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Das Sonett

Das Sonett ist eine der strengsten und zugleich langlebigsten Gedichtformen der europäischen Literatur, aufgebaut aus vierzehn Versen in zwei Quartetten und zwei Terzetten. In dieser Lektion lernst du den festen Aufbau kennen, die wichtigsten Reimschemata und wie du die entscheidende gedankliche Wendung, die Volta, in einem Sonett erkennst.

  • Fach: Deutsch
  • Klasse 10
  • Thema: Literatur
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Schwer
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Eine strenge Form mit langer Geschichte

Das Sonett ist eine feste Gedichtform aus genau vierzehn Versen, die sich in zwei vierzeilige Strophen, sogenannte Quartette, und zwei dreizeilige Strophen, sogenannte Terzette, gliedert. Diese strenge Form entstand im 13. Jahrhundert in Italien und wurde besonders durch den Dichter Francesco Petrarca berühmt, weshalb man oft vom petrarkischen Sonett spricht.

Im Deutschen erlebte das Sonett seine erste große Blütezeit im Barock, im 17. Jahrhundert, als Dichter wie Andreas Gryphius und Martin Opitz die Form aus der italienischen und französischen Dichtung übernahmen und für deutsche Themen wie Vergänglichkeit, Krieg und Glauben nutzten. Bis heute greifen Dichter immer wieder auf das Sonett zurück, gerade weil seine strenge Form eine besondere Konzentration der Gedanken erzwingt.

Typischer Fehler: Schüler zählen bei der Formbestimmung nur die Verszahl und übersehen die genaue Strophengliederung. Vierzehn Verse allein machen noch kein Sonett – entscheidend ist die feste Aufteilung in zwei Quartette und zwei Terzette sowie ein durchgehendes Versmaß, meist der Jambus.

Das Besondere am Sonett ist die Spannung zwischen strenger äußerer Form und oft sehr persönlichem, bewegtem Inhalt. Gerade weil dem Dichter kaum Freiraum in Vers- und Strophenzahl bleibt, konzentriert sich die Aussagekraft des Gedichts stark auf die Wortwahl und den gedanklichen Aufbau.

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Der Aufbau des Sonetts im Detail

Die beiden Quartette am Anfang des Sonetts stellen meist ein Thema, ein Bild oder einen Gedanken vor und entwickeln ihn weiter. Häufig beschreibt das erste Quartett eine Ausgangssituation, während das zweite Quartett diese vertieft, ein Gegenbild liefert oder eine Steigerung vornimmt.

Mit den beiden Terzetten setzt meist eine gedankliche Wendung ein, die man mit dem italienischen Begriff Volta bezeichnet. Diese Wendung kann ein Widerspruch zum bisher Gesagten sein, eine überraschende Einsicht oder eine Zuspitzung des Themas. Das zweite Terzett zieht daraus häufig eine Schlussfolgerung oder bringt das Gedicht zu einer pointierten Aussage.

Das Versmaß eines Sonetts ist im Deutschen meist der fünfhebige Jambus, bei dem sich unbetonte und betonte Silben regelmäßig abwechseln und jeder Vers fünf betonte Silben enthält. Diese gleichmäßige Rhythmik verstärkt den Eindruck von Ordnung und Kontrolle, der zur strengen Form des Sonetts passt.

So gliedert sich ein Sonett in zwei Quartette und zwei Terzette mit einer Wendung im ersten Terzett.
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Zwei Reimschemata im Vergleich

Beim petrarkischen Sonett, der italienischen und im Deutschen häufigsten Form, reimen sich die beiden Quartette meist nach dem Schema des umarmenden Reims abba abba, bei dem der erste und der vierte sowie der zweite und der dritte Vers jeder Strophe aufeinander reimen. Die Terzette folgen oft dem Schema cdc dcd oder cde cde, wobei hier größere Freiheit besteht als bei den Quartetten.

Eine bekannte Variante ist das Shakespeare-Sonett, das der englische Dichter William Shakespeare bevorzugte. Hier reimen sich die drei Quartette jeweils im Kreuzreim abab cdcd efef, und das Gedicht endet mit einem Reimpaar gg, dem sogenannten Schlusscouplet, das die entscheidende Pointe oder Zusammenfassung enthält.

Petrarkisches Sonett

Italienische Grundform, im Deutschen am weitesten verbreitet.

Beispiele

  • viele Sonette von Andreas Gryphius
  • Sonette Petrarcas selbst

Signalwörter

  • umarmender Reim abba abba in den Quartetten
  • Volta meist im ersten Terzett

Shakespeare-Sonett

Englische Variante mit drei Kreuzreim-Quartetten und Schlusscouplet.

Beispiele

  • die Sonette William Shakespeares

Signalwörter

  • Kreuzreim abab cdcd efef
  • Reimpaar gg als pointierter Abschluss
FormQuartetteTerzetteBekannt durch
Petrarkisches Sonettabba abbacdc dcd oder cde cdePetrarca, deutsche Barockdichter
Shakespeare-Sonettabab cdcd efefReimpaar ggWilliam Shakespeare
Reimschemata im Vergleich
Petrarkisches Sonett und Shakespeare-Sonett unterscheiden sich vor allem im Reimschema.
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Ein Sonett auf seine Wendung untersuchen

Untersuche die folgenden, an barocke Sonette angelehnten Verse auf Aufbau und Volta.

Gegeben:

  • Erstes Quartett (sinngemäß, selbst formuliert): Die Rose blüht am Morgen voller Pracht, sie leuchtet rot im ersten Sonnenschein, die Menschen preisen ihre stille Macht und meinen, solche Schönheit bleibe rein.
  • Zweites Quartett (sinngemäß): Doch schon am Mittag welkt ihr erstes Blatt, der Wind, der sie erst trug, wird ihr zur Last, am Abend ist sie müde, matt und satt, verloren hat sie schon, was sie erst fasst.
  • Erstes Terzett (sinngemäß): So wie die Rose, welkt auch jeder Ruhm, das Glück der Menschen bleibt nur kurze Zeit.

Gesucht:

Aufbau und Wendepunkt der vorgestellten Verse

Lösung:

  1. Erstes Quartett zusammenfassen: Die Rose wird am Morgen in ihrer vollen Schönheit vorgestellt.
  2. Zweites Quartett zusammenfassen: Die Schönheit vergeht bereits im Laufe eines einzigen Tages, das Bild der Vergänglichkeit wird konkretisiert.
  3. Terzett auf Volta prüfen: Mit „So wie die Rose, welkt auch jeder Ruhm“ wird das Bild der Blume auf eine allgemeine Aussage über den Menschen übertragen.
  4. Thema benennen: Es handelt sich um ein typisch barockes Vanitas-Motiv, die Vergänglichkeit alles Irdischen.

Die Verse zeigen den typischen Aufbau eines Sonetts: Die Quartette entfalten das konkrete Bild der verwelkenden Rose, während die Volta im ersten Terzett das Bild auf eine allgemeine Aussage über die Vergänglichkeit menschlichen Ruhms und Glücks überträgt – ein klassisches barockes Vanitas-Motiv.

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Typische Fehler bei der Sonettanalyse

Der häufigste Fehler ist, wie beschrieben, das Sonett allein an der Verszahl vierzehn festzumachen, ohne die genaue Strophengliederung in zwei Quartette und zwei Terzette zu prüfen. Manche Gedichte mit vierzehn Versen sind keine echten Sonette, wenn sie diese feste Strophenordnung nicht einhalten.

Ein zweiter Fehler ist, die Volta zu übersehen oder an der falschen Stelle zu suchen. Zwar liegt die Wendung meist am Übergang von den Quartetten zu den Terzetten, doch in manchen Sonetten verschiebt sie sich, etwa in die Mitte des ersten Terzetts oder sogar erst zum zweiten Terzett. Wichtig ist, die Wendung inhaltlich zu begründen, nicht nur ihre vermutete Position zu behaupten.

Ein dritter Fehler ist, das Reimschema falsch zu bestimmen, weil Schüler die Buchstabenbezeichnung nicht sauber Vers für Vers zuordnen. Schreibe dir bei der Analyse für jeden Vers den Endreim heraus und ordne erst dann die Buchstaben zu, statt das Schema aus dem Gedächtnis zu raten.

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Tipps für die Klassenarbeit

Zähle in der Klassenarbeit zuerst die Verse und prüfe die Strophengliederung: Findest du zwei vierzeilige und zwei dreizeilige Strophen, hast du wahrscheinlich ein Sonett vor dir. Bestimme danach das Reimschema, indem du jeden Versendreim einzeln notierst und erst dann die Buchstaben zuordnest.

Suche anschließend gezielt nach der Volta: Vergleiche inhaltlich, was die Quartette aussagen, und was sich in den Terzetten ändert, sei es ein Widerspruch, eine Vertiefung oder eine überraschende Schlussfolgerung. Formuliere die Wendung in eigenen Worten, statt nur ihre Position zu benennen.

Ordne das Gedicht abschließend zeitlich und thematisch ein: Barocke Sonette behandeln oft die Vergänglichkeit des Lebens, das sogenannte Vanitas-Motiv, während modernere Sonette ganz unterschiedliche Themen aufgreifen können, obwohl sie an der strengen Form festhalten.

Sechs Merkmale, an denen du ein Sonett in der Klassenarbeit sicher analysierst.
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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 3

Wie ist ein Sonett strophisch aufgebaut?

Wie ist ein Sonett strophisch aufgebaut?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Sonett besteht aus vierzehn Versen, gegliedert in zwei Quartette und zwei Terzette.
  • Das Versmaß ist im Deutschen meist der fünfhebige Jambus.
  • Die Volta, die gedankliche Wendung, setzt meist am Übergang zu den Terzetten ein.
  • Petrarkisches Sonett und Shakespeare-Sonett unterscheiden sich vor allem im Reimschema.
  • Typischer Fehler: das Sonett allein an der Verszahl festmachen, ohne Strophengliederung und Reimschema zu prüfen.

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Häufige Fragen zu Das Sonett

Was ist ein Sonett einfach erklärt?
Ein Sonett ist eine feste Gedichtform aus vierzehn Versen, aufgeteilt in zwei vierzeilige Quartette und zwei dreizeilige Terzette. Meist enthält es eine gedankliche Wendung, die Volta, am Übergang zu den Terzetten.
Woher stammt das Sonett?
Das Sonett entstand im 13. Jahrhundert in Italien und wurde besonders durch den Dichter Francesco Petrarca bekannt. Im Deutschen erlebte es seine erste große Blütezeit im Barock durch Dichter wie Andreas Gryphius.
Was ist die Volta in einem Sonett?
Die Volta ist die gedankliche Wendung des Sonetts, meist am Übergang von den Quartetten zu den Terzetten. Sie kann ein Widerspruch, eine Vertiefung oder eine überraschende Schlussfolgerung zum bisher Gesagten sein.
Was ist der Unterschied zwischen petrarkischem und Shakespeare-Sonett?
Das petrarkische Sonett reimt seine Quartette meist im umarmenden Reim abba abba, das Shakespeare-Sonett dagegen im Kreuzreim abab cdcd efef und endet mit einem Reimpaar als Schlusscouplet.
Welches Versmaß hat ein Sonett?
Im Deutschen wird das Sonett meist im fünfhebigen Jambus verfasst, bei dem sich unbetonte und betonte Silben regelmäßig abwechseln. Dieses gleichmäßige Versmaß unterstützt die strenge, geordnete Form des Gedichts.
Wie erkenne ich ein Sonett in der Klassenarbeit?
Zähle die Verse und prüfe, ob sie sich in zwei vierzeilige und zwei dreizeilige Strophen gliedern. Bestimme danach das Reimschema und suche nach einer gedanklichen Wendung am Übergang zu den Terzetten.
Welche berühmten deutschen Sonette gibt es?
Bekannt sind vor allem die barocken Sonette von Andreas Gryphius, die häufig die Vergänglichkeit des Lebens behandeln, sowie Sonette von Martin Opitz, der die Form im 17. Jahrhundert im deutschen Sprachraum verbreitete.
In welcher Klasse wird das Sonett unterrichtet?
Das Sonett wird meist ab Klasse 10 im Rahmen der Gedichtanalyse und der Literaturepochen behandelt, besonders im Zusammenhang mit dem Barock. In der Oberstufe wird die Form oft mit weiteren lyrischen Formen verglichen.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können