Glas Herstellung: Ablauf, Rohstoffe und Glasarten
Glas Herstellung heißt: Quarzsand, Soda und Kalk werden bei etwa 1500 Grad Celsius geschmolzen und so abgekühlt, dass keine Kristalle entstehen. In dieser Lektion lernst du, warum Glas ein amorpher Stoff ist, welche Reaktionen in der Schmelze ablaufen, wie Fensterglas, Borosilikatglas und Bleikristall sich unterscheiden und weshalb Altglas so wertvoll ist.
- Fach: Chemie
- Klasse 9
- Thema: Stoffe und Eigenschaften
- Dauer: 18 Min
- Niveau: Mittel
Glas Herstellung: Rohstoffe und Aufbau
Ein gewöhnliches Fensterglas besteht zu etwa 70 Prozent aus Siliciumdioxid, SiO2, dem Hauptbestandteil von Quarzsand. Dazu kommen Natriumoxid aus Soda und Calciumoxid aus Kalk. Reiner Quarz schmilzt erst bei etwa 1700 Grad Celsius, das ist technisch teuer. Die Zugabe von Soda senkt die Schmelztemperatur auf rund 1500 Grad. Kalk macht das Glas anschließend widerstandsfähig gegen Wasser, ohne ihn würde sich Glas in Wasser langsam auflösen.
Der Grund für die besondere Struktur liegt im Aufbau. In Kristallen wie Quarz sind die Bausteine in einem regelmäßigen Gitter angeordnet. Beim Abkühlen einer Glasschmelze bleibt dagegen keine Zeit zur Ordnung: Die Teilchen erstarren in einem unregelmäßigen Netz. Man nennt Glas deshalb einen amorphen Stoff, manchmal auch eine eingefrorene Flüssigkeit, obwohl es bei Raumtemperatur fest und starr ist.
Weil Glas keine regelmäßige Kristallstruktur hat, besitzt es auch keinen festen Schmelzpunkt. Beim Erhitzen wird es erst weich, dann zähflüssig und schließlich flüssig. Genau diese Eigenschaft nutzen Glasbläser: Im zähen Zustand lässt sich Glas blasen, ziehen und pressen.
Glas Herstellung: Ablauf Schritt für Schritt
In der Glashütte werden zuerst die Rohstoffe gemischt: Quarzsand, Soda, Kalk und oft ein großer Anteil Altglasscherben. Das Gemenge wandert in einen Wannenofen, der mit Gas oder Strom beheizt wird. Dort schmilzt es bei etwa 1500 Grad Celsius. Dabei zersetzen sich Soda und Kalk, und Kohlenstoffdioxid entweicht als Gas, das in der Schmelze Blasen bildet.
Im nächsten Schritt, dem Läutern, steigen diese Blasen langsam auf und platzen, damit das Glas klar wird. Danach wird die Schmelze auf etwa 1000 bis 1200 Grad abgekühlt, damit sie zäh genug zum Formen ist. Flaschen und Gläser werden geblasen oder gepresst, Fensterglas wird als Band auf einem flüssigen Zinnbad ausgewalzt. Dieses Float-Verfahren liefert völlig ebene Scheiben.
Zuletzt kommt das Kühlen. Wird heißes Glas zu schnell abgekühlt, ziehen sich Außen- und Innenseite unterschiedlich zusammen, es entstehen Spannungen, und das Glas kann schon bei leichtem Stoß zerspringen. In einem Kühlofen sinkt die Temperatur deshalb über Stunden langsam ab. Sicherheitsglas nutzt Spannungen dagegen gezielt: Es wird absichtlich schnell abgekühlt und zerfällt bei Bruch in stumpfe Krümel.
| Schritt | Temperatur | Was passiert |
|---|---|---|
| Schmelzen | etwa 1500 Grad Celsius | Rohstoffe reagieren, CO2 entweicht |
| Läutern | 1400 bis 1500 Grad Celsius | Blasen steigen auf |
| Formen | 1000 bis 1200 Grad Celsius | Glas ist zäh und formbar |
| Kühlen | unter 600 Grad Celsius | Glas erstarrt, Spannungen werden abgebaut |
Glasarten und ihre Eigenschaften
Durch andere Zusätze verändert sich das Glas. Das Standardglas für Fenster und Flaschen ist Kalk-Natron-Glas. Es ist billig, aber nicht besonders hitzebeständig: Erhitzt man es ungleichmäßig, dehnt es sich ungleich aus und springt. Borosilikatglas enthält Boroxid, B2O3. Es dehnt sich beim Erwärmen viel weniger aus und hält Temperaturunterschiede aus. Deshalb bestehen Laborgeräte, Backformen und Teekannen daraus.
Bleikristall enthält Bleioxid, nach EU-Regeln mindestens 24 Prozent. Das Blei erhöht die Lichtbrechung, deshalb glitzert Bleikristall besonders und klingt beim Anschlagen hell. Quarzglas besteht fast nur aus SiO2 und hält höchste Temperaturen aus, es wird aber nur für Spezialzwecke wie Labortechnik und Lichtleiter verwendet, weil seine Herstellung teuer ist.
Auch die Farbe stammt von Zusätzen. Metalloxide färben die Schmelze, indem ihre Ionen bestimmte Lichtfarben aufnehmen. Cobaltoxid macht Glas tiefblau, Eisenverbindungen grünlich, Mangan violett und kolloidales Gold rubinrot. Altglas wird deshalb nach Farbe getrennt gesammelt, denn schon wenig Fremdfarbe verfärbt eine ganze Schmelze.
| Glassorte | Hauptbestandteil und Zusatz | Wärmeausdehnung pro Kelvin | Verwendung |
|---|---|---|---|
| Kalk-Natron-Glas | SiO2, Na2O, CaO | etwa 9 · 10⁻⁶ | Fenster, Flaschen, Gläser |
| Borosilikatglas | SiO2 mit etwa 13 Prozent B2O3 | etwa 3,3 · 10⁻⁶ | Laborgeräte, Backformen |
| Bleikristall | mindestens 24 Prozent PbO | etwa 9 · 10⁻⁶ | Schmuck, Trinkgläser |
| Quarzglas | über 99 Prozent SiO2 | etwa 0,5 · 10⁻⁶ | Labortechnik, Lichtleiter |
Beispiel 1: Reaktionen in der Glasschmelze
Beim Schmelzen reagieren Soda und Kalk mit Siliciumdioxid. Stelle die Reaktionsgleichungen auf und erkläre, warum die Schmelze Blasen bildet.
Gegeben:
- Soda: Na2CO3
- Kalk: CaCO3
- Quarz: SiO2
Gesucht:
Ausgeglichene Gleichungen und Erklärung der BlasenLösung:
- Soda und Quarz reagieren zu Natriumsilicat und Kohlenstoffdioxid: Na2CO3 + SiO2 ergibt Na2SiO3 + CO2.
- Kalk und Quarz reagieren entsprechend zu Calciumsilicat: CaCO3 + SiO2 ergibt CaSiO3 + CO2.
- Prüfe die Atome: Bei der ersten Gleichung stehen auf beiden Seiten 2 Na, 1 Si, 1 C und 5 O, bei der zweiten 1 Ca, 1 Si, 1 C und 5 O. Beide Gleichungen sind ausgeglichen.
- Das entstandene CO2 ist bei 1500 Grad Celsius ein Gas. Es steigt als Blasen in der zähen Schmelze auf.
Die Silicate bilden das eigentliche Glas, das Gas entweicht. Weil die Schmelze zäh ist, steigen die Blasen nur langsam auf, deshalb ist ein eigener Läuterschritt nötig.
Beispiel 2: Welches Glas für welchen Zweck
Wähle für drei Anwendungen die passende Glasart und begründe: eine Auflaufform für den Backofen, eine Fensterscheibe, ein Reagenzglas für das Erhitzen im Brenner.
Gegeben:
- Kalk-Natron-Glas dehnt sich etwa 9 · 10⁻⁶ pro Kelvin aus
- Borosilikatglas dehnt sich etwa 3,3 · 10⁻⁶ pro Kelvin aus
Gesucht:
Passende Glasart je AnwendungLösung:
- Bei Hitze zählt vor allem die geringe Wärmeausdehnung. Das heiße Innere und die kühle Außenseite dürfen sich nicht stark unterschiedlich ausdehnen. Für Auflaufform und Reagenzglas passt Borosilikatglas.
- Beim Brenner kommt hinzu, dass das Glas gegen Säuren und Laugen widerstandsfähig sein muss. Auch das kann Borosilikatglas besser als gewöhnliches Glas.
- Eine Fensterscheibe wird nicht stark erhitzt. Hier zählen Preis und ebene Oberfläche, deshalb reicht Kalk-Natron-Glas aus dem Float-Verfahren.
Auflaufform und Reagenzglas bestehen aus Borosilikatglas, die Fensterscheibe aus Kalk-Natron-Glas. Der Zusatz in der Schmelze entscheidet über die Eigenschaften.
Typische Fehler beim Thema Glas
Ein verbreiteter Fehler ist die Aussage, Glas sei eine zähe Flüssigkeit, die im Laufe von Jahrhunderten nach unten fließt. Alte Kirchenfenster sind unten dicker, weil die Scheiben früher nicht gleichmäßig gezogen werden konnten und man das dickere Ende meist nach unten einbaute. Bei Raumtemperatur fließt Glas nicht messbar. Richtig ist: Glas ist ein amorpher Feststoff.
Auch die Rohstoffe werden oft verwechselt. Glas besteht nicht aus Salz, sondern aus Sand. Soda ist Natriumcarbonat, nicht Kochsalz, und Kalk ist Calciumcarbonat, nicht der Kalk von Wänden, der gelöscht wurde. Wer die Formeln Na2CO3 und CaCO3 kennt, verwechselt sie weniger.
Ein dritter Irrtum betrifft den Schmelzpunkt. Man liest manchmal, Glas schmelze bei genau 1500 Grad. Da Glas amorph ist, gibt es keinen festen Wert, sondern einen Erweichungsbereich. Die 1500 Grad sind die Temperatur im Ofen, bei der das Gemenge reagiert und eine gut fließende Schmelze entsteht.
Alltagsbezug: Glas im Haushalt und Recycling
Glas ist überall: in Fenstern, Flaschen, Brillen, Smartphone-Displays und Glasfaserkabeln. Es ist durchsichtig, hart, geschmacksneutral und lässt sich beliebig oft einschmelzen. Weil es fast keine Stoffe an Lebensmittel abgibt, eignet es sich für Getränke und Konserven besonders gut. Moderne Smartphone-Gläser werden zusätzlich chemisch gehärtet, damit sie kratzfest sind.
Besonders sinnvoll ist das Recycling. Altglas wird gesammelt, nach Weiß-, Braun- und Grünglas getrennt und zerkleinert. Die Scherben ersetzen Rohstoffe und schmelzen früher als Sand. Pro 10 Prozent Scherben im Gemenge sinkt der Energiebedarf um etwa 2,5 Prozent. Aus einer Tonne Altglas wird wieder eine Tonne Glas, und es werden etwa 1,2 Tonnen Rohstoffe gespart.
Damit das gelingt, gehört nur Verpackungsglas in den Container. Trinkgläser, Backformen und Fensterglas haben eine andere Zusammensetzung und stören die Schmelze. Auch Keramik und Porzellan schmelzen nicht mit und verderben ganze Chargen. Deckel entfernst du, Etiketten dürfen dranbleiben.
Jetzt bist du dran
Welche Rohstoffe braucht man für Kalk-Natron-Glas?
Noch nicht. Quarzsand (SiO2) ist der Hauptbestandteil, Soda senkt die Schmelztemperatur und Kalk macht das Glas wasserfest.
Das Wichtigste in Kürze
- Glas besteht hauptsächlich aus Quarzsand (SiO2), Soda und Kalk und wird bei etwa 1500 Grad Celsius geschmolzen.
- Glas ist amorph, deshalb hat es keinen scharfen Schmelzpunkt und lässt sich im zähen Zustand formen.
- Soda senkt die Schmelztemperatur, Kalk macht das Glas wasserfest, Metalloxide färben es.
- Borosilikatglas ist hitzebeständig, Bleikristall glänzt stark, Quarzglas hält höchste Temperaturen aus.
- Altglas spart Rohstoffe und Energie, es wird nach Farben getrennt gesammelt.
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Häufige Fragen zu Glas Herstellung: Ablauf, Rohstoffe und Glasarten
- Wie wird Glas hergestellt?
- Quarzsand, Soda, Kalk und Altglas werden gemischt und bei etwa 1500 Grad Celsius geschmolzen. Nach dem Läutern, bei dem Gasblasen aufsteigen, wird das zähe Glas geformt, etwa durch Blasen, Pressen oder Ziehen. Zum Schluss kühlt es langsam ab, damit keine Spannungen entstehen.
- Woraus besteht Glas?
- Gewöhnliches Glas besteht zu etwa 70 Prozent aus Siliciumdioxid, dazu Natriumoxid aus Soda und Calciumoxid aus Kalk. Spezialgläser enthalten weitere Zusätze wie Boroxid für Hitzebeständigkeit oder Bleioxid für starken Glanz.
- Warum ist Glas durchsichtig?
- Glas hat keine Kristallgrenzen und keine Teilchen, die sichtbares Licht aufnehmen. Das Licht kann deshalb fast ungehindert hindurchtreten. Farbige Gläser enthalten Metallionen, die bestimmte Lichtfarben aufnehmen.
- Ist Glas ein Feststoff oder eine Flüssigkeit?
- Glas ist ein amorpher Feststoff. Seine Teilchen sind wie in einer Flüssigkeit ungeordnet, aber bei Raumtemperatur starr festgehalten. Dass alte Fensterscheiben unten dicker sind, liegt an der Herstellung und nicht daran, dass Glas fließt.
- Welche Glasarten gibt es?
- Die wichtigsten sind Kalk-Natron-Glas für Fenster und Flaschen, Borosilikatglas für Laborgeräte und Backformen, Bleikristall für Schmuck und Trinkgläser sowie Quarzglas für Spezialtechnik. Dazu kommen Farbglas und Sicherheitsglas.
- Warum sollte man Glas recyceln?
- Altglas lässt sich beliebig oft ohne Qualitätsverlust einschmelzen. Scherben schmelzen früher als Sand, das spart Energie, und es werden Rohstoffe geschont. Aus einer Tonne Altglas wird wieder eine Tonne neues Glas.
- Warum gehört Glas nach Farben getrennt in den Container?
- Die Farbe stammt von gelösten Metalloxiden und lässt sich nicht herauslösen. Schon wenig Grünglas verfärbt eine ganze Weißglasschmelze. Deshalb gehören Weiß-, Braun- und Grünglas in getrennte Container.
- Was ist Float-Glas?
- Beim Float-Verfahren fließt die Glasschmelze auf ein flüssiges Zinnbad und breitet sich dort völlig eben aus. So entstehen gleichmäßig dicke Scheiben mit glatter Oberfläche für Fenster und Spiegel, die danach langsam abgekühlt werden.
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