägt eine negative, die Wasserstoff-Atome je eine positive Teilladung.
  2. Da Wasserstoff direkt an Sauerstoff gebunden ist, bilden sich zwischen den Wassermolekülen Wasserstoffbrücken.
  3. Methan ist dagegen ein unpolares Molekül, zwischen seinen Molekülen wirken nur schwache Van-der-Waals-Kräfte.
  4. Um Wasser zum Sieden zu bringen, müssen die vielen starken Wasserstoffbrücken aufgebrochen werden, das braucht deutlich mehr Energie.

Wasser siedet bei 100 °C, weil zwischen seinen Molekülen starke Wasserstoffbrücken wirken, während Methan schon bei -161 °C siedet, weil dort nur schwache Van-der-Waals-Kräfte überwunden werden müssen.

Moleküle mit Wasserstoffbrücken sieden bei deutlich höheren Temperaturen.
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Beispiel 2: Methan bleibt ein Gas

Begründe, warum Methan bei Zimmertemperatur gasförmig ist, obwohl seine Elektronenpaarbindungen sehr stabil sind.

Gegeben:

  • Methan CH4: symmetrisches, unpolares Molekül
  • Zimmertemperatur ca. 20 °C

Gesucht:

Erklärung des Aggregatzustands über intermolekulare Kräfte

Lösung:

  1. Die Elektronenpaarbindungen zwischen Kohlenstoff und Wasserstoff sind zwar stark, halten aber nur das Molekül selbst zusammen.
  2. Zwischen verschiedenen Methan-Molekülen wirken wegen der symmetrischen, unpolaren Form nur schwache Van-der-Waals-Kräfte.
  3. Diese schwachen Kräfte lassen sich schon bei sehr niedrigen Temperaturen durch die Bewegungsenergie der Moleküle überwinden.
  4. Methan geht deshalb schon bei -161 °C vom flüssigen in den gasförmigen Zustand über und ist bei Zimmertemperatur längst ein Gas.

Methan bleibt bei Zimmertemperatur gasförmig, weil die Bindungen innerhalb des Moleküls stark sind, die Kräfte zwischen den Molekülen aber sehr schwach sind. Aggregatzustand und Molekülstabilität sind zwei verschiedene Dinge.

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Typische Fehler

Ein häufiger Fehler ist, intermolekulare Kräfte mit der Elektronenpaarbindung innerhalb eines Moleküls zu verwechseln. Die Bindung zwischen den Atomen eines Moleküls ist immer deutlich stärker als jede Kraft zwischen zwei verschiedenen Molekülen. Wird beim Sieden Energie zugeführt, werden nur die intermolekularen Kräfte überwunden, die Moleküle selbst bleiben dabei meist intakt.

Ein zweiter Fehler ist die Annahme, jedes Molekül mit Sauerstoff- oder Stickstoff-Atom bilde automatisch Wasserstoffbrücken. Entscheidend ist, dass ein Wasserstoff-Atom direkt an Sauerstoff, Stickstoff oder Fluor gebunden ist. Ein Molekül wie Formaldehyd hat zwar Sauerstoff, aber keinen direkt daran gebundenen Wasserstoff, deshalb bildet es untereinander keine echten Wasserstoffbrücken.

Ein dritter Fehler ist, die Stärke der Van-der-Waals-Kräfte zu unterschätzen. Bei sehr großen Molekülen, etwa in langen Kohlenwasserstoffketten wie Wachs, addieren sich viele kleine Van-der-Waals-Kräfte entlang der Kette und können in der Summe stärker wirken als eine einzelne Dipol-Dipol-Kraft zwischen kleinen Molekülen.

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Alltagsbezug: Kräfte, die du spürst

Intermolekulare Kräfte erklären viele alltägliche Beobachtungen. Wassertropfen bilden auf einer frisch gewachsten Autoscheibe kleine Kugeln, weil die Wasserstoffbrücken zwischen den Wassermolekülen stärker sind als die Anziehung zum unpolaren Wachs – die Wassermoleküle halten lieber zusammen. Insekten wie der Wasserläufer können auf der Wasseroberfläche laufen, weil die Wasserstoffbrücken an der Oberfläche eine Art elastische Haut bilden, die sogenannte Oberflächenspannung.

Auch beim Wäschetrocknen spielt die Stärke der Wasserstoffbrücken eine Rolle: Wasser verdunstet deutlich langsamer als ein unpolares Lösungsmittel wie Aceton, weil zuerst die vielen Wasserstoffbrücken zwischen den Wassermolekülen überwunden werden müssen, bevor einzelne Moleküle in die Gasphase entweichen können.

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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 3

Welche der drei intermolekularen Kräfte ist normalerweise am stärksten?

Welche der drei intermolekularen Kräfte ist normalerweise am stärksten?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Intermolekulare Kräfte wirken zwischen Molekülen und sind immer schwächer als die Elektronenpaarbindung innerhalb eines Moleküls.
  • Van-der-Waals-Kräfte treten bei allen Molekülen auf und sind am schwächsten.
  • Dipol-Dipol-Kräfte wirken zwischen polaren Molekülen mit dauerhaftem Dipol.
  • Wasserstoffbrücken sind am stärksten und entstehen, wenn Wasserstoff direkt an O, N oder F gebunden ist.
  • Je stärker die intermolekularen Kräfte, desto höher liegen Schmelz- und Siedepunkt eines Stoffes.

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Häufige Fragen zu Intermolekulare Kräfte

Was ist der Unterschied zwischen intermolekularen Kräften und einer chemischen Bindung?
Eine chemische Bindung wie die Elektronenpaarbindung hält die Atome innerhalb eines Moleküls fest zusammen und ist sehr stark. Intermolekulare Kräfte wirken dagegen zwischen verschiedenen, bereits fertigen Molekülen und sind deutlich schwächer. Beim Schmelzen oder Sieden eines Stoffes werden nur die intermolekularen Kräfte überwunden, die Moleküle selbst bleiben erhalten.
Warum hat Wasser einen so hohen Siedepunkt für seine geringe Molekülmasse?
Wassermoleküle bilden untereinander Wasserstoffbrücken, weil Wasserstoff direkt an das stark elektronegative Sauerstoff-Atom gebunden ist. Diese Wasserstoffbrücken sind viel stärker als die Van-der-Waals-Kräfte, die bei ähnlich kleinen, unpolaren Molekülen wie Methan wirken. Deshalb braucht es viel mehr Energie, um Wasser zum Sieden zu bringen.
Wie erkennt man, ob zwei Moleküle Wasserstoffbrücken bilden können?
Man prüft, ob im Molekül ein Wasserstoff-Atom direkt an Sauerstoff, Stickstoff oder Fluor gebunden ist. Ist das der Fall, wie bei Wasser, Ammoniak oder Alkoholen, können sich Wasserstoffbrücken zwischen den Molekülen ausbilden. Fehlt diese direkte Bindung, sind höchstens Dipol-Dipol-Kräfte oder Van-der-Waals-Kräfte möglich.
Warum wirken Van-der-Waals-Kräfte auch zwischen unpolaren Molekülen?
Auch in unpolaren Molekülen bewegen sich die Elektronen ständig und erzeugen dabei kurzzeitig eine ungleiche Ladungsverteilung. Diese kurzzeitige Verschiebung induziert im Nachbarmolekül ebenfalls eine passende Ladungsverschiebung, sodass sich beide Moleküle für einen winzigen Moment leicht anziehen. In der Summe vieler solcher Momente entsteht eine messbare, wenn auch schwache Kraft.
Beeinflusst die Größe eines Moleküls die Stärke der Van-der-Waals-Kräfte?
Ja, größere Moleküle mit mehr Elektronen haben stärkere Van-der-Waals-Kräfte, weil mehr Elektronenbewegung mehr Möglichkeiten für kurzzeitige Ladungsverschiebungen bietet. Deshalb steigen Schmelz- und Siedepunkt innerhalb einer Reihe ähnlicher Moleküle, etwa bei den Alkanen, mit zunehmender Kettenlänge deutlich an.
Warum lösen sich Öl und Wasser nicht ineinander?
Wasser ist stark polar und seine Moleküle bilden untereinander viele starke Wasserstoffbrücken. Öl besteht aus unpolaren Molekülen, zwischen denen nur schwache Van-der-Waals-Kräfte wirken. Da die Wassermoleküle lieber untereinander Wasserstoffbrücken bilden, als sich mit den unpolaren Ölmolekülen zu vermischen, trennen sich beide Flüssigkeiten in zwei Schichten.
In welcher Klasse lernt man intermolekulare Kräfte?
Intermolekulare Kräfte werden meist in der zehnten Klasse behandelt, aufbauend auf der Elektronenpaarbindung und der Unterscheidung von polaren und unpolaren Molekülen aus der neunten Klasse. Sie sind wichtig, um Schmelz- und Siedepunkte, Löslichkeit und viele Eigenschaften organischer Stoffe zu verstehen.
Was passiert beim Schmelzen mit den intermolekularen Kräften?
Beim Schmelzen wird gerade so viel Energie zugeführt, dass ein Teil der intermolekularen Kräfte überwunden wird und sich die Moleküle gegeneinander verschieben können, statt fest an ihrem Platz zu bleiben. Beim vollständigen Verdampfen müssen dann auch die letzten dieser Kräfte überwunden werden, damit sich die Moleküle völlig voneinander lösen.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.