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Keimung und Wachstum

Aus einem winzigen Samen wird eine ganze Pflanze – aber nur, wenn bestimmte Bedingungen stimmen. In dieser Lektion lernst du, was ein Samen zum Keimen braucht, wie sich Keimwurzel und Spross entwickeln und worin sich zwei wichtige Keimungsarten unterscheiden. Dazu kommen typische Fehler und Versuche, die du selbst zu Hause nachmachen kannst.

  • Fach: Biologie
  • Klasse 6
  • Thema: Pflanzen
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Einfach
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Was ein Samen zum Keimen braucht

Ein Samen ist eine Art Überlebenspaket. Er enthält einen winzigen Keimling und Reservestoffe wie Stärke, Fett oder Eiweiß, die als Energievorrat für den Start dienen. Solange die Bedingungen nicht passen, bleibt der Samen in einer Art Ruhezustand, in dem kaum Stoffwechsel stattfindet. Erst wenn Wasser, Wärme und Sauerstoff zusammenkommen, beginnt die Keimung.

Wasser ist die wichtigste Voraussetzung, denn ohne Wasser laufen im Samen keine chemischen Reaktionen ab. Die Samenschale nimmt Wasser auf, der Samen quillt sichtbar auf und wird weicher. Gleichzeitig werden Enzyme aktiv, die die gespeicherte Stärke in Zucker umwandeln – diesen Zucker braucht der Keimling als erste Energiequelle, bevor er selbst Fotosynthese betreiben kann.

Auch Wärme und Sauerstoff spielen eine Rolle. Jede Pflanzenart hat eine bevorzugte Keimtemperatur, bei zu kalten oder zu heißen Böden keimt sie schlechter oder gar nicht. Sauerstoff wird für die Zellatmung im Samen gebraucht, deshalb keimen Samen, die zu tief oder in stark verdichtetem Boden liegen, oft schlecht. Licht dagegen ist nicht für jeden Samen notwendig – manche Arten keimen sogar besser im Dunkeln.

Von der Wasseraufnahme bis zur ersten Fotosynthese durchläuft jeder Keimling dieselben Stationen.
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Der Ablauf der Keimung im Detail

Als Erstes durchbricht die Keimwurzel die aufgeweichte Samenschale und wächst nach unten in den Boden. Diese Richtung ist kein Zufall: Wurzeln reagieren auf die Schwerkraft und wachsen immer erdwärts, ein Verhalten, das man positiven Geotropismus nennt. Die Wurzel verankert den jungen Keimling im Boden und beginnt, Wasser und Mineralstoffe aufzunehmen.

Danach streckt sich der Spross nach oben, oft zunächst in einem gekrümmten Bogen. Dieser Bogen schützt die empfindliche Sprossspitze, während sie sich durch die Erde schiebt, ähnlich wie ein Kopfschutz beim Durchgraben. Erst wenn der Spross die Erdoberfläche erreicht, streckt er sich gerade und wächst nun dem Licht entgegen, was als negativer Geotropismus beziehungsweise positiver Fototropismus bezeichnet wird.

An der Sprossspitze entfalten sich die Keimblätter. Sie sind bereits im Samen angelegt und enthalten oft noch Reste der Reservestoffe. Erst danach bildet die Pflanze ihre ersten echten Laubblätter, die zur artspezifischen Form der Pflanze passen. Ab diesem Zeitpunkt kann die Pflanze über Fotosynthese eigene Nährstoffe herstellen und ist nicht mehr auf die Reserven im Samen angewiesen.

SchrittWas passiertReaktion auf
Keimwurzelwächst zuerst, verankert den KeimlingSchwerkraft (positiver Geotropismus)
Sprossstreckt sich bogenförmig nach obenSchwerkraft, später Licht
Keimblätterentfalten sich, liefern erste EnergieErreichen der Erdoberfläche
Laubblättererste echte Blätter, Fotosynthese beginntLicht
Wachstumsschritte vom Samen zur selbstständigen Pflanze
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Zwei Arten der Keimung

Nicht jede Pflanze bringt ihre Keimblätter über die Erde. Je nachdem, welcher Teil des Keimlings sich streckt, unterscheidet man zwei Keimungstypen. Beide führen zu einer gesunden Pflanze, sie unterscheiden sich aber deutlich im Aussehen des jungen Keimlings und darin, wie früh die Keimblätter Fotosynthese betreiben können.

Bei der oberirdischen, epigäischen Keimung streckt sich der Abschnitt zwischen Wurzel und Keimblättern stark und zieht die Keimblätter aus der Erde. Bei der unterirdischen, hypogäischen Keimung bleibt dieser Abschnitt kurz, die Keimblätter bleiben in der Erde zurück, und nur die darüberliegenden ersten Blätter wachsen ans Licht.

Oberirdisch (epigäisch)

Die Keimblätter werden über die Erdoberfläche gehoben und ergrünen dort.

Beispiele

  • Gartenbohne treibt zwei dicke Keimblätter über die Erde
  • Kresse zeigt schon nach wenigen Tagen grüne Keimblätter
  • Sonnenblume hebt ihre Keimblätter deutlich sichtbar an

Signalwörter

  • Abschnitt unter den Keimblättern streckt sich stark
  • Keimblätter werden grün und betreiben Fotosynthese
  • Keimling wirkt oberirdisch besonders groß

Unterirdisch (hypogäisch)

Die Keimblätter bleiben in der Erde, nur die ersten echten Blätter wachsen ans Licht.

Beispiele

  • Erbse lässt ihre Keimblätter im Boden zurück
  • Ackerbohne treibt nur den Spross mit Laubblättern nach oben
  • Eiche behält ihre nährstoffreichen Keimblätter unter der Erde

Signalwörter

  • Abschnitt unter den Keimblättern bleibt kurz
  • Keimblätter bleiben blass und unterirdisch
  • oberirdisch sind zuerst nur Laubblätter sichtbar
Oberirdische Keimung hebt die Keimblätter ans Licht, unterirdische Keimung lässt sie im Boden zurück.
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Warum verhungert ein Keimling nicht sofort im Dunkeln?

Ein Bohnensamen keimt in einem dunklen Schrank, ohne jedes Licht. Nach einer Woche ist ein kräftiger Keimling mit Wurzel, Spross und Keimblättern entstanden. Erkläre, wovon der Keimling sich in dieser Zeit ernährt hat.

Gegeben:

  • Keimling erhielt kein Licht, konnte also keine Fotosynthese betreiben
  • Same enthielt vor der Keimung Reservestoffe (Stärke, Fett, Eiweiß)
  • Keimling wuchs sichtbar an Wurzel und Spross

Gesucht:

Energie- und Baustoffquelle des Keimlings im Dunkeln

Lösung:

  1. Ohne Licht kann kein Chlorophyll aktiv Fotosynthese betreiben, der Keimling kann also keinen eigenen Zucker herstellen.
  2. Der Same enthält aber gespeicherte Reservestoffe, vor allem Stärke, die beim Keimen von Enzymen in Zucker umgewandelt wird.
  3. Dieser Zucker liefert Energie für Zellteilung und Wachstum von Wurzel und Spross.
  4. Reicht das Licht auch danach nicht aus, sind die Reservestoffe irgendwann aufgebraucht und der Keimling stirbt, sobald er auf Fotosynthese angewiesen wäre.

In den ersten Tagen lebt der Keimling von den im Samen gespeicherten Reservestoffen, nicht von Fotosynthese. Erst sobald er Licht erreicht, wird er davon unabhängig.

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Bei welcher Temperatur keimen Samen am besten?

Jede Pflanzenart hat eine Temperatur, bei der sie am schnellsten und zuverlässigsten keimt. Ist der Boden zu kalt, laufen die nötigen chemischen Reaktionen im Samen zu langsam ab, die Keimung verzögert sich oder bleibt aus. Ist es zu heiß, können Enzyme im Samen geschädigt werden, was die Keimfähigkeit ebenfalls senkt.

Gemüse aus kühleren Regionen wie die Erbse keimt schon bei relativ niedrigen Bodentemperaturen, während wärmeliebende Pflanzen wie Mais deutlich höhere Temperaturen benötigen. Deshalb steht auf Saatgutverpackungen häufig eine empfohlene Aussaatzeit, die sich nach der zu erwartenden Bodentemperatur richtet.

Kälteliebende Arten wie die Erbse keimen schon bei niedrigeren Temperaturen als wärmeliebende Arten wie Mais.
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Typische Fehler und einfache Versuche

Ein häufiger Fehler in Klassenarbeiten ist die Annahme, ein Samen brauche zum Keimen unbedingt Licht und Erde. Tatsächlich reichen Wasser, Wärme und Sauerstoff aus, wie ein einfacher Versuch zeigt: Legt man Bohnensamen zwischen feuchte Watte in ein geschlossenes Glas, keimen sie auch ganz ohne Erde und im Dunkeln – Licht wird erst wichtig, sobald die Pflanze eigenständig Fotosynthese betreiben muss.

Ein zweiter Versuch zeigt den Zusammenhang mit der Schwerkraft: Legt man gekeimte Bohnen mehrfach in unterschiedlichen Richtungen ins Glas, wächst die Wurzel trotzdem immer nach unten und der Spross immer nach oben. Solche Versuche lassen sich leicht zu Hause auf der Fensterbank durchführen und eignen sich gut, um die Keimungsbedingungen selbst zu überprüfen.

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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 3

Welche drei Bedingungen braucht ein Samen zwingend, um zu keimen?

Welche drei Bedingungen braucht ein Samen zwingend, um zu keimen?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Samen braucht Wasser, eine passende Temperatur und Sauerstoff, um zu keimen – Licht ist nicht zwingend nötig.
  • Zuerst wächst die Keimwurzel nach unten, danach streckt sich der Spross nach oben.
  • Bei der oberirdischen Keimung werden die Keimblätter über die Erde gehoben, bei der unterirdischen bleiben sie im Boden.
  • In den ersten Tagen lebt der Keimling von Reservestoffen im Samen, nicht von Fotosynthese.
  • Jede Pflanzenart hat eine bevorzugte Keimtemperatur, deshalb gelten unterschiedliche Aussaatzeiten.
  • Typischer Fehler: zu glauben, Erde sei zum Keimen zwingend nötig. Versuche mit feuchter Watte zeigen das Gegenteil.

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Häufige Fragen zu Keimung und Wachstum

Was braucht ein Samen zum Keimen?
Ein Samen braucht Wasser, eine für die Pflanzenart passende Temperatur und Sauerstoff. Wasser aktiviert Enzyme, die gespeicherte Stärke in Zucker umwandeln, dieser Zucker liefert die erste Energie. Erde und Licht sind zum reinen Keimen dagegen nicht zwingend notwendig, wie Versuche mit feuchter Watte zeigen.
Wie läuft die Keimung eines Samens ab?
Zuerst nimmt der Same Wasser auf und quillt, dann durchbricht die Keimwurzel die Samenschale und wächst nach unten. Danach streckt sich der Spross nach oben und entfaltet die Keimblätter. Sobald die ersten echten Laubblätter entstehen, kann die Pflanze über Fotosynthese eigene Nährstoffe herstellen und ist nicht mehr auf Reservestoffe angewiesen.
Was ist der Unterschied zwischen oberirdischer und unterirdischer Keimung?
Bei der oberirdischen, epigäischen Keimung werden die Keimblätter über die Erde gehoben und ergrünen dort, wie bei der Bohne. Bei der unterirdischen, hypogäischen Keimung bleiben die Keimblätter im Boden zurück, nur die späteren Laubblätter wachsen ans Licht, wie bei der Erbse.
Warum wächst die Wurzel immer nach unten?
Die Wurzel reagiert auf die Schwerkraft, ein Verhalten, das Geotropismus genannt wird. Egal wie ein Same im Boden liegt, die Keimwurzel wächst stets in Richtung Erdmittelpunkt. Das verankert den jungen Keimling zuverlässig im Boden und sichert den Zugang zu Wasser und Mineralstoffen.
Wovon ernährt sich ein Keimling, bevor er Blätter hat?
Bevor Laubblätter entstehen, lebt der Keimling von Reservestoffen, die im Samen gespeichert sind, vor allem Stärke, Fett und Eiweiß. Enzyme wandeln diese Stoffe in Zucker um, der als Energiequelle dient. Erst mit den ersten Laubblättern kann die Pflanze über Fotosynthese selbst Nährstoffe herstellen.
Warum keimen manche Samen im Frühjahr nicht, obwohl sie gegossen werden?
Häufig liegt es an der Bodentemperatur. Jede Pflanzenart hat eine bevorzugte Keimtemperatur, wärmeliebende Arten wie Mais keimen bei kaltem Frühjahrsboden kaum. Wasser allein reicht dann nicht aus, weil die notwendigen chemischen Reaktionen im Samen bei zu niedrigen Temperaturen zu langsam ablaufen.
Brauchen Samen zum Keimen Licht?
Die meisten Samen benötigen zum reinen Keimen kein Licht, manche Arten keimen sogar besser im Dunkeln, weil sie Dunkelkeimer sind. Es gibt aber auch Lichtkeimer, etwa manche Kräuter, die tatsächlich Licht zum Keimen brauchen. Wichtig wird Licht spätestens, sobald die Pflanze Fotosynthese betreiben muss.
In welcher Klasse wird Keimung im Biologieunterricht behandelt?
Keimung und Wachstum sind ein klassisches Thema der sechsten Klasse, oft im Rahmen einer Unterrichtseinheit zu Blütenpflanzen oder zum Aufbau einer Pflanze. Häufig führen Schülerinnen und Schüler dazu eigene Keimversuche durch, etwa mit Bohnen oder Kresse auf feuchter Watte.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können

Das kommt als Nächstes