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Neuronen und Synapsen

Jeder Gedanke, jede Bewegung und jede Sinneswahrnehmung beruht auf winzigen elektrischen und chemischen Signalen zwischen Nervenzellen. In dieser Lektion lernst du den Aufbau eines Neurons, wie ein Aktionspotential entlang des Axons läuft und wie Synapsen dieses Signal an die nächste Zelle weitergeben. Dazu kommen typische Fehler und ein Blick darauf, warum manche Nervenfasern schneller leiten als andere.

  • Fach: Biologie
  • Klasse 10
  • Thema: Der menschliche Körper
  • Dauer: 24 Min
  • Niveau: Schwer
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Der Aufbau eines Neurons

Ein Neuron, also eine Nervenzelle, besteht aus drei wesentlichen Abschnitten: dem Zellkörper, den Dendriten und dem Axon. Der Zellkörper enthält den Zellkern und die meisten Zellorganellen, hier laufen alle Informationen zusammen. Die Dendriten sind kurze, stark verzweigte Fortsätze, die Signale von anderen Nervenzellen empfangen und zum Zellkörper weiterleiten.

Das Axon ist dagegen ein einzelner, oft sehr langer Fortsatz, der elektrische Signale vom Zellkörper wegleitet, teilweise über mehr als einen Meter, etwa bei Nervenzellen vom Rückenmark bis zum Fuß. Viele Axone sind von einer Myelinscheide umhüllt, einer isolierenden Fettschicht aus speziellen Gliazellen, die in regelmäßigen Abständen von kleinen Lücken, den Ranvierschen Schnürringen, unterbrochen wird.

Am Ende verzweigt sich das Axon in mehrere Endknöpfchen, die jeweils eine Synapse zur nächsten Zelle bilden. Diese kann eine andere Nervenzelle, aber auch eine Muskel- oder Drüsenzelle sein. Ein einzelnes Neuron kann über tausende solcher Synapsen gleichzeitig mit anderen Zellen verbunden sein, wodurch im Gehirn ein enorm dichtes Netzwerk entsteht.

BestandteilAufgabeBesonderheit
Dendritenempfangen Signale von anderen Zellenstark verzweigt, meist kurz
Zellkörperverrechnet ankommende Signaleenthält Zellkern und Organellen
Axonleitet das Signal weiteroft von Myelinscheide isoliert, teils über einen Meter lang
Die drei Hauptbestandteile eines Neurons
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Wie ein Aktionspotential entsteht

In Ruhe herrscht zwischen dem Innern und dem Äußeren eines Neurons ein Spannungsunterschied von etwa minus 70 Millivolt, das Ruhepotential. Es entsteht, weil die Zellmembran unterschiedlich viele Natrium- und Kaliumionen durchlässt und eine Ionenpumpe aktiv Natrium hinaus- und Kalium hineinbefördert. Innen sammelt sich dadurch relativ mehr negative Ladung als außen.

Erreicht ein ankommendes Signal am Axonhügel einen bestimmten Schwellenwert, öffnen sich schlagartig spannungsgesteuerte Natriumkanäle. Natriumionen strömen von außen nach innen, die Spannung kippt kurzzeitig ins Positive, das ist das Aktionspotential. Direkt danach öffnen sich Kaliumkanäle, Kalium strömt nach außen, und das Ruhepotential wird wiederhergestellt.

Dieses Aktionspotential folgt dem Alles-oder-Nichts-Prinzip: Es wird entweder in voller Stärke ausgelöst oder gar nicht, eine abgeschwächte Version gibt es nicht. Stärkere Reize führen deshalb nicht zu einem größeren Aktionspotential, sondern zu mehr Aktionspotentialen pro Zeiteinheit. Das entstandene Signal wandert dann wie eine Welle das Axon entlang bis zu den Endknöpfchen.

Vom Dendriten bis zum nächsten Neuron durchläuft ein Reiz mehrere klar abgegrenzte Stationen.
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Erregungsleitung und Erregungsübertragung

Innerhalb eines Neurons läuft die Erregung elektrisch entlang des Axons, zwischen zwei Neuronen wird sie dagegen chemisch übertragen. Dieser Wechsel von elektrisch zu chemisch und zurück ist notwendig, weil Nervenzellen normalerweise nicht direkt aneinander anliegen, sondern durch einen winzigen synaptischen Spalt getrennt sind.

Der Unterschied hat wichtige Folgen: Elektrische Signale sind extrem schnell, chemische Übertragung an der Synapse braucht dagegen einen kleinen zusätzlichen Zeitraum, weil Botenstoffe erst freigesetzt werden und durch den Spalt diffundieren müssen. Dafür lässt sich an der Synapse die Signalstärke fein regulieren, etwa durch die Menge des freigesetzten Botenstoffs.

Im Axon (elektrisch)

Das Aktionspotential läuft als elektrisches Signal durch die Nervenzelle selbst.

Beispiele

  • Weiterleitung vom Axonhügel bis zu den Endknöpfchen
  • sehr schnelle Übertragung innerhalb einer Zelle
  • läuft immer als vollständiges Signal (Alles-oder-Nichts)

Signalwörter

  • beteiligt: Natrium- und Kaliumionen
  • geschieht innerhalb einer einzigen Zelle
  • Geschwindigkeit hängt von Myelinisierung ab

An der Synapse (chemisch)

Neurotransmitter übertragen das Signal über den synaptischen Spalt zur nächsten Zelle.

Beispiele

  • Übergang zwischen zwei Nervenzellen
  • Übergang von Nerv zu Muskel an der motorischen Endplatte
  • Wirkung vieler Medikamente und Drogen genau an dieser Stelle

Signalwörter

  • beteiligt: Botenstoffe wie Serotonin oder Dopamin
  • nur in eine Richtung möglich
  • durch den Spalt leicht verzögert
Im Axon läuft das Signal elektrisch, an der Synapse wird es in ein chemisches Signal übersetzt.
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Wie wirkt ein Nervengift an der Synapse?

Ein Nervengift blockiert an bestimmten Synapsen die Wiederaufnahme des Botenstoffs aus dem synaptischen Spalt in die sendende Zelle. Erkläre, welche Folge das für die Erregungsübertragung hat.

Gegeben:

  • Normalerweise wird ein Teil des Botenstoffs nach der Übertragung wieder aufgenommen
  • Das Gift blockiert genau diese Wiederaufnahme
  • Rezeptoren der empfangenden Zelle bleiben durch den Botenstoff weiter besetzt

Gesucht:

Auswirkung auf die nächste Nervenzelle

Lösung:

  1. Normalerweise sorgt die Wiederaufnahme dafür, dass der Botenstoff schnell aus dem Spalt verschwindet und die Übertragung ein klar begrenztes Signal bleibt.
  2. Wird die Wiederaufnahme blockiert, bleibt deutlich mehr Botenstoff länger im synaptischen Spalt.
  3. Die Rezeptoren der empfangenden Zelle werden dadurch stärker und länger aktiviert als normal.
  4. Die nachfolgende Nervenzelle wird also übermäßig stark und über einen zu langen Zeitraum erregt.

Die Blockade der Wiederaufnahme führt zu einer überstarken, verlängerten Erregung der nächsten Zelle, weil der Botenstoff im Spalt nicht mehr rechtzeitig abgebaut wird.

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Warum leiten manche Nervenfasern schneller als andere?

Die Geschwindigkeit, mit der ein Aktionspotential ein Axon entlangläuft, hängt stark davon ab, ob die Faser von einer Myelinscheide umhüllt ist. Marklose, also unisolierte Fasern leiten das Signal Punkt für Punkt entlang der gesamten Membran, was vergleichsweise langsam ist. Markhaltige Fasern dagegen springen von einem Ranvierschen Schnürring zum nächsten, weil sich das Aktionspotential nur dort neu bilden muss, wo die Isolierung unterbrochen ist.

Dieses Springen von Schnürring zu Schnürring nennt man saltatorische Erregungsleitung, sie ist deutlich schneller als eine kontinuierliche Weiterleitung. Zusätzlich spielt der Durchmesser der Faser eine Rolle: Dickere Fasern leiten schneller als dünnere. Diese Unterschiede sind kein Zufall, sondern an die jeweilige Aufgabe angepasst – Reflexe, die extrem schnell reagieren müssen, laufen über dicke, stark myelinisierte Fasern.

Myelinisierte, dicke Nervenfasern leiten Signale um ein Vielfaches schneller als marklose, dünne Fasern.
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Synapsen und Botenstoffe im Überblick

Erreicht ein Aktionspotential das Ende des Axons, öffnen sich dort spannungsgesteuerte Kalziumkanäle. Der einströmende Kalziumeinstrom bewirkt, dass kleine Bläschen mit Neurotransmittern mit der Zellmembran verschmelzen und ihren Inhalt in den synaptischen Spalt ausschütten. Die Botenstoffe diffundieren durch den Spalt und binden an passende Rezeptoren der nachfolgenden Zelle.

Je nach Botenstoff und Rezeptor kann diese Bindung die nächste Zelle entweder erregen oder hemmen. Erregende Synapsen machen es wahrscheinlicher, dass die nächste Zelle selbst ein Aktionspotential auslöst, hemmende Synapsen senken diese Wahrscheinlichkeit. Ein einzelnes Neuron erhält oft gleichzeitig erregende und hemmende Signale von tausenden Synapsen und verrechnet sie am Axonhügel zu einer einzigen Entscheidung: feuern oder nicht.

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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 3

Welcher Teil eines Neurons empfängt Signale von anderen Nervenzellen?

Welcher Teil eines Neurons empfängt Signale von anderen Nervenzellen?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Neuron besteht aus Dendriten, Zellkörper und Axon, das Signal läuft in genau dieser Richtung.
  • Ein Aktionspotential entsteht durch Ein- und Ausstrom von Natrium- und Kaliumionen und folgt dem Alles-oder-Nichts-Prinzip.
  • Im Axon läuft die Erregung elektrisch, an der Synapse wird sie chemisch über Neurotransmitter übertragen.
  • Myelinisierte, dicke Nervenfasern leiten durch saltatorische Erregungsleitung deutlich schneller als marklose, dünne Fasern.
  • Synapsen können erregend oder hemmend wirken, das Neuron verrechnet alle ankommenden Signale am Axonhügel.
  • Typischer Fehler: zu glauben, ein stärkerer Reiz erzeuge ein stärkeres Aktionspotential. Tatsächlich steigt nur die Anzahl der Aktionspotentiale pro Zeit.

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Häufige Fragen zu Neuronen und Synapsen

Wie ist ein Neuron aufgebaut?
Ein Neuron besteht aus Dendriten, die Signale von anderen Zellen empfangen, dem Zellkörper, der die Signale verrechnet, und dem Axon, das die Erregung weiterleitet. Am Ende des Axons sitzen Endknöpfchen, die über Synapsen mit der nächsten Zelle verbunden sind. Viele Axone sind zusätzlich von einer isolierenden Myelinscheide umhüllt.
Was ist ein Aktionspotential?
Ein Aktionspotential ist eine kurzzeitige Umkehr der elektrischen Spannung an der Zellmembran eines Neurons, ausgelöst durch einströmende Natriumionen. Es entsteht nur, wenn ein Reiz einen bestimmten Schwellenwert überschreitet, folgt dann aber immer in voller Stärke ab, dem sogenannten Alles-oder-Nichts-Prinzip.
Was ist der Unterschied zwischen Erregungsleitung und Erregungsübertragung?
Erregungsleitung bezeichnet die elektrische Weiterleitung des Aktionspotentials innerhalb einer Nervenzelle entlang des Axons. Erregungsübertragung meint dagegen den chemischen Übergang zwischen zwei Zellen an der Synapse mithilfe von Neurotransmittern, weil dort ein winziger Spalt die Zellen trennt.
Wie funktioniert eine Synapse?
Erreicht ein Aktionspotential das Ende des Axons, werden aus Bläschen Neurotransmitter in den synaptischen Spalt ausgeschüttet. Diese Botenstoffe binden an Rezeptoren der nächsten Zelle und lösen dort je nach Botenstoff eine erregende oder hemmende Wirkung aus. So wird das Signal von einer Zelle zur nächsten weitergegeben.
Warum leiten manche Nerven schneller als andere?
Markhaltige, myelinisierte Fasern leiten deutlich schneller, weil das Aktionspotential nur an den Ranvierschen Schnürringen neu entsteht und dazwischen sprunghaft weiterläuft, der sogenannten saltatorischen Erregungsleitung. Zusätzlich leiten dickere Fasern schneller als dünnere. Deshalb erreichen manche Nervenimpulse über 100 Meter pro Sekunde, andere nur etwa einen Meter pro Sekunde.
Was passiert bei einem Reflex im Nervensystem?
Bei einem Reflex läuft die Erregung über einen kurzen Reflexbogen, oft direkt über das Rückenmark, ohne dass das Gehirn den Vorgang zuerst bewusst verarbeiten muss. Das spart wertvolle Zeit, etwa wenn die Hand blitzschnell von einer heißen Herdplatte zurückgezogen wird, bevor der Schmerz überhaupt bewusst wahrgenommen wird.
Was bewirken Neurotransmitter im Gehirn?
Neurotransmitter wie Serotonin oder Dopamin übertragen an Synapsen Signale zwischen Nervenzellen und beeinflussen dabei unter anderem Stimmung, Aufmerksamkeit und Bewegung. Viele Medikamente und auch manche Drogen wirken, indem sie gezielt in die Freisetzung, Wirkung oder Wiederaufnahme dieser Botenstoffe eingreifen.
In welcher Klasse werden Neuronen und Synapsen behandelt?
Neuronen, Aktionspotential und Synapsen gehören zum Stoff der Oberstufe, meist Klasse 10 bis 12, im Themenbereich Nervensystem und Neurobiologie. Sie bauen auf Grundwissen zu Zellen und dem Nervensystem aus früheren Klassenstufen auf und bilden oft die Grundlage für Themen wie Sinnesphysiologie oder Wirkung von Drogen.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können

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