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Karl der Große

Karl der Große herrschte über ein Reich, das große Teile Westeuropas umfasste. In dieser Lektion erfährst du, wie er sein Reich vergrößerte und zusammenhielt, warum seine Kaiserkrönung im Jahr 800 so bedeutsam war und was von seinem Reich nach seinem Tod blieb.

  • Fach: Geschichte
  • Klasse 7
  • Thema: Mittelalter
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Mittel
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Wie Karl ein Reich zusammenhielt

Karl wurde 768 gemeinsam mit seinem Bruder Karlmann König der Franken, ein Reich, das schon sein Vater Pippin und sein Großvater Karl Martell aufgebaut hatten. Nach dem frühen Tod Karlmanns 771 regierte Karl allein. Durch Eroberungen dehnte er sein Reich stark aus: 774 unterwarf er die Langobarden in Italien und nannte sich fortan auch König der Langobarden. Über drei Jahrzehnte, von 772 bis 804, führte er zudem Krieg gegen die Sachsen.

Diese Sachsenkriege waren besonders hart, weil es nicht nur um Eroberung ging, sondern auch um die Zwangschristianisierung der Sachsen. Wer sich nicht taufen ließ oder heidnische Bräuche fortführte, wurde nach fränkischem Recht mit dem Tod bedroht. Für das Jahr 782 überliefert eine fränkische Chronik das sogenannte Blutgericht von Verden: Angeblich seien dort 4.500 aufständische Sachsen an einem Tag hingerichtet worden. Historikerinnen und Historiker sind vorsichtig mit dieser Zahl, weil sie aus einer einzigen, aus fränkischer Sicht geschriebenen Quelle stammt und logistisch kaum durchführbar erscheint. Unbestritten ist aber, dass die Kriege sehr blutig waren: Dörfer und Felder wurden verwüstet, ganze Bevölkerungsgruppen zwangsweise umgesiedelt, und der Widerstand unter Führern wie Widukind hielt jahrzehntelang an.

Am Ende reichte das Frankenreich von der Nordsee bis nach Mittelitalien und von den Pyrenäen bis an die Elbe. Ein so großes Reich ließ sich ohne Hauptstadt, festes Straßennetz und Post kaum aus der Ferne regieren. Karl zog deshalb mit seinem Hof von Pfalz zu Pfalz, also von einem Königshof zum nächsten, hielt sich aber in seinen letzten Lebensjahren meist in seiner Lieblingspfalz Aachen auf, wo er eine prunkvolle Kapelle errichten ließ.

Um 800 reichte das Frankenreich von der Nordsee bis nach Mittelitalien und von Spanien bis an die Elbe.
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König der Franken und römischer Kaiser

Karl trug zwei Titel, die unterschiedlich begründet waren. Als König herrschte er über die Franken und die eroberten Völker, seine Macht stützte sich auf Erbe, Heerführerschaft und militärischen Erfolg. Mit der Kaiserkrönung durch den Papst im Jahr 800 kam ein Anspruch hinzu, der weit über das eigene Volk hinausging und an die Tradition der antiken römischen Kaiser anknüpfte.

Achte in Quellen darauf, woher die Macht begründet wird: aus Erbe und Eroberung oder aus der Nachfolge der römischen Kaiser und dem Segen der Kirche. Beide Titel bestanden nebeneinander und ergänzten sich, ersetzten sich aber nicht.

König der Franken

Macht aus Herkunft, Erbe und militärischem Erfolg. Der König führt das Heer an und sichert Frieden und Recht im eigenen Reich.

Beispiele

  • Karl erbt 768 gemeinsam mit seinem Bruder das Frankenreich.
  • Er erobert das Langobardenreich und nennt sich auch König der Langobarden.
  • Er lässt Gesetze aufschreiben und Grafen einsetzen.

Signalwörter

  • Erbe
  • Heerführer
  • Franken
  • Eroberung
  • Grafen

Römischer Kaiser

Anspruch auf die Nachfolge der antiken römischen Kaiser und auf den Schutz der gesamten Christenheit, bestätigt durch den Papst.

Beispiele

  • Papst Leo III. krönt Karl am Weihnachtstag 800 in Rom.
  • Karl gilt als Schutzherr der Kirche und des Papstes.
  • Das Kaisertum steht in Konkurrenz zum Kaiser in Konstantinopel.

Signalwörter

  • Papst
  • Rom
  • Krönung
  • Schutz der Christenheit
  • Nachfolge der Antike
JahrEreignisBedeutung
768Karl wird König der FrankenBeginn seiner Herrschaft
774Eroberung des LangobardenreichsItalien wird Teil des Frankenreichs
772–804SachsenkriegeUnterwerfung und Zwangschristianisierung der Sachsen
800Kaiserkrönung in RomAnknüpfung an das antike römische Kaisertum
789/802Kapitularien zur VerwaltungEinheitlichere Regeln für Grafen und Kirche
814Tod Karls des GroßenBeginn der Teilungen unter seinen Nachfolgern
Wichtige Ereignisse und Reformen unter Karl dem Großen
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Ursache – Verlauf – Folge: die Kaiserkrönung im Jahr 800

Erkläre, warum Karl zum Kaiser gekrönt wurde und was daraus folgte. Ordne nach Ursache, Verlauf und Folge.

Gegeben:

  • Papst Leo III. ist in Rom von Gegnern angegriffen worden und sucht Hilfe.
  • Karl ist der mächtigste Herrscher im Westen Europas.

Gesucht:

Warum war die Krönung für Papst und König gleichermaßen nützlich?

Lösung:

  1. Ursache: Der Papst braucht einen starken Schutzherrn, Karl sucht eine Aufwertung seiner Herrschaft über viele Völker.
  2. Verlauf: Karl zieht nach Rom, stellt die Stellung des Papstes wieder her und wird am Weihnachtstag 800 in der Peterskirche zum Kaiser gekrönt.
  3. Folge: Karl steht nun über allen anderen Königen im Westen, der Papst hat einen Beschützer. Zugleich entsteht die Frage, wer über wem steht – Kaiser oder Papst.

Beide Seiten gewannen: Karl erhielt einen Titel mit höchstem Ansehen, der Papst Schutz und Einfluss. Nach Karls Tod 814 zerfiel das Reich unter seinen Enkeln in mehrere Teile. Aus dem Ost- und dem Westteil gingen später Deutschland und Frankreich hervor, und die Kaiseridee lebte im Heiligen Römischen Reich weiter.

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Wie Karl sein riesiges Reich verwaltete

In den Regionen setzte Karl Grafen ein, die für ihn Recht sprachen, Steuern und Abgaben eintrieben und im Kriegsfall Truppen stellten. Damit die Grafen ihre Macht nicht missbrauchten, schuf Karl das Amt der Missi Dominici, der Königsboten. Meist reisten ein Graf und ein Bischof gemeinsam durchs Land, prüften Gerichtsurteile, hörten Beschwerden der Bevölkerung an und kontrollierten, ob die Anordnungen des Königs überall befolgt wurden.

Diese Anordnungen hielt Karl in sogenannten Kapitularien fest, schriftlichen Erlassen, die in Kapitel gegliedert waren – daher der Name. Besonders die Kapitularien von 789 und 802 regelten Verwaltung, Rechtsprechung und Kirchenwesen einheitlicher, als es zuvor in den unterschiedlichen Teilreichen üblich war. Weil viele Menschen weder lesen noch schreiben konnten, mussten die Kapitularien den Untertanen vor versammelter Gemeinde vorgelesen werden.

Karl förderte außerdem Bildung, weil er gebildete Beamte und Geistliche brauchte. Klöster sollten Schulen einrichten, alte Texte wurden sorgfältig abgeschrieben, und eine neue, gut lesbare Schrift, die karolingische Minuskel, setzte sich durch. Gelehrte aus ganz Europa, etwa der Angelsachse Alkuin, kamen an seinen Hof in Aachen und organisierten diese als karolingische Renaissance bekannte Bildungsreform.

Vom Kaiser über Königsboten und Grafen bis zu den Bauern vor Ort – so hielt Karl sein Reich zusammen.
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Ursachen und Folgen von Karls Herrschaft

Die Eroberungen hatten handfeste Ursachen: Beute und Landgewinn stärkten Karls Ansehen bei seinem Adel, den er mit Ämtern und Gütern belohnen musste, um seine Treue zu sichern. Die Christianisierung eroberter Gebiete band die neuen Untertanen zugleich an die fränkische Kirche und damit an den König. Wirtschaftlich sicherten die Feldzüge zudem wichtige Handelswege, etwa entlang des Rheins und über die Alpen nach Italien.

Als Folge entstand ein Reich, das für seine Zeit ungewöhnlich einheitlich verwaltet wurde: einheitlichere Gesetze, ein Netz aus Pfalzen und Klöstern, eine gemeinsame Bildungssprache. Diese Ordnung hing aber stark an der Person Karls. Nach seinem Tod 814 übernahm zunächst sein einziger überlebender Sohn Ludwig der Fromme das gesamte Reich, doch schon dessen Söhne teilten es 843 im Vertrag von Verdun endgültig in drei Teile auf. Aus dem westfränkischen und dem ostfränkischen Reich entwickelten sich über Jahrhunderte Frankreich und das spätere Deutschland.

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Typische Fehler bei diesem Thema

Ein besonders häufiger Fehler: Viele halten Karl für den ersten deutschen Kaiser. Ein Deutschland gab es zu Karls Lebzeiten noch nicht – erst nach den Teilungen des 9. Jahrhunderts entstanden getrennte west- und ostfränkische Reiche, aus denen sich Frankreich und Deutschland entwickelten. Franzosen und Deutsche berufen sich deshalb bis heute gleichermaßen auf ihn, in Frankreich heißt er Charlemagne, auf Deutsch Karl der Große.

Ein zweiter Fehler ist die Vorstellung, Karl habe sein riesiges Reich wie ein moderner Staat mit Beamtenapparat und Hauptstadt regiert. Tatsächlich beruhte seine Herrschaft stark auf persönlicher Anwesenheit, mündlichen Absprachen und dem Vertrauen in einzelne Adlige und Bischöfe vor Ort. Ohne die Missi Dominici hätte Karl kaum kontrollieren können, was in entfernten Grafschaften tatsächlich geschah.

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Quellen und Tipps für die Klassenarbeit

Die wichtigste zeitgenössische Quelle über Karl ist die „Vita Karoli Magni“, eine Biografie, die sein Hofgelehrter Einhard nach Karls Tod verfasste. Einhard kannte Karl persönlich, schrieb aber bewusst zu dessen Ehren – kritische Aussagen über Karl finden sich darin kaum. Wenn du in einer Klassenarbeit aus Einhards Text zitierst, solltest du deshalb immer mitdenken, dass es sich um eine Lobschrift handelt, kein neutrales Geschichtsbuch.

Für die Sachsenkriege sind die Quellen einseitiger, weil fast nur fränkische Chroniken überliefert sind – die Sicht der Sachsen selbst fehlt fast vollständig. Achte in Aufgaben darauf, wer eine Quelle geschrieben hat und mit welchem Interesse. Bei Kartenaufgaben zum Frankenreich lohnt es sich, sich die Kernorte Aachen, Rom und die Grenze an der Elbe einzuprägen, und bei Zeitleisten-Aufgaben, die Reihenfolge Königskrönung – Sachsenkriege – Kaiserkrönung – Tod sicher zu beherrschen.

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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 4

Warum reiste Karl mit seinem Hof von Pfalz zu Pfalz?

Warum reiste Karl mit seinem Hof von Pfalz zu Pfalz?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Karl wurde 768 König der Franken und vergrößerte sein Reich durch lange, für die Bevölkerung verlustreiche Kriege, vor allem gegen die Sachsen und die Langobarden.
  • Er regierte als Reisekönig über Pfalzen, Grafen, Missi Dominici und Kapitularien.
  • Im Jahr 800 krönte ihn der Papst in Rom zum Kaiser – ein Bündnis von Herrscher und Kirche.
  • Er förderte Bildung in Klöstern und am Hof in Aachen (karolingische Renaissance).
  • Nach seinem Tod 814 zerfiel das Reich, aus West- und Ostfranken entwickelten sich später Frankreich und Deutschland.
  • Typischer Fehler: Karl als „ersten deutschen Kaiser“ bezeichnen. Deutschland entstand erst viel später aus Teilen seines Reiches.
Von der Königskrönung 768 bis zum Tod Karls des Großen 814 auf einen Blick.

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Häufige Fragen zu Karl der Große

Was hat Karl der Große gemacht?
Karl wurde 768 König der Franken und vergrößerte sein Reich durch Eroberungen, vor allem gegen die Langobarden in Italien und die Sachsen im Norden. Er ließ sein Reich durch Grafen und Königsboten verwalten, erließ Gesetze und förderte Bildung an Klöstern und seinem Hof in Aachen. Im Jahr 800 krönte ihn der Papst in Rom zum Kaiser. Nach seinem Tod 814 zerfiel sein Reich unter seinen Nachfolgern.
Warum wurde Karl der Große zum Kaiser gekrönt?
Papst Leo III. brauchte 800 einen mächtigen Beschützer, weil er in Rom von Gegnern angegriffen worden war. Karl war der stärkste Herrscher im Westen Europas und half dem Papst, seine Stellung zurückzugewinnen. Als Dank krönte ihn Leo III. am Weihnachtstag 800 in Rom zum Kaiser. Damit knüpfte Karl an das antike römische Kaisertum an und stand nun über allen anderen Königen im Westen.
War Karl der Große Deutscher oder Franzose?
Keins von beidem im heutigen Sinn, denn zu seiner Zeit gab es weder Deutschland noch Frankreich. Karl war König der Franken, eines germanischen Volkes, dessen Reich große Teile Westeuropas umfasste. Erst nach den Reichsteilungen im 9. Jahrhundert entwickelten sich aus dem west- und dem ostfränkischen Teilreich später Frankreich und Deutschland. Beide Länder berufen sich deshalb gleichermaßen auf ihn.
Was waren die Sachsenkriege?
Die Sachsenkriege waren eine Reihe von Feldzügen Karls des Großen von 772 bis 804 gegen die Sachsen im heutigen Norddeutschland. Ziel war die Eroberung und die Zwangschristianisierung der Sachsen. Die Kämpfe waren sehr blutig, Dörfer wurden zerstört und Bevölkerungsgruppen zwangsweise umgesiedelt. Für 782 überliefert eine fränkische Quelle das sogenannte Blutgericht von Verden, dessen genaue Opferzahl in der Forschung umstritten ist.
Was sind Missi Dominici und Kapitularien?
Missi Dominici waren Königsboten, meist ein Graf und ein Bischof gemeinsam, die im Auftrag Karls durch das Reich reisten und kontrollierten, ob seine Anordnungen befolgt wurden. Kapitularien waren schriftliche Erlasse Karls, in Kapitel gegliedert, die Verwaltung, Recht und Kirche regelten. Beide Instrumente halfen Karl, ein riesiges Reich ohne moderne Verwaltung zusammenzuhalten.
Was geschah nach dem Tod Karls des Großen?
Karl starb 814 in Aachen. Sein einziger überlebender Sohn Ludwig der Fromme übernahm zunächst das gesamte Reich. Nach dessen Tod stritten seine Söhne um die Erbfolge, bis sie das Reich 843 im Vertrag von Verdun endgültig in drei Teile teilten. Aus dem westfränkischen und dem ostfränkischen Reich entwickelten sich über die Jahrhunderte Frankreich und das spätere Deutschland.
In welcher Klasse lernt man Karl den Großen?
Karl der Große ist in den meisten Bundesländern Thema im Geschichtsunterricht der 7. Klasse, im Rahmen des Mittelalters. Behandelt werden meist die Ausdehnung des Frankenreichs, die Kaiserkrönung von 800 und die Verwaltung durch Grafen und Missi Dominici. In manchen Bundesländern wird das Thema bereits in Klasse 6 angerissen.
Was ist der Unterschied zwischen König und Kaiser bei Karl dem Großen?
Als König der Franken stützte sich Karls Macht auf Erbe, Eroberung und die Führung des Heeres über sein eigenes Volk. Als Kaiser, ein Titel, den ihm der Papst 800 verlieh, beanspruchte er zusätzlich die Nachfolge der antiken römischen Kaiser und den Schutz der gesamten Christenheit. Der Kaisertitel stand also über dem Königstitel und wurde kirchlich begründet.

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