Magnetismus
In dieser Lektion lernst du, welche Stoffe magnetisch sind, warum jeder Magnet zwei Pole hat und wie sich Pole anziehen oder abstoßen. Außerdem erfährst du, wie ein Kompass funktioniert, wie ein Elektromagnet aufgebaut ist und wo dir Magnetismus im Alltag begegnet.
- Fach: Physik
- Klasse 6
- Thema: Elektrizität
- Dauer: 15 Min
- Niveau: Einfach
Was Magnete anziehen – und was nicht
Ein Magnet zieht nicht alles an. Er wirkt nur auf wenige Stoffe, vor allem auf Eisen, Nickel und Cobalt. Solche Stoffe nennt man ferromagnetisch. Aluminium, Kupfer, Glas, Holz und Kunststoff lässt ein Magnet dagegen völlig kalt. Deshalb hält ein Kühlschrankmagnet an der Stahltür, aber nicht an der Fensterscheibe daneben.
Die Kraft eines Magneten ist an zwei Stellen am stärksten. Diese Stellen heißen Pole. Tauchst du einen Stabmagneten in Eisenspäne, bleiben an den beiden Enden dicke Büschel hängen, in der Mitte fast nichts. Der eine Pol heißt Nordpol, der andere Südpol. Jeder Magnet hat immer beide – einen einzelnen Pol gibt es nicht. Wenn du einen Stabmagneten in der Mitte durchbrichst, hast du nicht einen Nordpol und einen Südpol in der Hand, sondern zwei vollständige kleine Magnete mit je zwei Polen.
Magnete wirken auch durch Lücken hindurch, ohne sich zu berühren. Den Raum um einen Magneten, in dem diese Kraft wirkt, nennt man Magnetfeld. Es ist unsichtbar, aber du kannst es sichtbar machen: Streue Eisenpulver auf ein Blatt Papier über einem Magneten, dann ordnen sich die Körnchen in Linien an, die von einem Pol zum anderen laufen. Außerhalb des Magneten verlaufen diese Feldlinien immer vom Nordpol zum Südpol. Auch die Erde hat ein solches Feld. Eine frei drehbare Magnetnadel richtet sich darin aus – das ist ein Kompass.
Ein typischer Fehler: Viele denken, ein Magnet ziehe jedes Metall an. Probiere es mit einer Aluminiumdose oder einer Kupfermünze aus – da passiert nichts. Metall ist nicht gleich Eisen.
| Magnetisch (ferromagnetisch) | Nicht magnetisch |
|---|---|
| Eisen | Aluminium |
| Nickel | Kupfer |
| Cobalt | Gold, Silber |
| Stahl (enthält Eisen) | Glas, Holz, Kunststoff |
Anziehen oder abstoßen?
Bringst du zwei Magnete zusammen, entscheidet allein die Kombination der Pole, was passiert. Die Regel lautet: Gleiche Pole stoßen sich ab, verschiedene Pole ziehen sich an.
Daran erkennst du übrigens, ob ein Gegenstand selbst ein Magnet ist oder nur magnetisierbares Eisen: Eine Abstoßung gibt es nur zwischen zwei echten Magneten. Eine Büroklammer wird von jedem Pol angezogen, nie abgestoßen.
Gleiche Pole
Zwei Nordpole oder zwei Südpole stehen sich gegenüber.
Beispiele
- Zwei Stabmagnete mit beiden Nordpolen aneinander: sie drücken auseinander
- Ein Ringmagnet schwebt über einem gleich ausgerichteten zweiten Ringmagneten
Signalwörter
- N und N oder S und S
- die Magnete drücken sich weg
- einer dreht sich um, wenn er frei beweglich ist
- spürbarer Widerstand beim Zusammenschieben
Verschiedene Pole
Ein Nordpol steht einem Südpol gegenüber.
Beispiele
- Nordpol an Südpol: die Magnete schnappen zusammen
- Der Nordpol der Kompassnadel zeigt zum magnetischen Südpol der Erde im Norden
Signalwörter
- N und S
- die Magnete ziehen sich an
- sie halten aneinander fest
- je kleiner der Abstand, desto stärker die Kraft
Der Elektromagnet: Magnetismus per Knopfdruck
Ein Dauermagnet ist immer magnetisch, ob du willst oder nicht. Es gibt aber auch Magnete, die sich per Schalter ein- und ausschalten lassen: Elektromagnete. Sie nutzen einen Zusammenhang, den der dänische Physiker Hans Christian Ørsted 1820 entdeckte: Fließt Strom durch einen Draht, entsteht um den Draht herum ein Magnetfeld. Ein einzelner gerader Draht erzeugt nur ein schwaches Feld, doch wickelst du den Draht zu einer Spule mit vielen Windungen auf, addieren sich die Magnetfelder aller Windungen zu einem viel stärkeren Feld.
Steckst du zusätzlich einen Eisenkern in die Spule, wird das Magnetfeld noch einmal deutlich stärker, weil sich das Eisen selbst mitmagnetisiert, solange Strom fließt. Schaltest du den Strom ab, verschwindet das Magnetfeld fast vollständig, und der Eisenkern verliert seine magnetische Wirkung wieder. Genau das unterscheidet den Elektromagneten vom Dauermagneten: Er lässt sich an- und abschalten, und seine Stärke lässt sich über die Windungszahl und die Stromstärke verändern.
Dauermagnet oder Elektromagnet?
In der Technik werden beide Magnetarten gezielt eingesetzt, je nachdem, ob das Magnetfeld dauerhaft oder nur zeitweise gebraucht wird.
Dauermagnet
Das Magnetfeld soll immer vorhanden sein, ohne Strom.
Beispiele
- Kühlschrankmagnet aus magnetisiertem Ferrit
- Kompassnadel, die sich am Erdmagnetfeld ausrichtet
Signalwörter
- kein Kabel, keine Stromquelle nötig
- Stärke fest, nicht regelbar
- kann nicht ausgeschaltet werden
Elektromagnet
Das Magnetfeld soll gezielt an- und ausgeschaltet oder geregelt werden.
Beispiele
- Hebekran im Schrottplatz, der Metall aufnimmt und wieder loslässt
- Elektromotor, in dem sich Magnetfelder gegenseitig antreiben
Signalwörter
- Spule mit Draht, oft mit Eisenkern
- braucht eine Stromquelle
- Stärke über Windungszahl und Stromstärke regelbar
| Merkmal | Dauermagnet | Elektromagnet |
|---|---|---|
| Magnetfeld | immer vorhanden | nur bei fließendem Strom |
| Ein- und ausschalten | nicht möglich | per Schalter jederzeit möglich |
| Stärke ändern | fest, kaum veränderbar | über Windungszahl und Stromstärke regelbar |
Beispiel: Pole bestimmen
Du hast einen Stabmagneten, dessen Pole nicht beschriftet sind, und einen beschrifteten Magneten, bei dem der Nordpol rot markiert ist. Wie findest du heraus, welches Ende des unbeschrifteten Magneten der Nordpol ist?
Gegeben:
- Magnet A: unbeschriftet, Enden heißen A1 und A2
- Magnet B: Nordpol bekannt und rot markiert
Gesucht:
Welches Ende von Magnet A ist der Nordpol?Lösung:
- Halte den roten Nordpol von B an das Ende A1 und beobachte, was passiert.
- Stoßen sich A1 und der Nordpol von B ab, dann sind es gleiche Pole – A1 ist der Nordpol.
- Ziehen sich A1 und der Nordpol von B an, dann sind es verschiedene Pole – A1 ist der Südpol und A2 der Nordpol.
Die Abstoßung ist der verlässliche Hinweis: Nur gleiche Pole stoßen sich ab. Eine Anziehung allein wäre kein Beweis, weil auch unmagnetisches Eisen angezogen wird.
Beispiel: Einen Elektromagneten stärker machen
Du wickelst einen isolierten Draht 20-mal um einen Eisennagel und verbindest die Enden mit einer Batterie. Danach wickelst du denselben Draht stattdessen 60-mal um den Nagel, mit derselben Batterie. Wie verändert sich die Stärke des Elektromagneten, und wie könntest du ihn noch weiter verstärken?
Gegeben:
- Erster Versuch: 20 Windungen um einen Eisennagel
- Zweiter Versuch: 60 Windungen um denselben Eisennagel
- Stromquelle und Draht bleiben gleich
Gesucht:
Qualitative Abschätzung: Wie verändert sich die Anziehungskraft, und welche Stellschrauben gibt es sonst noch?Lösung:
- Jede einzelne Windung erzeugt für sich ein kleines Magnetfeld um den Draht herum.
- Liegen mehrere Windungen dicht nebeneinander auf demselben Eisenkern, addieren sich ihre Magnetfelder zu einem gemeinsamen, stärkeren Feld.
- Mit dreimal so vielen Windungen (60 statt 20) wird das Magnetfeld deutlich stärker, ungefähr im gleichen Verhältnis wie die Windungszahl steigt – aus wenigen angezogenen Büroklammern werden bei gleichem Nagel spürbar mehr.
- Der Eisenkern bleibt dabei entscheidend: Ohne ihn wäre das Feld selbst mit 60 Windungen viel schwächer, weil sich nur der Eisenkern selbst zusätzlich magnetisiert.
- Neben mehr Windungen ließe sich die Stärke auch über eine höhere Stromstärke steigern, zum Beispiel mit einer stärkeren Batterie – allerdings wird der Draht dabei irgendwann zu heiß.
Mehr Windungen um denselben Eisenkern verstärken das Magnetfeld deutlich, weil sich die Felder aller Windungen addieren. Stärke lässt sich also über die Windungszahl und über die Stromstärke regeln – beim Dauermagneten geht das nicht.
Typische Fehler bei Magnetismus
Fehler 1: „Ein Magnet zieht jedes Metall an.“ Das stimmt nicht. Nur Eisen, Nickel und Cobalt sind ferromagnetisch. Aluminiumfolie, Kupferdraht oder eine Silbermünze bleiben von einem Magneten unbeeinflusst, obwohl es Metalle sind. Prüfe im Zweifel immer selbst mit einem Magneten, statt es anzunehmen.
Fehler 2: Magnetfeldlinien werden mit dem Stromfluss im Draht verwechselt. Der elektrische Strom fließt im Draht selbst von Plus nach Minus. Das dadurch erzeugte Magnetfeld dagegen bildet sich ringförmig um den Draht herum und ist eine ganz eigene, zusätzliche Erscheinung – es ist nicht dasselbe wie der Strom, sondern eine Folge davon.
Fehler 3: Man denkt, ein zerbrochener Magnet hätte nur noch einen Pol. Tatsächlich entsteht an der Bruchstelle sofort ein neuer, entgegengesetzter Pol, sodass aus einem Magneten zwei vollständige kleine Magnete werden.
Fehler 4: Anziehung wird mit dem Beweis für einen Magneten verwechselt. Auch unmagnetisiertes Eisen wird von einem Magneten angezogen, obwohl es selbst kein Magnet ist. Nur eine Abstoßung beweist zweifelsfrei, dass beide Gegenstände echte Magnete sind.
Magnetismus im Alltag
Magnetismus begegnet dir öfter, als du vielleicht denkst. Ein Kompass nutzt das Magnetfeld der Erde: Seine Nadel ist selbst ein kleiner Dauermagnet, der sich frei drehen kann und sich deshalb am viel größeren Erdmagnetfeld ausrichtet. So zeigt der Nordpol der Nadel zuverlässig nach Norden.
Der Kühlschrankmagnet an deiner Küchentür hält, weil die Tür aus magnetisierbarem Stahl besteht und der Magnet selbst dauerhaft magnetisiert ist. In einem Elektromotor, wie er in Waschmaschine, Ventilator oder Spielzeugauto steckt, treiben sich wechselnde Magnetfelder von Spulen gegenseitig an und versetzen eine Achse in Drehung. Eine Computerfestplatte speichert Daten, indem winzige Bereiche einer Scheibe unterschiedlich magnetisiert werden – jede Ausrichtung steht für eine 0 oder eine 1. Und bei einer MRT-Untersuchung im Krankenhaus erzeugt ein extrem starker Elektromagnet ein Magnetfeld, mit dem sich das Innere des Körpers ohne Röntgenstrahlung sichtbar machen lässt.
Jetzt bist du dran
Welcher dieser Gegenstände wird von einem Magneten angezogen?
Noch nicht. Stahl besteht überwiegend aus Eisen und ist deshalb ferromagnetisch. Kupfer, Aluminium und Glas sind es nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Magnete wirken nur auf Eisen, Nickel und Cobalt – nicht auf jedes Metall.
- Jeder Magnet hat einen Nordpol und einen Südpol, einzelne Pole gibt es nicht.
- Gleiche Pole stoßen sich ab, verschiedene Pole ziehen sich an.
- Der Raum, in dem die magnetische Kraft wirkt, heißt Magnetfeld.
- Ein Elektromagnet nutzt Strom durch eine Spule, um ein schaltbares Magnetfeld zu erzeugen.
- Mehr Windungen und mehr Strom machen einen Elektromagneten stärker.
- Nur eine Abstoßung beweist, dass beide Körper Magnete sind.
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Häufige Fragen zu Magnetismus
- Was ist der Unterschied zwischen Dauermagnet und Elektromagnet?
- Ein Dauermagnet ist immer magnetisch, ohne Strom und ohne Schalter. Ein Elektromagnet dagegen besteht aus einer Drahtspule, oft mit Eisenkern, und wird nur dann magnetisch, wenn Strom hindurchfließt. Schaltest du den Strom ab, verschwindet das Magnetfeld fast vollständig. Zusätzlich lässt sich seine Stärke über Windungszahl und Stromstärke regeln.
- Warum ziehen sich Magnete an oder stoßen sich ab?
- Das hängt allein von den beteiligten Polen ab. Gleiche Pole, also zwei Nordpole oder zwei Südpole, stoßen sich ab. Verschiedene Pole, also ein Nordpol und ein Südpol, ziehen sich an. Diese Polregel gilt für jeden Magneten, egal wie groß oder stark er ist, und ist der wichtigste Grundsatz im Umgang mit Magnetfeldern.
- Welche Metalle sind magnetisch?
- Nur wenige Metalle sind ferromagnetisch, also deutlich magnetisch: Eisen, Nickel und Cobalt. Stahl zählt dazu, weil er überwiegend aus Eisen besteht. Aluminium, Kupfer, Gold und Silber sind dagegen Metalle, aber nicht magnetisch – ein Magnet zieht sie nicht an, auch wenn viele das zunächst annehmen.
- Wie funktioniert ein Kompass?
- Eine Kompassnadel ist selbst ein kleiner, frei drehbarer Dauermagnet. Weil die Erde ein eigenes, großes Magnetfeld besitzt, richtet sich die Nadel daran aus wie an einem viel stärkeren Magneten. Der Nordpol der Nadel zeigt dabei zum magnetischen Südpol der Erde, der in der Nähe des geografischen Nordpols liegt, und weist so zuverlässig nach Norden.
- Was passiert, wenn man einen Magneten durchbricht?
- Ein einzelner Pol lässt sich niemals abtrennen. Brichst du einen Stabmagneten in der Mitte durch, entstehen an den neuen Bruchstellen sofort ein Nordpol und ein Südpol. Aus einem Magneten werden also zwei vollständige, kleinere Magnete mit je zwei Polen – kein Stück bleibt mit nur einem Pol zurück.
- Wie macht man einen Elektromagneten stärker?
- Ein Elektromagnet wird stärker, wenn du die Anzahl der Windungen um den Eisenkern erhöhst, weil sich die Magnetfelder aller Windungen addieren. Auch eine höhere Stromstärke, etwa durch eine stärkere Batterie, verstärkt das Magnetfeld. Ein Eisenkern im Inneren der Spule verstärkt das Feld zusätzlich, weil er sich selbst mitmagnetisiert.
- Wo wird Magnetismus im Alltag genutzt?
- Magnetismus steckt in vielen Alltagsgeräten: im Kompass zur Orientierung, im Kühlschrankmagnet an der Stahltür, im Elektromotor von Waschmaschine oder Ventilator, in der Festplatte eines Computers zur Datenspeicherung und im MRT-Gerät, das mit einem starken Magnetfeld Bilder aus dem Körperinneren erzeugt, ganz ohne Röntgenstrahlung.
- Warum wird ein Magnet manchmal von einer Büroklammer nicht abgestoßen?
- Eine Abstoßung tritt nur zwischen zwei echten Magneten auf, die passende gleiche Pole zueinander zeigen. Eine gewöhnliche Büroklammer ist aber kein eigener Magnet, sondern nur magnetisierbares Eisen. Sie wird deshalb von jedem Pol eines Magneten angezogen, kann sich aber niemals von ihm abstoßen lassen.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
- Kräfte und ihre Wirkung
- Stoffe und ihre Eigenschaftenin Arbeit
Das kommt als Nächstes
- Der einfache Stromkreis
- Elektromagnetein Arbeit