Mediation: sinngemäß übertragen
Bei einer Mediation gibst du den Inhalt eines deutschen Textes auf Englisch wieder – oder umgekehrt. In dieser Lektion lernst du, worin sich das von einer Übersetzung unterscheidet, wie du Aufgabenstellung, Adressat und Textsorte auswertest und mit welchen Formulierungen du eine Mediation aufbaust.
- Fach: Englisch
- Klasse 10
- Thema: Textarbeit
- Dauer: 16 Min
- Niveau: Mittel
Inhalt vermitteln statt Wörter tauschen
Eine Mediation ist eine Sprachmittlung: Jemand versteht den Ausgangstext nicht und braucht von dir die Information, die er oder sie wirklich benötigt. Deshalb beginnt jede Mediation mit der Aufgabenstellung, nicht mit dem Text. Dort steht, wer die Information braucht (der Adressat), wozu (die Absicht) und in welcher Form (E-Mail, Notiz, Blogkommentar, Gespräch). Diese drei Angaben bestimmen, was du aufnimmst und was du weglässt.
Der entscheidende Schritt ist das Auswählen. Ein deutscher Zeitungsartikel über ein Schulprojekt enthält vielleicht Namen von Sponsoren, Zahlen zum Haushalt und ein Zitat des Bürgermeisters. Wenn dein Adressat eine Austauschschülerin ist, die wissen will, ob sie mitmachen kann, gehören Anmeldefrist und Kosten hinein – der Haushalt nicht. Genau dafür gibt es Punkte: für die passende Auswahl, nicht für Vollständigkeit.
Erklärst du typisch deutsche Begriffe, nennst du sie kurz und erklärst sie dann: „the Abitur, the final exam at a German secondary school“. Der häufigste Fehler in Klassenarbeiten ist dagegen das wörtliche Übersetzen ganzer Sätze. Dabei entstehen Satzbauten, die es im Englischen nicht gibt, und die Punkte für die Adressatenorientierung bleiben liegen. Formuliere deshalb in eigenen, einfachen englischen Sätzen.
Achte außerdem auf den passenden Ton. Eine E-Mail an einen Freund darf locker klingen („Hi Tom“, „Cheers“), ein Beitrag für die Schülerzeitung einer Partnerschule dagegen sachlicher. Auch Zahlen und Fakten gibst du nicht zwingend genau wie im Original wieder: Statt vieler Einzelwerte reicht oft eine Einordnung wie „most students“ oder „about half of the pupils“. Entscheidend ist, dass die Information korrekt bleibt und dein Adressat sie versteht.
Für die Klassenarbeit lohnt sich eine feste Reihenfolge: Aufgabe markieren, Text überfliegen, relevante Stellen unterstreichen, Stichpunkte auf Englisch notieren, erst dann schreiben. Plane Einleitung und Schluss passend zur Textsorte ein, etwa eine Anrede und einen Gruß bei der E-Mail. Am Ende prüfst du: Habe ich jede Frage des Adressaten beantwortet? Habe ich etwas Überflüssiges aufgenommen oder eine eigene Meinung eingebaut, die nicht verlangt war?
Wichtig ist auch, dass du dich sprachlich nicht am deutschen Satzbau orientierst. Ein deutscher Nebensatz mit vielen eingeschobenen Informationen wird im Englischen oft in zwei kurze Sätze aufgeteilt. Das ist kein Fehler, sondern gute Mediationspraxis: kurze, klare englische Sätze werden höher bewertet als ein einziger überladener Satz, der dem deutschen Original folgt.
Mediation oder Übersetzung?
Beide Aufgaben wechseln die Sprache, verfolgen aber verschiedene Ziele. Eine Übersetzung will den Ausgangstext möglichst genau abbilden, Satz für Satz. Eine Mediation will den Adressaten handlungsfähig machen und darf deshalb kürzen, umstellen, zusammenfassen und erklären.
Praktisch heißt das: In einer Mediation schreibst du niemals so viele Sätze wie der Ausgangstext hat. Du ordnest nach Wichtigkeit für den Adressaten und nutzt Wendungen wie „The article says that …“, „According to the text …“, „What this means for you is …“, „You should know that …“.
Eine Mediation kann auch in die andere Richtung gehen: Ein englischer Text wird auf Deutsch für jemanden zusammengefasst, etwa für deine Großeltern. Die Regeln bleiben gleich: Adressat, Absicht und Textsorte entscheiden über Auswahl und Ton.
Mediation (sinngemäß)
Eine konkrete Person braucht bestimmte Informationen aus dem Text, um etwas zu verstehen oder zu entscheiden.
Beispiele
- Write an email to your exchange partner explaining the project.
- Your host family asks what the article says about the trip.
- Tell your friend which rules apply at German schools.
Signalwörter
- Adressat wird genannt
- Textsorte wird vorgegeben: email, note, blog comment
- Verben wie explain, inform, tell, summarise
- Auswählen, kürzen, erklären erlaubt
- kulturelle Begriffe werden erläutert
Übersetzung (wörtlich)
Der Text soll inhaltlich und sprachlich möglichst genau in der anderen Sprache abgebildet werden.
Beispiele
- Translate the following sentences into English.
- Übersetze den markierten Abschnitt.
- Give the English equivalent of the underlined phrase.
Signalwörter
- kein Adressat, keine Textsorte
- Verben wie translate, übersetzen
- Satz-für-Satz-Entsprechung gefordert
- nichts darf weggelassen werden
- Bewertung nach sprachlicher Genauigkeit
| Merkmal | Mediation | Übersetzung |
|---|---|---|
| Ziel | Adressat handlungsfähig machen | Text möglichst genau abbilden |
| Vorgehen | auswählen, kürzen, erklären | Satz für Satz übertragen |
| Textsorte | email, note, blog comment | keine feste Textsorte |
| Bewertung | richtige Informationen verständlich | sprachliche Genauigkeit |
Eine Mediation in vier Schritten
Aufgabe: Dein englischer Austauschpartner will wissen, ob er beim Schulgarten-Projekt mitmachen kann. Der deutsche Artikel nennt Termin, Treffpunkt, Kosten, Sponsoren und ein Zitat der Schulleiterin.
Gegeben:
- Adressat: Austauschpartner, spricht kein Deutsch
- Absicht: Er will entscheiden, ob er mitmacht
- Textsorte: kurze E-Mail
Gesucht:
Die passende Auswahl und eine erste FormulierungLösung:
- Aufgabenstellung auswerten: Adressat, Absicht, Textsorte markieren.
- Im Text nur das markieren, was er zum Entscheiden braucht: Termin, Treffpunkt, Kosten.
- Sponsoren und Zitat weglassen, weil sie für die Entscheidung nichts beitragen.
- In eigenen englischen Sätzen schreiben, Begriffe wie „Schulgarten“ kurz erklären.
Hi Tom, the article is about our school garden project. It starts on 5 May and the group meets every Tuesday at 3 p.m. behind the gym. You have to pay five euros for seeds. I think you can join us, so tell me if you are interested.
Typische Fehler und Tipps für die Klassenarbeit
Der häufigste Fehler ist das wörtliche Satz-für-Satz-Übersetzen des deutschen Textes. Dabei entstehen unnatürliche englische Sätze, die dem deutschen Satzbau folgen, und wichtige Punkte für die Adressatenorientierung gehen verloren. Formuliere stattdessen in eigenen, einfachen englischen Sätzen, nachdem du dir Stichpunkte gemacht hast.
Ein zweiter Fehler ist es, alle Informationen aus dem Ausgangstext aufzunehmen, egal ob sie für den Adressaten wichtig sind. Prüfe bei jedem Detail: Braucht mein Adressat das, um seine Frage zu beantworten oder eine Entscheidung zu treffen? Wenn nicht, lass es weg, auch wenn es im Originaltext prominent steht.
Ein dritter Fehler ist der falsche Ton: eine zu förmliche E-Mail an einen Freund oder eine zu lockere Mail an eine offizielle Stelle. Passe Anrede, Grußformel und Wortwahl an die genannte Textsorte und Beziehung zum Adressaten an. Am Ende der Klassenarbeit lohnt sich ein letzter Blick auf die Wortzahlvorgabe, falls die Aufgabe eine nennt.
Jetzt bist du dran
Welche Aufgabenstellung verlangt eine Mediation und keine Übersetzung?
Noch nicht. Hier sind Adressat (host family), Absicht (informieren) und Textsorte (email) genannt – die Merkmale einer Mediation. Die anderen Aufgaben fordern eine wörtliche Übertragung.
Das Wichtigste in Kürze
- Lies zuerst die Aufgabenstellung: Adressat, Absicht, Textsorte.
- Eine Mediation wählt aus und erklärt, eine Übersetzung bildet Satz für Satz ab.
- Deutsche Begriffe nennen und kurz erläutern, zum Beispiel Abitur oder Realschule.
- Nützliche Wendungen: According to the article …, The text says that …, You should know that …
- Häufigster Fehler: wörtlich übersetzen statt sinngemäß und adressatengerecht schreiben.
Lektion abschließen
Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.
Häufige Fragen zu Mediation: sinngemäß übertragen
- Was ist eine Mediation in Englisch?
- Eine Mediation, auch Sprachmittlung genannt, ist eine Aufgabe, bei der du Informationen aus einem Text in eine andere Sprache überträgst, meist vom Deutschen ins Englische. Du übersetzt dabei nicht wörtlich, sondern gibst nur das wieder, was ein bestimmter Adressat braucht, in einer vorgegebenen Textsorte wie E-Mail oder Notiz.
- Was ist der Unterschied zwischen Mediation und Übersetzung?
- Eine Übersetzung überträgt den Text möglichst vollständig und genau, Satz für Satz. Eine Mediation wählt aus, kürzt, erklärt und passt Sprache und Ton an den Adressaten an. Bewertet wird bei der Mediation vor allem, ob die richtigen Informationen verständlich ankommen, nicht, ob jedes Detail des Originals enthalten ist.
- Wie schreibe ich eine gute Mediation?
- Lies zuerst die Aufgabe und markiere Adressat, Absicht und Textsorte. Unterstreiche im Text nur, was der Adressat wirklich braucht. Notiere Stichpunkte auf Englisch und formuliere dann in eigenen, einfachen Sätzen. Erkläre deutsche Begriffe kurz und halte die Form der Textsorte ein, zum Beispiel Anrede und Gruß bei einer E-Mail.
- Darf man bei der Mediation eigene Meinung schreiben?
- Nur, wenn die Aufgabe es ausdrücklich verlangt, etwa mit „add your own opinion“ oder „give advice“. Sonst gibst du ausschließlich Informationen aus dem Text wieder. Wendungen wie „According to the article …“ zeigen, dass du den Text wiedergibst. Eigene Zusätze, die nicht gefragt sind, kosten eher Punkte, als dass sie helfen.
- Wie lang sollte eine Mediation sein?
- Die Länge richtet sich nach der Aufgabe, oft ist eine Wortzahl vorgegeben, zum Beispiel 120 bis 150 Wörter. Eine Mediation ist fast immer deutlich kürzer als der Ausgangstext, weil du nur Relevantes auswählst. Wichtiger als die Länge ist, dass jede Frage des Adressaten beantwortet ist und nichts Unwichtiges drinsteht.
- Wie erkläre ich deutsche Begriffe ohne direkte englische Entsprechung?
- Nenne den deutschen Begriff und ergänze eine kurze Erklärung in Klammern oder in einem Nebensatz, zum Beispiel „the Abitur, the final exam at a German secondary school“. So bleibt die Information korrekt, ohne dass du ein falsches englisches Wort erfindest. Diese Technik brauchst du oft bei Schulformen, Ämtern oder landestypischen Feiertagen.
- Welche Textsorten kommen bei Mediationsaufgaben häufig vor?
- Am häufigsten wird eine E-Mail oder informelle Nachricht verlangt, dazu kommen Notizen, Blog- oder Forenkommentare, kurze Berichte oder Gesprächsbeiträge. Jede Textsorte hat eigene Regeln für Anrede, Ton und Aufbau. Achte in der Aufgabenstellung genau darauf, welche Textsorte verlangt ist, und halte dich an deren typische Form.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
- Eine E-Mail auf Englisch schreibenin Arbeit
- Summary schreibenin Arbeit
Das kommt als Nächstes
- Gerund oder Infinitiv
- Comment schreibenin Arbeit