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Orbitalmodell einfach erklärt: s-, p- und d-Orbitale

Das Orbitalmodell beschreibt, in welchen Raumbereichen sich Elektronen eines Atoms mit hoher Wahrscheinlichkeit aufhalten, statt ihnen feste Bahnen wie im Bohr-Modell zuzuschreiben. In dieser Lektion lernst du, was ein Orbital ist, welche Formen s-, p- und d-Orbitale haben, wie Pauli-Prinzip und Hundsche Regel das Besetzen regeln und wie du die Elektronenkonfiguration eines Atoms aufschreibst.

  • Fach: Chemie
  • Klasse 11
  • Thema: Atombau
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Schwer
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Orbitalmodell: Vom Bohr-Modell zum Orbital

Im Bohr-Modell kreisen Elektronen wie Planeten auf festen Bahnen um den Kern. Das Bild ist anschaulich und erklärt das Spektrum des Wasserstoffatoms gut. Bei Atomen mit mehreren Elektronen versagt es jedoch, und es verstößt gegen ein Grundprinzip der Quantenmechanik: Man kann Ort und Impuls eines Elektrons nicht gleichzeitig genau kennen. Das ist die Heisenbergsche Unschärferelation von 1927.

Deshalb beschreibt das Orbitalmodell, das auf der Schrödinger-Gleichung von 1926 beruht, kein Teilchen auf einer Bahn. Es gibt nur an, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich ein Elektron irgendwo aufhält. Ein Orbital ist der Raumbereich, in dem man das Elektron zu etwa 90 Prozent findet. Man zeichnet ihn als Wolke oder als Körper mit einer bestimmten Form.

Wichtig: Das Orbitalmodell ersetzt das Bohr-Modell nicht, weil Bohr falsch war, sondern weil es nur bei Wasserstoff gut passt. In der Schule nutzt du beide: das Schalenmodell, um die Anzahl der Außenelektronen zu zählen, das Orbitalmodell, um Bindungen und Formen zu verstehen.

Das Orbitalmodell beschreibt Aufenthaltswahrscheinlichkeiten statt fester Bahnen.
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Orbitalmodell: Formen und Quantenzahlen

Jedes Orbital ist durch Quantenzahlen festgelegt. Die Hauptquantenzahl n (1, 2, 3, ...) bestimmt die Schale und damit Größe und Energie. Die Nebenquantenzahl l bestimmt die Form: l = 0 ist ein s-Orbital, l = 1 ein p-Orbital, l = 2 ein d-Orbital, l = 3 ein f-Orbital. Die magnetische Quantenzahl m gibt die Ausrichtung im Raum an. Für das Elektron selbst kommt der Spin hinzu, der nur die Werte plus oder minus 1/2 annimmt.

Ein s-Orbital ist kugelförmig. Es gibt in jeder Schale genau eins. Ein p-Orbital sieht aus wie eine Hantel. Es gibt davon drei, die entlang der x-, y- und z-Achse ausgerichtet sind und gleich viel Energie haben, man nennt sie px, py und pz. Ab der dritten Schale gibt es fünf d-Orbitale mit kleeblattartiger Form, ab der vierten sieben f-Orbitale.

Das Pauli-Prinzip legt fest: In einem Orbital finden höchstens zwei Elektronen Platz, und sie haben entgegengesetzten Spin. Daraus folgt, wie viele Elektronen in jede Schale passen: In der ersten Schale zwei, in der zweiten acht, in der dritten achtzehn, in der vierten zweiunddreißig. Allgemein sind es 2 mal n hoch 2.

TypFormAnzahl OrbitaleMax. ElektronenAb Schale
sKugel121
pHantel362
dKleeblatt5103
fkomplex7144
Orbitale und ihre Kapazität
s, p, d und f unterscheiden sich in Form, Anzahl und Platz für Elektronen.
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Orbitalmodell: Elektronenkonfiguration Schritt für Schritt

Die Elektronenkonfiguration zeigt, wie die Elektronen eines Atoms auf die Orbitale verteilt sind. Du schreibst sie mit dem Orbitaltyp und der Elektronenzahl als Hochzahl, zum Beispiel 1s2 für zwei Elektronen im 1s-Orbital. Zuerst bestimmst du die Elektronenzahl: Bei einem neutralen Atom ist sie gleich der Ordnungszahl.

Dann füllst du die Orbitale in der Reihenfolge ihrer Energie auf, das ist das Aufbauprinzip: 1s, 2s, 2p, 3s, 3p, 4s, 3d, 4p, 5s, 4d, 5p, 6s. Beachte, dass 4s vor 3d gefüllt wird, weil es etwas energieärmer ist. Jedes Orbital nimmt höchstens zwei Elektronen auf. Bei mehreren gleichwertigen Orbitalen, etwa den drei p-Orbitalen, gilt die Hundsche Regel: Zuerst besetzt man jedes Orbital einzeln mit gleichem Spin, erst danach bildet man Paare.

Zum Schluss prüfst du die Summe: Die Hochzahlen müssen zusammen die Ordnungszahl ergeben. Für Sauerstoff mit acht Elektronen ergibt sich 1s2 2s2 2p4. Die vier Elektronen im 2p-Unterniveau verteilen sich so, dass ein p-Orbital voll ist und zwei andere je ein ungepaartes Elektron tragen.

So schreibst du die Elektronenkonfiguration eines Atoms in fünf Schritten auf.
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Beispiel 1: Orbitalmodell bei Stickstoff

Gib die Elektronenkonfiguration von Stickstoff (Ordnungszahl 7) an und erkläre, wie viele ungepaarte Elektronen das Atom hat.

Gegeben:

  • Ordnungszahl 7, also 7 Elektronen

Gesucht:

Elektronenkonfiguration und Zahl der ungepaarten Elektronen

Lösung:

  1. Die ersten zwei Elektronen füllen das 1s-Orbital: 1s2. Die nächsten zwei füllen das 2s-Orbital: 2s2.
  2. Es bleiben 7 minus 4, also 3 Elektronen für die drei 2p-Orbitale: 2p3.
  3. Nach der Hundschen Regel besetzt jedes der drei p-Orbitale ein einzelnes Elektron, alle mit gleichem Spin.
  4. Die Konfiguration lautet 1s2 2s2 2p3. Die Summe 2 + 2 + 3 ergibt 7.

Stickstoff hat drei ungepaarte Elektronen. Deshalb bildet er meist drei Bindungen aus, wie im Ammoniak NH3 oder im Stickstoffmolekül N2.

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Beispiel 2: Eisen und seine Ionen

Gib die Elektronenkonfiguration von Eisen (Ordnungszahl 26) an und bestimme die Konfiguration des Fe3+-Ions.

Gegeben:

  • Ordnungszahl 26
  • Das 4s-Orbital wird vor 3d gefüllt, bei Ionen aber zuerst entleert

Gesucht:

Konfiguration von Fe und Fe3+

Lösung:

  1. Fülle der Reihe nach auf: 1s2 2s2 2p6 3s2 3p6 4s2 3d6. Die Summe ist 2+2+6+2+6+2+6 = 26.
  2. Kurzschreibweise: Das Edelgas Argon hat 18 Elektronen, daher [Ar] 4s2 3d6.
  3. Beim Entfernen von Elektronen verlassen zuerst die 4s-Elektronen das Atom, dann Elektronen aus 3d. Fe2+ ist [Ar] 3d6.
  4. Für Fe3+ wird ein weiteres Elektron aus 3d entfernt: [Ar] 3d5.

Fe3+ hat die Konfiguration [Ar] 3d5 mit fünf einzeln besetzten d-Orbitalen. Diese halb gefüllte Unterschale ist besonders stabil, deshalb tritt Eisen häufig als Fe3+ auf, etwa im Rost.

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Typische Fehler beim Orbitalmodell

Der erste Fehler ist, ein Orbital als Bahn zu verstehen. Ein Orbital ist ein Raumbereich mit Aufenthaltswahrscheinlichkeit. Das Elektron läuft nicht auf der Linie der Wolke entlang, sondern kann überall in diesem Bereich sein, mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit.

Der zweite Fehler passiert beim Aufbauprinzip. Viele füllen 3d vor 4s, weil 3 kleiner als 4 ist. Tatsächlich hat 4s in neutralen Atomen eine etwas niedrigere Energie und wird zuerst besetzt. Ein weiterer Fehler ist die Besetzung der p-Orbitale: Erst werden alle drei einzeln besetzt, dann kommen die Paare. Wer 2p4 als zwei volle Orbitale und ein leeres schreibt, hat die Hundsche Regel nicht beachtet.

Ein dritter Fehler: Orbital und Schale werden verwechselt. Eine Schale, etwa die zweite, enthält mehrere Orbitale, nämlich ein 2s und drei 2p. Ein Orbital fasst maximal zwei Elektronen, eine Schale deutlich mehr. Rechne stets nach, ob die Summe der Hochzahlen der Ordnungszahl entspricht.

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Alltagsbezug: Warum das Orbitalmodell so wichtig ist

Das Orbitalmodell erklärt Dinge, die du aus dem Alltag und dem Chemieunterricht kennst. Die Anordnung des Periodensystems folgt der Orbitalbesetzung: Die Hauptgruppen links bilden den s-Block, rechts den p-Block, in der Mitte stehen die d-Metalle. Auch warum Edelgase so reaktionsträge sind, erklärt das Modell: Ihre äußeren s- und p-Orbitale sind voll besetzt.

Bindungen entstehen, wenn sich Orbitale überlappen. Die Form von Molekülen, etwa der gewinkelte Bau des Wassers, ergibt sich aus der Ausrichtung der p-Orbitale und ihrer Hybridisierung. Farbe und Magnetismus von Stoffen hängen ebenfalls von der Besetzung der d-Orbitale ab. Warum ein Eisennagel vom Magneten angezogen wird, haben die ungepaarten Elektronen in 3d zur Ursache.

Die Technik nutzt dieses Wissen: Halbleiter, LEDs und Laser beruhen auf Elektronenübergängen zwischen Energieniveaus. Moderne Chemie berechnet Orbitale am Computer, um neue Medikamente und Materialien zu entwerfen.

ElementOrdnungszahlElektronenkonfiguration
Wasserstoff11s1
Kohlenstoff61s2 2s2 2p2
Sauerstoff81s2 2s2 2p4
Natrium111s2 2s2 2p6 3s1
Eisen26[Ar] 4s2 3d6
Orbitalbesetzung einiger Elemente
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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 5

Welche Form hat ein p-Orbital?

Welche Form hat ein p-Orbital?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Orbital ist ein Raumbereich, in dem sich ein Elektron mit hoher Wahrscheinlichkeit aufhält, keine Bahn.
  • s-Orbitale sind kugelförmig, p-Orbitale hantelförmig, dazu kommen d- und f-Orbitale mit 5 und 7 Orbitalen.
  • Pauli-Prinzip: Ein Orbital fasst höchstens zwei Elektronen mit entgegengesetztem Spin.
  • Hundsche Regel: Gleichwertige Orbitale werden erst einzeln, dann paarweise besetzt.
  • Die Elektronenkonfiguration folgt dem Aufbauprinzip, zum Beispiel Sauerstoff 1s2 2s2 2p4.

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Häufige Fragen zu Orbitalmodell einfach erklärt: s-, p- und d-Orbitale

Was ist ein Orbital?
Ein Orbital ist ein Raumbereich um den Atomkern, in dem ein Elektron mit hoher Wahrscheinlichkeit anzutreffen ist, meist mit etwa 90 Prozent. Es beschreibt keine feste Bahn, sondern eine Wahrscheinlichkeitsverteilung, die durch Quantenzahlen festgelegt ist.
Was ist der Unterschied zwischen Bohr-Modell und Orbitalmodell?
Im Bohr-Modell kreisen Elektronen auf festen Bahnen mit bekanntem Radius. Das Orbitalmodell beschreibt nur Aufenthaltswahrscheinlichkeiten. Es erklärt auch Atome mit mehreren Elektronen und ist nach der Unschärferelation das physikalisch richtigere Bild.
Welche Formen haben s- und p-Orbitale?
Ein s-Orbital ist kugelförmig und in jeder Schale vorhanden. Ein p-Orbital hat die Form einer Hantel. Es gibt drei p-Orbitale pro Schale, die entlang der x-, y- und z-Achse ausgerichtet sind und gleich viel Energie haben.
Wie viele Elektronen passen in ein Orbital?
In jedes Orbital passen höchstens zwei Elektronen, die sich im Spin unterscheiden. Das legt das Pauli-Prinzip fest. In ein s-Unterniveau passen somit 2, in p 6, in d 10 und in f 14 Elektronen.
Wie schreibt man eine Elektronenkonfiguration?
Zähle die Elektronen anhand der Ordnungszahl, fülle die Orbitale nach dem Aufbauprinzip (1s, 2s, 2p, 3s, 3p, 4s, 3d ...) und schreibe die Elektronenzahl als Hochzahl, etwa 1s2 2s2 2p4 für Sauerstoff. Die Summe der Hochzahlen muss die Ordnungszahl ergeben.
Was besagt die Hundsche Regel?
Orbitale mit gleicher Energie, etwa die drei p-Orbitale, werden zuerst einzeln mit Elektronen gleichen Spins besetzt. Erst wenn alle einfach besetzt sind, entstehen Elektronenpaare. So bleibt die Abstoßung zwischen den Elektronen möglichst klein.
Warum wird 4s vor 3d gefüllt?
In neutralen Atomen hat das 4s-Orbital etwas weniger Energie als das 3d-Orbital. Deshalb füllen die Elektronen zuerst 4s auf. Bei der Bildung von Kationen verlassen aber zuerst die 4s-Elektronen das Atom, weil sie weiter außen liegen.
Wer hat das Orbitalmodell entwickelt?
Das Modell beruht auf der Wellenmechanik von Erwin Schrödinger aus dem Jahr 1926. Werner Heisenberg formulierte 1927 die Unschärferelation, und Max Born deutete das Quadrat der Wellenfunktion als Aufenthaltswahrscheinlichkeit. Zusammen bilden sie die Grundlage des Modells.

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