Migration
Weltweit leben rund 280 Millionen Menschen nicht in dem Land, in dem sie geboren wurden. In dieser Lektion lernst du, welche Formen von Migration es gibt, wie sich Push- und Pull-Faktoren unterscheiden und wie du Wanderungsbewegungen mit Zahlen beschreibst.
- Fach: Geografie
- Klasse 10
- Thema: Räume und Länder
- Dauer: 21 Min
- Niveau: Schwer
Menschen in Bewegung
Migration bedeutet, dass Menschen ihren Wohnsitz für längere Zeit an einen anderen Ort verlegen. Die Vereinten Nationen sprechen meist ab einem Jahr Aufenthalt von Migration. Man unterscheidet Binnenmigration innerhalb eines Landes, etwa vom Land in die Stadt, und internationale Migration über Staatsgrenzen hinweg. Laut der Internationalen Organisation für Migration lebten 2020 rund 281 Millionen Menschen außerhalb ihres Geburtslandes – etwa 3,6 Prozent der Weltbevölkerung. Die meisten davon sind Arbeits- und Familienmigranten.
Außerdem unterscheidet man freiwillige und erzwungene Migration. Erzwungen ist sie etwa bei Krieg, Verfolgung oder Naturkatastrophen. Nach Zahlen des UNHCR waren Mitte 2024 über 120 Millionen Menschen gewaltsam vertrieben, die Mehrheit davon als Binnenvertriebene im eigenen Land. Völkerrechtlich gilt als Flüchtling, wer nach der Genfer Flüchtlingskonvention wegen Verfolgung sein Land verlassen hat. Deutschland ist seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland: Etwa ein Viertel der Einwohner hat eine Einwanderungsgeschichte, zum Beispiel durch die Anwerbung von Arbeitskräften aus Italien und der Türkei ab 1955 und 1961.
Ein typischer Fehler ist die Annahme, die meisten Geflüchteten kämen nach Europa. Tatsächlich bleiben rund 70 Prozent in Nachbarländern ihres Herkunftslandes. Die größten Aufnahmeländer sind laut UNHCR Iran, die Türkei, Kolumbien und Deutschland. Ebenso wichtig: Die ärmsten Menschen wandern selten über weite Strecken aus, weil ihnen dafür das Geld fehlt. Migration über große Entfernungen setzt meist Ersparnisse, Bildung oder Kontakte zu Familie im Zielland voraus.
Wer wandert wohin?
Ein Blick auf die Karte zeigt das Muster hinter den großen Fluchtbewegungen der letzten Jahre. Der Bürgerkrieg in Syrien seit 2011 trieb Millionen Menschen vor allem in die direkten Nachbarländer Türkei, Libanon und Jordanien. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine seit 2022 führte zur größten Fluchtbewegung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg, wobei viele Menschen zunächst in Polen und Deutschland Schutz suchten.
In der Sahelzone südlich der Sahara zwingen wiederkehrende Dürren und Konflikte Menschen zur Migration, meist innerhalb Afrikas. Afghanistan zählt seit Jahrzehnten zu den größten Herkunftsländern weltweit, die meisten Geflüchteten leben in den Nachbarländern Iran und Pakistan. Diese Beispiele zeigen: Fluchtmigration verläuft überwiegend regional, nicht global – ein Muster, das in Prüfungen oft falsch eingeschätzt wird.
Arbeitsmigration folgt dagegen anderen Routen. Sie verläuft oft von Ländern mit niedrigeren Löhnen in Länder mit hohen Löhnen, etwa von den Philippinen und Indien in die Golfstaaten, oder innerhalb der EU von Osteuropa nach Westeuropa. Diese Migrationsform ist meist freiwillig und stärker von wirtschaftlichen als von politischen Gründen geprägt.
Push- oder Pull-Faktor?
Die Gründe für Migration lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Push-Faktoren drücken Menschen aus ihrer Herkunftsregion heraus, Pull-Faktoren ziehen sie in eine Zielregion. Meist wirken beide zusammen.
Prüffrage: Beschreibt der Grund die Lage im Herkunftsgebiet oder im Zielgebiet? Arbeitslosigkeit zu Hause ist ein Push-Faktor, offene Stellen im Zielland sind ein Pull-Faktor.
Push-Faktoren
Bedingungen im Herkunftsgebiet, die Menschen zum Verlassen bewegen oder zwingen.
Beispiele
- Der Bürgerkrieg in Syrien ab 2011 vertrieb über 13 Millionen Menschen innerhalb und außerhalb des Landes.
- Dürren in der Sahelzone zerstören Ernten und Einkommen.
- Hohe Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa nach der Finanzkrise 2008.
Signalwörter
- Herkunftsgebiet
- Krieg und Verfolgung
- Armut und Arbeitslosigkeit
- Naturkatastrophen
- fehlende Bildung und Versorgung
Pull-Faktoren
Bedingungen im Zielgebiet, die Menschen anziehen.
Beispiele
- Fachkräftemangel in der deutschen Pflege zieht Pflegekräfte etwa von den Philippinen an.
- Höhere Löhne in den Golfstaaten, wo Migranten in Katar rund 75 Prozent der Bevölkerung stellen.
- Familienangehörige, die bereits im Zielland leben.
Signalwörter
- Zielgebiet
- Arbeitsplätze und höhere Löhne
- Sicherheit und Frieden
- Bildungschancen
- Familie und Netzwerke
Den Wanderungssaldo berechnen
Im Jahr 2023 zogen laut Statistischem Bundesamt etwa 1,93 Millionen Menschen nach Deutschland zu, etwa 1,27 Millionen zogen fort. Berechne den Wanderungssaldo und ordne ihn ein.
Gegeben:
- Zuzüge: etwa 1,93 Millionen
- Fortzüge: etwa 1,27 Millionen
Gesucht:
WanderungssaldoLösung:
- WanderungssaldoZuzüge - Fortzüge.
- 1,93 Millionen - 1,27 Millionen = 0,66 Millionen, also rund 660 000 Menschen.
- Einordnen: Der Saldo ist positiv, Deutschland hatte also einen Wanderungsgewinn. Weil gleichzeitig mehr Menschen starben als geboren wurden, wuchs die Bevölkerung nur durch Zuwanderung.
Der Wanderungssaldo lag bei rund +660 000 Menschen. Wichtig: Hinter einem Saldo stehen immer viel größere Bewegungen in beide Richtungen – es wandern nicht nur Menschen ein, sondern auch jedes Jahr über eine Million aus.
Typische Fehler und Alltagsbezug
Ein häufiger Fehler ist, die Begriffe Migrant und Flüchtling gleichzusetzen. Migrant ist der Oberbegriff für jede Person, die ihren Wohnsitz dauerhaft verlegt, egal aus welchem Grund. Flüchtling ist dagegen ein rechtlich klar definierter Begriff für Menschen, die wegen Verfolgung im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention geschützt werden müssen. Nicht jeder Migrant ist ein Flüchtling, aber jeder anerkannte Flüchtling ist auch ein Migrant.
Im Alltag begegnet dir Migration in nahezu jeder Nachrichtensendung, häufig aber verkürzt dargestellt. Wenn du Zahlen zu Migration einordnest, hilft ein Vergleich zur Weltbevölkerung: 281 Millionen internationale Migranten klingen nach viel, sind aber nur 3,6 Prozent von über 8 Milliarden Menschen. Die übergroße Mehrheit der Weltbevölkerung lebt zeitlebens in ihrem Geburtsland.
Für die Klassenarbeit ist es wichtig, Push- und Pull-Faktoren nicht nur zu benennen, sondern an einem konkreten Beispiel zu erklären, warum ein Faktor im Herkunfts- oder im Zielgebiet wirkt. Wer bei einer Aufgabe unsicher ist, sollte sich fragen: Beschreibt dieser Satz die Situation dort, wo die Menschen herkommen, oder dort, wo sie hinwollen? Diese einfache Prüffrage löst fast jede Zuordnungsaufgabe zuverlässig.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Migrant/Migrantin | Person, die ihren Wohnsitz für mindestens ein Jahr verlegt hat |
| Flüchtling | Person, die nach der Genfer Flüchtlingskonvention wegen Verfolgung ihr Land verlassen hat |
| Binnenvertriebene | Menschen, die innerhalb ihres eigenen Landes vor Krieg oder Katastrophen fliehen |
| Wanderungssaldo | Zuzüge minus Fortzüge einer Region in einem bestimmten Zeitraum |
Jetzt bist du dran!
Welcher der folgenden Gründe ist ein Push-Faktor?
Noch nicht. Die Dürre beschreibt die Lage im Herkunftsgebiet und drückt Menschen von dort weg. Die anderen drei Gründe liegen im Zielgebiet und sind Pull-Faktoren.
Das Wichtigste in Kürze
- Migration ist die dauerhafte Verlegung des Wohnsitzes, als Binnenmigration oder international.
- Rund 281 Millionen Menschen, etwa 3,6 Prozent der Weltbevölkerung, leben außerhalb ihres Geburtslandes.
- Push-Faktoren wirken im Herkunftsgebiet, Pull-Faktoren im Zielgebiet – meist wirken beide zusammen.
- Wanderungssaldo = Zuzüge minus Fortzüge, für Deutschland 2023 rund +660 000.
- Typischer Fehler: Migrant und Flüchtling gleichsetzen. Flüchtling ist ein rechtlich enger gefasster Begriff.
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Häufige Fragen zu Migration
- Was ist der Unterschied zwischen Migrant und Flüchtling?
- Migrant ist der Oberbegriff für jede Person, die ihren Wohnsitz dauerhaft in ein anderes Land oder eine andere Region verlegt, unabhängig vom Grund. Flüchtling ist ein rechtlich definierter Begriff für Menschen, die nach der Genfer Flüchtlingskonvention wegen Verfolgung ihr Land verlassen mussten und deshalb besonderen Schutz genießen.
- Wie berechnet man den Wanderungssaldo?
- Der Wanderungssaldo ergibt sich aus Zuzügen minus Fortzügen in einem bestimmten Zeitraum. Ein positiver Saldo bedeutet, dass mehr Menschen zugezogen als weggezogen sind, ein negativer Saldo das Gegenteil. Für Deutschland lag der Saldo 2023 bei rund +660 000 Menschen.
- Was sind Push- und Pull-Faktoren?
- Push-Faktoren sind Bedingungen im Herkunftsgebiet, die Menschen zum Wegziehen bewegen, etwa Krieg, Armut oder Naturkatastrophen. Pull-Faktoren sind Bedingungen im Zielgebiet, die Menschen anziehen, etwa Arbeitsplätze, Sicherheit oder Familie. In der Praxis wirken meist beide Arten von Faktoren gleichzeitig zusammen.
- Warum leben die meisten Geflüchteten nicht in Europa?
- Laut UNHCR bleiben rund 70 Prozent der Geflüchteten in direkten Nachbarländern ihres Herkunftslandes, etwa syrische Geflüchtete in der Türkei oder afghanische Geflüchtete in Iran und Pakistan. Weite Fluchtwege kosten viel Geld, und viele Menschen möchten in der Nähe ihrer Heimat bleiben, um im Idealfall bald zurückkehren zu können.
- Was ist der Unterschied zwischen Binnenmigration und internationaler Migration?
- Binnenmigration findet innerhalb der Grenzen eines Landes statt, zum Beispiel wenn Menschen vom Land in die Stadt ziehen. Internationale Migration überschreitet dagegen Staatsgrenzen. Beide Formen können freiwillig oder erzwungen sein.
- In welcher Klasse wird Migration im Geografieunterricht behandelt?
- Migration ist meist ein Thema der Oberstufe, häufig in Klasse 10 bis 12, weil es Grundwissen zu Bevölkerungsgeografie, Entwicklungsländern und Globalisierung voraussetzt. Erste einfache Formen werden teils schon früher im Zusammenhang mit Stadtentwicklung angesprochen.
- Wie viele Menschen sind weltweit auf der Flucht?
- Nach Angaben des UNHCR waren Mitte 2024 über 120 Millionen Menschen weltweit gewaltsam vertrieben. Die Mehrheit davon sind Binnenvertriebene, die innerhalb ihres eigenen Landes fliehen mussten, nicht Menschen, die ein anderes Land erreicht haben.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
Das kommt als Nächstes
- Globalisierung
- Entwicklungsländer und Entwicklungsstandin Arbeit