Aufbau einer Pflanze: Wurzel, Spross, Blatt
Fast jede Blütenpflanze ist aus denselben Grundorganen gebaut: Wurzel, Sprossachse und Blatt. In dieser Lektion lernst du, welche Aufgabe jedes Organ hat, wie das Wasser vom Boden bis ins Blatt gelangt und woran du typische Verwechslungen wie die Kartoffelknolle erkennst.
- Fach: Biologie
- Klasse 5
- Thema: Pflanzen
- Dauer: 16 Min
- Niveau: Einfach
Drei Organe, eine Pflanze
Wenn du eine Löwenzahnpflanze vorsichtig aus dem Boden ziehst, erkennst du drei Teile. Unten steckt die Wurzel in der Erde. Darüber wächst die Sprossachse, also der Stängel oder bei Bäumen der Stamm. An ihr sitzen die Blätter. Wurzel, Sprossachse und Blätter nennt man die Grundorgane der Pflanze. Sprossachse und Blätter zusammen bilden den Spross, also alles, was über der Erde wächst.
Jedes Organ hat eine eigene Aufgabe. Die Wurzel verankert die Pflanze im Boden und nimmt mit feinen Wurzelhaaren Wasser und darin gelöste Mineralstoffe auf. Die Sprossachse trägt die Blätter zum Licht und leitet das Wasser in dünnen Röhren nach oben. In den Blättern entsteht mithilfe von Sonnenlicht aus Wasser und Kohlenstoffdioxid Traubenzucker. Diesen Vorgang nennt man Fotosynthese.
Ein typischer Fehler: Viele glauben, eine Pflanze „isst“ Erde, weil sie mit den Wurzeln im Boden steckt. Tatsächlich holt sie aus dem Boden nur Wasser und Mineralstoffe. Ihre eigentliche Nahrung, den Zucker, stellt sie selbst in den Blättern her. Deshalb wird eine Pflanze ohne Licht gelb und schwach, auch wenn sie in bester Erde steht.
Wurzel oder Spross?
Wurzel und Spross arbeiten wie zwei Teams. Die Wurzel sorgt für Halt und für den Nachschub an Wasser, der Spross sorgt für Licht und für die Herstellung von Nahrung. Der Zucker aus den Blättern wird durch andere Leitungsbahnen wieder nach unten transportiert, damit auch die Wurzel wachsen kann.
Nicht jedes Organ unter der Erde ist eine Wurzel. Die Kartoffel ist zum Beispiel eine verdickte Sprossachse, eine Sprossknolle. Du erkennst das an den „Augen“: Das sind Knospen, und Knospen bildet nur der Spross.
Wurzel
Der Teil unter der Erde, der die Pflanze festhält und Wasser aufnimmt.
Beispiele
- Pfahlwurzel des Löwenzahns – reicht tief in den Boden
- Faserwurzeln des Grases – viele dünne Wurzeln nah an der Oberfläche
- Möhre – eine verdickte Speicherwurzel
Signalwörter
- wächst in den Boden hinein
- trägt Wurzelhaare
- hat keine Blätter und keine Knospen
- nimmt Wasser und Mineralstoffe auf
Spross
Alles über der Erde: Sprossachse mit Blättern, Knospen und Blüten.
Beispiele
- Stängel der Sonnenblume – trägt Blätter und Blüte
- Stamm eines Baumes – eine verholzte Sprossachse
- Kartoffelknolle – verdickte Sprossachse mit Knospen
Signalwörter
- wächst zum Licht hin
- trägt Blätter und Knospen
- leitet Wasser nach oben
- Blätter betreiben Fotosynthese
| Merkmal | Wurzel | Spross |
|---|---|---|
| Lage | unter der Erde | über der Erde |
| Aufgabe | Halt geben, Wasser aufnehmen | Blätter zum Licht tragen |
| Knospen | keine | trägt Knospen und Blätter |
| Beispiel unter der Erde | Möhre (Speicherwurzel) | Kartoffelknolle (Sprossknolle) |
Der Weg des Wassers durch die Pflanze
Damit die Fotosynthese im Blatt ablaufen kann, muss ständig Wasser vom Boden dorthin gelangen, oft mehrere Meter weit. Am Anfang dieses Weges stehen die Wurzelhaare, winzige Ausstülpungen der äußeren Wurzelzellen. Sie vergrößern die Oberfläche der Wurzel enorm, ungefähr so, wie viele kleine Finger mehr Wasser aufnehmen können als eine glatte Handfläche. Über die Wurzelhaare gelangen Wasser und darin gelöste Mineralstoffe ins Innere der Wurzel.
Von dort führt der Weg in spezielle Leitungsbahnen, das Xylem, das sich durch die ganze Wurzel, die Sprossachse und schließlich in jede Blattader zieht. Man kann sich das Xylem wie ein Bündel feinster Strohhalme vorstellen, die Wasser fast ohne Pumpe nach oben ziehen. Angetrieben wird dieser Sog vor allem von den Blättern selbst: An winzigen Öffnungen, den Spaltöffnungen, verdunstet ständig Wasser. Dadurch entsteht ein Sog, der wie an einem Strohhalm neues Wasser von unten nachzieht – diesen Vorgang nennt man Transpirationssog.
Nur ein kleiner Teil des aufgenommenen Wassers wird tatsächlich für die Fotosynthese verbraucht, der weitaus größte Teil verdunstet über die Blätter. Das klingt zunächst nach Verschwendung, hat aber zwei wichtige Nebeneffekte: Die Verdunstung kühlt das Blatt an heißen Tagen, und der ständige Wasserstrom transportiert gleichzeitig die Mineralstoffe aus dem Boden bis in die entlegensten Blattspitzen.
Warum welkt die umgetopfte Pflanze?
Lena topft eine Tomatenpflanze um und reißt dabei viele feine Wurzeln ab. Am nächsten Tag hängen die Blätter schlaff herunter, obwohl sie gegossen hat. Erkläre, woran das liegt.
Gegeben:
- viele feine Wurzeln wurden abgerissen
- die Erde ist feucht
- die Blätter hängen schlaff
Gesucht:
Der Grund für das WelkenLösung:
- Wasser wird fast nur über die feinen Wurzelhaare aufgenommen.
- Sind diese abgerissen, gelangt kaum noch Wasser in die Sprossachse.
- Die Blätter verdunsten aber weiter Wasser und verlieren es dadurch schneller, als Nachschub kommt.
Die Pflanze welkt, weil die Wurzel zu wenig Wasser aufnehmen kann – nicht, weil Wasser im Boden fehlt. Bilden sich neue Wurzelhaare, erholt sie sich.
Typische Fehler bei Pflanzenorganen
Der klassische Fehler in Klassenarbeiten ist, alles Unterirdische als Wurzel zu bezeichnen. Kartoffelknolle, Zwiebel und Ingwer sehen wurzelähnlich aus, sind aber verdickte Sprossabschnitte mit Knospen – eine echte Wurzel bildet niemals Knospen oder Blätter. Umgekehrt ist die Möhre tatsächlich eine Wurzel, obwohl sie ähnlich dick und speichernd ist wie eine Kartoffel. Der einzige verlässliche Test ist die Suche nach Knospen oder kleinen Blattansätzen.
Ein zweiter Fehler betrifft die Fotosynthese: Sie wird manchmal fälschlich der Wurzel zugeschrieben, weil dort ja die Nährstoffe „herkommen“. Die Wurzel liefert aber nur Wasser und Mineralstoffe, keinen Zucker. Fotosynthese findet ausschließlich in grünen, chlorophyllhaltigen Teilen statt, ganz überwiegend in den Blättern.
Pflanzenorgane im Alltag
Im Gemüsebeet nutzt du täglich Wissen über Pflanzenorgane, ohne es zu merken. Radieschen und Möhren isst du als Speicherwurzeln, Kartoffeln und Ingwer als Sprossknollen, Spinat und Salat vor allem als Blätter. Beim Gießen hilft das Wissen um den Wasserweg: Wasser direkt an die Wurzel zu gießen bringt mehr als das Besprühen der Blätter, weil die Wasseraufnahme fast ausschließlich über die Wurzelhaare erfolgt.
Auch beim Umtopfen oder Pikieren im Frühjahr zeigt sich, wie empfindlich Wurzelhaare sind: Sie reißen bei grober Behandlung leicht ab und wachsen erst nach einigen Tagen neu, weshalb frisch umgetopfte Pflanzen oft kurzzeitig welken. Wer weiß, dass sich Knospen nur am Spross bilden, erkennt außerdem sofort, wo eine Zimmerpflanze zurückgeschnitten werden darf, ohne dass sie keine neuen Triebe mehr bekommt.
Jetzt bist du dran!
Mit welchem Teil nimmt die Pflanze vor allem Wasser auf?
Noch nicht. Die feinen Wurzelhaare vergrößern die Oberfläche der Wurzel stark. Über sie gelangen Wasser und Mineralstoffe in die Pflanze.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Grundorgane der Pflanze sind Wurzel, Sprossachse und Blatt.
- Die Wurzel verankert die Pflanze und nimmt über Wurzelhaare Wasser und Mineralstoffe auf.
- Die Sprossachse trägt die Blätter zum Licht und leitet Wasser über das Xylem nach oben.
- In den Blättern entsteht durch Fotosynthese Traubenzucker, angetrieben wird der Wassernachschub durch die Verdunstung an den Blättern.
- Typischer Fehler: Pflanzen fressen keine Erde. Ihre Nahrung stellen sie selbst im Blatt her, und nicht jedes unterirdische Organ ist eine Wurzel.
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Häufige Fragen zu Aufbau einer Pflanze: Wurzel, Spross, Blatt
- Aus welchen Grundorganen besteht eine Pflanze?
- Eine typische Blütenpflanze besteht aus drei Grundorganen: der Wurzel, der Sprossachse und den Blättern. Die Wurzel verankert die Pflanze und nimmt Wasser sowie Mineralstoffe auf, die Sprossachse trägt die Blätter zum Licht und leitet Wasser weiter, und in den Blättern findet die Fotosynthese statt. Sprossachse und Blätter zusammen bilden den Spross.
- Wie nimmt eine Pflanze Wasser auf?
- Wasser wird fast ausschließlich über die feinen Wurzelhaare aufgenommen, winzige Ausstülpungen der Wurzelzellen, die die Oberfläche stark vergrößern. Von dort gelangt es in die Leitungsbahnen der Wurzel und weiter über das Xylem in Sprossachse und Blätter. Angetrieben wird der Wasserstrom vor allem durch die Verdunstung an den Blättern.
- Was ist der Unterschied zwischen Wurzel und Spross?
- Die Wurzel wächst unter der Erde, hält die Pflanze fest und nimmt Wasser und Mineralstoffe auf, bildet aber niemals Knospen oder Blätter. Der Spross umfasst Sprossachse und Blätter, wächst zum Licht hin und trägt Knospen. Ein Organ mit Knospen ist deshalb immer Spross, auch wenn es unter der Erde liegt.
- Warum ist die Kartoffel keine Wurzel, obwohl sie im Boden wächst?
- Die Kartoffelknolle trägt „Augen“, aus denen neue Triebe wachsen – das sind Knospen. Knospen bildet ausschließlich der Spross, niemals die Wurzel. Die Kartoffel ist deshalb eine verdickte Sprossachse, eine sogenannte Sprossknolle, auch wenn sie unter der Erde liegt wie eine Wurzel.
- Warum welkt eine Pflanze auch bei feuchter Erde manchmal?
- Wenn beim Umtopfen oder Umpflanzen viele feine Wurzelhaare abreißen, kann die Pflanze kaum noch Wasser aufnehmen, selbst wenn genug davon im Boden vorhanden ist. Die Blätter verdunsten aber weiterhin Wasser und verlieren dadurch mehr, als über die geschädigte Wurzel nachkommt. Nach einigen Tagen bilden sich neue Wurzelhaare, und die Pflanze erholt sich meist von selbst.
- In welchem Organ findet die Fotosynthese statt?
- Die Fotosynthese findet fast ausschließlich in den Blättern statt, weil dort das grüne Chlorophyll sitzt, das Lichtenergie einfängt. Aus Wasser und Kohlenstoffdioxid entsteht dabei mithilfe von Licht Traubenzucker, außerdem wird Sauerstoff freigesetzt. Die Wurzel liefert nur die Ausgangsstoffe Wasser und Mineralstoffe, betreibt aber selbst keine Fotosynthese.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
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