Die Kreuzzüge
Zwischen 1096 und dem Ende des 13. Jahrhunderts zogen christliche Heere mehrfach in den Nahen Osten. In dieser Lektion erfährst du, warum es zu den Kreuzzügen kam, wie sie verliefen, welches Leid sie brachten und wie Christen und Muslime sie jeweils wahrnahmen.
- Fach: Geschichte
- Klasse 7
- Thema: Mittelalter
- Dauer: 18 Min
- Niveau: Mittel
Warum Menschen auf Kreuzzug gingen
Jerusalem war für Christen, Juden und Muslime eine heilige Stadt. Seit dem 7. Jahrhundert stand sie unter muslimischer Herrschaft, christliche Pilger konnten sie aber meist besuchen. Im 11. Jahrhundert eroberten die türkischen Seldschuken große Teile Kleinasiens und bedrohten das Byzantinische Reich. Dessen Kaiser bat den Papst um Hilfe. 1095 rief Papst Urban II. in Clermont dazu auf, Jerusalem zu befreien.
Die Motive der Teilnehmer waren vielfältig. Viele waren tief gläubig und hofften, durch die Teilnahme von ihren Sünden befreit zu werden. Jüngere Söhne von Adligen, die kein Land erbten, suchten Besitz und Ansehen. Kaufleute aus Venedig oder Genua erwarteten neue Handelswege. Der Papst wollte zudem seine Stellung als Oberhaupt der Christenheit stärken.
Die Kreuzzüge brachten großes Leid. Schon auf dem Weg wurden in Städten am Rhein jüdische Gemeinden überfallen und viele Menschen getötet. Bei Eroberungen im Nahen Osten starben zahlreiche Bewohner, darunter Muslime, Juden und auch orientalische Christen. Ein typischer Fehler: Die Kreuzzüge werden oft als ein einziger Krieg dargestellt. Tatsächlich waren es mehrere Züge über rund 200 Jahre, mit Pausen, Waffenstillständen und regem Handel dazwischen.
Die Kreuzzüge aus christlicher und muslimischer Sicht
Dieselben Ereignisse wurden sehr unterschiedlich erlebt und erzählt. Wer Quellen zu den Kreuzzügen liest, muss immer fragen, wer schreibt und aus welcher Sicht.
Beide Seiten deuteten den Kampf religiös. Für die Kreuzfahrer war er eine Pilgerfahrt mit Waffen, für viele Muslime eine Verteidigung gegen fremde Eindringlinge.
Christliche Sicht
Die Kreuzzüge gelten als gottgewollte Befreiung der heiligen Stätten und als Weg, Sündenvergebung zu erlangen.
Beispiele
- Chronisten feiern die Eroberung Jerusalems 1099 als Sieg des Glaubens.
- Kreuzfahrer tragen ein Stoffkreuz auf der Kleidung.
- Der Papst verspricht den Teilnehmern den Erlass von Sündenstrafen.
Signalwörter
- Befreiung
- heilige Stätten
- Pilgerfahrt
- Gott will es
- Sündenvergebung
Muslimische Sicht
Die Kreuzfahrer gelten als Eindringlinge aus dem Westen, die man „Franken“ nennt und gegen die man sich verteidigen muss.
Beispiele
- Arabische Geschichtsschreiber berichten über die Gewalt bei der Eroberung Jerusalems.
- Sultan Saladin erobert Jerusalem 1187 zurück.
- Zugleich gibt es Handel und Verträge mit den Kreuzfahrerstaaten.
Signalwörter
- Franken
- Eindringlinge
- Verteidigung
- Saladin
- Rückeroberung
Ursache – Verlauf – Folge: der Erste Kreuzzug
Erkläre den Ersten Kreuzzug nach Ursache, Verlauf und Folge.
Gegeben:
- 1095 ruft Papst Urban II. zum Kreuzzug auf.
- 1099 erobern Kreuzfahrer Jerusalem.
Gesucht:
Welche Folgen hatte der Erste Kreuzzug für die Region und für Europa?Lösung:
- Ursache: Der byzantinische Kaiser bittet um Hilfe gegen die Seldschuken, der Papst ruft zur Befreiung Jerusalems auf. Glaube, Hoffnung auf Land und Machtinteressen kommen zusammen.
- Verlauf: Tausende Menschen ziehen über den Balkan nach Kleinasien. Hunger, Krankheiten und Kämpfe fordern auf allen Seiten viele Opfer. 1099 wird Jerusalem erobert, dabei werden viele Bewohner getötet.
- Folge: Es entstehen Kreuzfahrerstaaten. Sie werden in den folgenden Jahrzehnten nach und nach zurückerobert, 1291 fällt mit Akkon die letzte große Stadt.
Dauerhaft halten konnten die Kreuzfahrer ihre Eroberungen nicht. Folgen hatte der Kreuzzug trotzdem: Das Misstrauen zwischen Christen und Muslimen wuchs, ebenso zwischen West- und Ostkirche. Gleichzeitig nahm der Handel über das Mittelmeer zu, und Waren wie Gewürze, Zucker und Seide sowie Wissen aus der arabischen Welt gelangten stärker nach Europa.
Ursachen und Folgen im Überblick
Fasst man die Ursachen zusammen, zeigt sich ein Zusammenspiel aus Religion, Politik und Wirtschaft: Die Bedrohung von Byzanz durch die Seldschuken, der päpstliche Wunsch nach mehr Einfluss, der Glaube an Sündenvergebung und weltliche Hoffnungen auf Land und Handel griffen ineinander. Keiner dieser Gründe allein hätte über 200 Jahre lang Zehntausende Menschen zu einem gefährlichen Zug in ein fremdes Land bewegt.
Die Folgen reichten weit über das Heilige Land hinaus. In Europa stärkten die Kreuzzüge zeitweise die Macht des Papstes und einzelner Fürsten, die sich als Anführer profilierten. Der Handel zwischen Orient und Okzident wuchs, italienische Städte wie Venedig und Genua wurden reich. Zugleich verfestigten sich Feindbilder: Das Wort „Kreuzzug“ wird bis heute manchmal missbraucht, um Konflikte religiös aufzuladen, obwohl die historischen Kreuzzüge stets auch knallharte Machtinteressen hatten.
Für die Menschen vor Ort war die Bilanz vor allem eine der Zerstörung: geplünderte Städte, ermordete Zivilbevölkerung, zerstörte Ernten. Wer nur von „Glaubenskriegen“ spricht, blendet aus, dass die Kreuzzüge auch enorme Gewalt gegen die eigene Bevölkerung Europas hervorbrachten, etwa bei den Pogromen gegen jüdische Gemeinden am Rhein 1096.
| Bereich | Ursache | Folge |
|---|---|---|
| Religion | Aufruf des Papstes, Angst vor dem Jüngsten Gericht | Sündenvergebung als Versprechen, wachsendes Misstrauen zwischen den Religionen |
| Politik | Bitte von Byzanz, Machtinteresse des Papstes | Kurzzeitige Kreuzfahrerstaaten, gestärkte Rolle einzelner Fürsten |
| Wirtschaft | Hoffnung auf Land, Interesse italienischer Handelsstädte | Zunehmender Handel mit dem Orient, neue Waren und Wissen in Europa |
Typische Fehler und Tipps für die Klassenarbeit
Ein häufiger Fehler ist es, von „dem Kreuzzug“ im Singular zu sprechen. Nenne in einer Klassenarbeit immer, um welchen der Kreuzzüge es geht, und ordne ihn zeitlich ein – die Jahreszahlen 1096, 1147, 1189 und 1202 markieren die großen Hauptkreuzzüge.
Ein zweiter Fehler ist, Muslime und Kreuzfahrer als geschlossene, immer feindliche Blöcke darzustellen. Tatsächlich gab es zwischen den Kreuzfahrerstaaten und ihren muslimischen Nachbarn auch Handelsverträge, zeitweise Waffenstillstände und sogar politische Bündnisse gegen jeweils dritte Parteien.
Für die Klassenarbeit hilft es, jede Quelle nach demselben Muster zu prüfen: Wer schreibt, wann, für wen, mit welcher Absicht? Nutze anschließend dein Wissen über Ursache, Verlauf und Folge, um die Quelle einzuordnen, statt sie nur nachzuerzählen.
Jetzt bist du dran!
Welcher Papst rief 1095 zum Ersten Kreuzzug auf?
Das Wichtigste in Kürze
- 1095 rief Papst Urban II. zur Befreiung Jerusalems auf.
- Die Motive reichten von tiefem Glauben über Landbesitz bis zu Handelsinteressen.
- Die Kreuzzüge brachten Leid für viele Menschen, auch für jüdische Gemeinden in Europa.
- Die Kreuzfahrerstaaten hielten sich nicht, doch Handel und Austausch mit dem Orient nahmen zu.
- Typischer Fehler: von „dem Kreuzzug“ sprechen. Es waren mehrere Züge über rund 200 Jahre.
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Häufige Fragen zu Die Kreuzzüge
- Wie viele Kreuzzüge gab es insgesamt?
- Historiker zählen meist sieben bis neun große Kreuzzüge zwischen 1096 und 1291, dazu kamen kleinere Unternehmungen wie der Kinderkreuzzug 1212. Die genaue Zahl hängt davon ab, welche Züge man mitzählt – manche Historiker fassen mehrere Feldzüge zu einem zusammen, andere zählen sie einzeln.
- Warum wollte der Papst Jerusalem befreien?
- Jerusalem galt als der heiligste Ort der Christenheit, weil dort Jesus gekreuzigt und begraben worden sein soll. Zugleich bat der byzantinische Kaiser um militärische Hilfe gegen die Seldschuken. Papst Urban II. verband beides mit dem Versprechen der Sündenvergebung und stärkte damit auch seine eigene Machtposition gegenüber Kaisern und Königen.
- Was ist der Unterschied zwischen den Kreuzzügen und dem Dschihad?
- Beide Begriffe bezeichnen religiös begründete Kämpfe, entstammen aber unterschiedlichen Religionen und Traditionen. Der Dschihad ist ein islamisches Konzept mit mehreren Bedeutungen, von der inneren geistigen Anstrengung bis zum bewaffneten Kampf. Muslimische Herrscher wie Saladin nutzten den Begriff, um den Widerstand gegen die Kreuzfahrer religiös zu rechtfertigen, ähnlich wie der Papst die Kreuzzüge legitimierte.
- Wer war Saladin?
- Saladin war ein kurdischer Feldherr und Sultan, der Ägypten und Syrien einte und 1187 in der Schlacht bei Hattin die Kreuzfahrer entscheidend besiegte. Anschließend eroberte er Jerusalem zurück. In muslimischen wie in vielen europäischen Quellen gilt er als kluger und relativ maßvoller Gegner, was seinen Ruf bis heute prägt.
- Wie wirkten sich die Kreuzzüge auf den Handel aus?
- Italienische Städte wie Venedig, Genua und Pisa transportierten Kreuzfahrer und Nachschub und bauten dabei ihre Handelsnetze im östlichen Mittelmeer massiv aus. Gewürze, Seide, Zucker und Glaswaren gelangten in größeren Mengen nach Europa, ebenso Wissen aus arabischen und antiken Schriften, das später auch in der Renaissance wichtig wurde.
- Warum wurden bei den Kreuzzügen auch Juden angegriffen?
- Beim Aufbruch zum Ersten Kreuzzug überfielen Teile der Kreuzfahrer 1096 jüdische Gemeinden am Rhein, etwa in Worms, Mainz und Köln. Aufgehetzte Prediger stellten Juden fälschlich als Feinde des Christentums dar. Diese Pogrome zeigen, dass religiöser Eifer sich auch gegen Menschen richtete, die mit dem eigentlichen Kriegsziel gar nichts zu tun hatten.
- In welcher Klasse werden die Kreuzzüge behandelt?
- In den meisten Bundesländern stehen die Kreuzzüge im Geschichtsunterricht der 7. Klasse auf dem Lehrplan, im Rahmen des Themas Mittelalter. Je nach Schulbuch werden sie mit dem Islam, dem Rittertum oder der Kirche im Mittelalter verknüpft.
- Was blieb von den Kreuzfahrerstaaten übrig?
- Militärisch und politisch blieb wenig: Die letzten Kreuzfahrerstaaten fielen 1291 mit Akkon. Kulturell und wirtschaftlich wirkten die Kontakte länger nach, etwa durch Handelsbeziehungen, den Austausch von Wissen und Wörtern sowie Bauwerke wie die Kreuzfahrerburg Krak des Chevaliers, die bis heute erhalten ist.
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