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Stammzellen: Aufbau, Arten und Anwendung

Stammzellen sind besondere Zellen, die sich noch nicht endgültig festgelegt haben und sich zu verschiedenen Zelltypen entwickeln können. In dieser Lektion lernst du den Unterschied zwischen embryonalen und adulten Stammzellen kennen, wie Differenzierung abläuft und welche ethischen Fragen die Stammzellforschung aufwirft.

  • Fach: Biologie
  • Klasse 11
  • Thema: Genetik
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Schwer
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Was macht eine Stammzelle besonders?

Stammzellen sind Zellen, die sich noch nicht endgültig auf eine bestimmte Aufgabe im Körper festgelegt haben. Anders als eine fertige Muskel- oder Nervenzelle können sie sich einerseits durch Zellteilung selbst erneuern und andererseits zu spezialisierten Zellen weiterentwickeln.

Diese Fähigkeit, sich in verschiedene Zelltypen zu entwickeln, nennt man Potenz. Je nachdem, wie viele verschiedene Zelltypen aus einer Stammzelle entstehen können, unterscheidet man mehrere Stufen, von der totipotenten Zelle, aus der noch ein vollständiger Organismus entstehen kann, bis zur multipotenten Zelle, die nur noch wenige verwandte Zelltypen bilden kann.

Ein häufiger Fehler ist, alle Stammzellen für gleich vielseitig zu halten. Tatsächlich unterscheiden sich Stammzellen stark in ihrem Entwicklungspotenzial, je nachdem, aus welcher Entwicklungsphase oder welchem Gewebe sie stammen.

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Embryonale und adulte Stammzellen im Vergleich

Embryonale Stammzellen stammen aus einem sehr frühen Entwicklungsstadium des Embryos, der Blastozyste, die sich wenige Tage nach der Befruchtung bildet. Sie gelten als pluripotent, das heißt, sie können sich noch in nahezu jeden Zelltyp des Körpers entwickeln, allerdings nicht mehr in einen vollständigen Organismus.

Adulte Stammzellen dagegen finden sich in vielen Geweben des erwachsenen Körpers, etwa im Knochenmark, in der Haut oder im Darm. Sie sind meist multipotent, können sich also nur in eine begrenzte Anzahl verwandter Zelltypen entwickeln, dafür aber lebenslang zur Erneuerung von Gewebe beitragen.

Die Gewinnung embryonaler Stammzellen erfordert in der Regel die Zerstörung eines frühen Embryos, was ethisch umstritten ist. Adulte Stammzellen lassen sich dagegen ohne diesen Konflikt aus dem Körper eines lebenden Menschen entnehmen, etwa aus Knochenmark oder Nabelschnurblut.

PotenzBedeutung
Totipotentkann sich zu einem vollständigen Organismus entwickeln
Pluripotentkann fast jeden Zelltyp des Körpers bilden, aber keinen ganzen Organismus
Multipotentkann sich nur zu einer begrenzten Anzahl verwandter Zelltypen entwickeln
Stammzelltypen nach Potenz
Embryonale und adulte Stammzellen unterscheiden sich vor allem in Herkunft und Entwicklungspotenzial.
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Differenzierung: vom Alleskönner zur Spezialzelle

Den Prozess, bei dem sich eine unspezialisierte Stammzelle schrittweise zu einer spezialisierten Zelle mit fester Funktion entwickelt, nennt man Differenzierung. Dabei werden bestimmte Gene an- und andere Gene abgeschaltet, sodass am Ende beispielsweise eine Muskelzelle, eine Nervenzelle oder eine Hautzelle entsteht.

Wichtig dabei: Alle Körperzellen tragen dieselbe Erbinformation in Form der DNA, unterscheiden sich aber darin, welche Gene tatsächlich abgelesen und in Proteine übersetzt werden. Differenzierung bedeutet also nicht den Verlust von Erbinformation, sondern eine gezielte Steuerung, welche Gene aktiv sind.

Die Differenzierung verläuft meist über mehrere Zwischenstufen: Aus einer pluripotenten Stammzelle entsteht zunächst eine Vorläuferzelle, die bereits auf eine Gewebeart festgelegt ist, bevor am Ende die fertig ausdifferenzierte, spezialisierte Zelle steht.

Bei der Differenzierung entwickelt sich eine Stammzelle über Zwischenstufen zu einer spezialisierten Zelle.
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Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen)

Seit 2006 ist es möglich, bereits ausdifferenzierte Körperzellen im Labor gezielt in einen pluripotenten Zustand zurückzuprogrammieren. Solche künstlich erzeugten Zellen nennt man induzierte pluripotente Stammzellen, kurz iPS-Zellen. Für diese Entdeckung wurde Shinya Yamanaka 2012 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet.

Der große Vorteil von iPS-Zellen ist, dass sie aus gewöhnlichen Körperzellen, etwa Hautzellen, gewonnen werden können, ohne dass dafür ein Embryo zerstört werden muss. Dadurch lässt sich ein Teil des ethischen Konflikts umgehen, der die embryonale Stammzellforschung begleitet.

Ein typischer Fehler ist zu glauben, iPS-Zellen seien mit embryonalen Stammzellen völlig identisch. Sie verhalten sich in vielen Eigenschaften sehr ähnlich, unterscheiden sich in Details der Zellbiologie aber weiterhin von echten embryonalen Stammzellen.

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Anwendung und ethische Fragen der Stammzellforschung

Adulte Stammzellen werden bereits seit Jahrzehnten in der Medizin eingesetzt, etwa bei der Knochenmarktransplantation zur Behandlung bestimmter Blutkrebsarten. Dabei werden blutbildende Stammzellen übertragen, die im Körper des Empfängers wieder gesunde Blutzellen bilden.

Embryonale Stammzellen und iPS-Zellen sind dagegen vor allem Gegenstand aktueller Forschung, etwa zur Entwicklung neuer Therapien für Nervenerkrankungen oder zur Herstellung von Gewebe im Labor. Viele Anwendungen befinden sich noch in klinischen Studien und sind noch keine Standardbehandlung.

Die Stammzellforschung wirft weiterhin ethische Fragen auf, insbesondere zur Verwendung embryonaler Stammzellen. In Deutschland regelt das Stammzellgesetz genau, unter welchen strengen Bedingungen die Forschung mit importierten embryonalen Stammzellen erlaubt ist.

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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 5

Was zeichnet eine Stammzelle besonders aus?

Was zeichnet eine Stammzelle besonders aus?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Stammzellen können sich selbst erneuern und zu spezialisierten Zelltypen entwickeln, ihr Potenzial reicht von totipotent bis multipotent.
  • Embryonale Stammzellen sind pluripotent und stammen aus der Blastozyste, adulte Stammzellen sind meist multipotent und stammen aus Körpergewebe.
  • Bei der Differenzierung entwickelt sich eine Stammzelle über Zwischenstufen zu einer spezialisierten Zelle, ohne Erbinformation zu verlieren.
  • Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) werden im Labor aus Körperzellen zurückprogrammiert und umgehen so einen Teil der ethischen Fragen.
  • Typischer Fehler: Nicht jede Stammzelle kann sich zu jedem Zelltyp entwickeln, das hängt von ihrer jeweiligen Potenz ab.

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Häufige Fragen zu Stammzellen: Aufbau, Arten und Anwendung

Was sind Stammzellen einfach erklärt?
Stammzellen sind Zellen, die sich noch nicht endgültig festgelegt haben. Sie können sich selbst erneuern und sich außerdem zu verschiedenen spezialisierten Zelltypen wie Muskel- oder Nervenzellen entwickeln.
Was ist der Unterschied zwischen embryonalen und adulten Stammzellen?
Embryonale Stammzellen stammen aus der Blastozyste und sind pluripotent, können sich also zu fast jedem Zelltyp entwickeln. Adulte Stammzellen stammen aus Körpergewebe wie Knochenmark und sind meist multipotent, also auf einige verwandte Zelltypen begrenzt.
Was bedeutet Differenzierung bei Stammzellen?
Differenzierung ist der Prozess, bei dem sich eine unspezialisierte Stammzelle schrittweise zu einer spezialisierten Zelle mit fester Funktion entwickelt, indem bestimmte Gene an- und andere abgeschaltet werden.
Was sind iPS-Zellen?
iPS-Zellen sind induzierte pluripotente Stammzellen, die im Labor aus bereits ausdifferenzierten Körperzellen künstlich in einen pluripotenten Zustand zurückprogrammiert wurden, ohne dass dafür ein Embryo nötig ist.
Wofür werden Stammzellen in der Medizin eingesetzt?
Adulte Stammzellen werden bereits seit Jahrzehnten bei der Knochenmarktransplantation zur Behandlung bestimmter Blutkrebsarten eingesetzt. Embryonale Stammzellen und iPS-Zellen sind vor allem Gegenstand aktueller Forschung zu neuen Therapien.
Warum ist die Forschung mit embryonalen Stammzellen umstritten?
Die Gewinnung embryonaler Stammzellen erfordert in der Regel die Zerstörung eines frühen Embryos, was ethisch umstritten ist. In Deutschland regelt das Stammzellgesetz deshalb genau, unter welchen Bedingungen mit importierten embryonalen Stammzellen geforscht werden darf.
Was ist der Unterschied zwischen totipotent, pluripotent und multipotent?
Totipotente Zellen können sich zu einem vollständigen Organismus entwickeln, pluripotente Zellen zu fast jedem Zelltyp des Körpers, aber nicht mehr zu einem ganzen Organismus, und multipotente Zellen nur noch zu einer begrenzten Anzahl verwandter Zelltypen.
In welcher Klasse lernt man etwas über Stammzellen?
Stammzellen werden meist in Klasse 11 im Biologieunterricht behandelt, oft im Zusammenhang mit Zellteilung, Genetik und aktuellen Themen der Gentechnik.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können

Das kommt als Nächstes