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Licht und Schatten

In dieser Lektion lernst du, warum Licht sich geradlinig ausbreitet und wie dadurch Schatten entstehen. Du unterscheidest Kernschatten und Halbschatten, rechnest Schattengrößen aus und verstehst, wie das Zusammenspiel von Sonne, Mond und Erde eine Sonnenfinsternis erzeugt.

  • Fach: Physik
  • Klasse 6
  • Thema: Optik
  • Dauer: 15 Min
  • Niveau: Einfach
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Warum es überhaupt Schatten gibt

Licht breitet sich von einer Quelle aus immer geradlinig aus. Du kannst dir das wie sehr dünne, gerade Striche vorstellen – in der Physik heißen sie Lichtstrahlen. Sie biegen nicht um Ecken und sie suchen sich keinen Weg an Hindernissen vorbei. Genau deshalb siehst du einen Sonnenstrahl in staubiger Luft als schnurgerade Linie und nicht als Bogen. Das Lichtstrahlmodell ist dabei nur ein Denkwerkzeug: Niemand hat je einen einzelnen Lichtstrahl isoliert gesehen, aber mit den geraden Linien lassen sich Schatten sauber konstruieren und berechnen.

Wenn ein Körper im Weg steht, den das Licht nicht durchdringen kann, fehlt das Licht dahinter. Dieser unbeleuchtete Bereich ist der Schatten. Ein Schatten ist also nichts, was vom Gegenstand ausgeht – er ist einfach die Stelle, an die kein Licht gelangt. Das merkst du daran, dass ein Schatten sofort verschwindet, wenn du die Lampe ausschaltest, obwohl der Gegenstand noch da ist. Ein Schatten ist damit ein reiner Lichtmangel und kein eigenständiges Ding, das der Körper irgendwie aussendet.

Wie der Schatten aussieht, hängt von der Lichtquelle ab. Eine sehr kleine Quelle wie eine einzelne LED wirkt fast wie ein Punkt und erzeugt einen Schatten mit scharfem Rand. Eine große oder flächige Quelle wie ein Fenster schickt von vielen verschiedenen Stellen Licht los. Dann gibt es Bereiche, die nur von einem Teil der Lampe beleuchtet werden. Solche Bereiche sind heller als der völlig dunkle Kern, aber dunkler als die Umgebung. Der Rand wird dadurch weich und verwaschen.

Ein typischer Fehler: Viele schreiben, der Schatten werde größer, weil der Gegenstand größer werde. Das ist falsch. Der Gegenstand bleibt gleich – der Schatten wächst, weil die Lichtstrahlen von der Quelle auseinanderlaufen. Schiebst du den Gegenstand näher an die Lampe, deckt er einen größeren Teil des Strahlenbündels ab, und der Schatten auf der Wand wird größer.

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Kernschatten oder Halbschatten?

Bei einer ausgedehnten Lichtquelle entstehen zwei verschiedene Schattenbereiche. Der Unterschied liegt darin, wie viel von der Lichtquelle du von dieser Stelle aus noch sehen könntest.

Merke dir die Prüffrage: Stelle dich in Gedanken an den dunklen Punkt und schaue zur Lampe. Siehst du gar nichts von ihr, bist du im Kernschatten. Siehst du noch einen Teil, bist du im Halbschatten. Eine einzelne, wirklich punktförmige Lichtquelle kann dagegen nur Kernschatten erzeugen, weil es von ihr aus gesehen kein Teilverdecken gibt – entweder die Quelle ist ganz sichtbar oder ganz verdeckt.

Kernschatten

An dieser Stelle wird die Lichtquelle vollständig vom Körper verdeckt. Es kommt überhaupt kein Licht an.

Beispiele

  • Der tiefschwarze innere Bereich des Schattens deiner Hand an der Wand
  • Der Schatten eines Balls vor einer einzelnen kleinen LED

Signalwörter

  • völlig dunkel
  • scharf begrenzt bei kleiner Lichtquelle
  • von hier aus ist keine Stelle der Lampe sichtbar
  • liegt immer in der Mitte des Schattens

Halbschatten

An dieser Stelle wird nur ein Teil der Lichtquelle verdeckt. Ein Teil des Lichts erreicht die Fläche noch.

Beispiele

  • Der graue, weiche Rand um deinen Schatten an einem bewölkten Tag
  • Der unscharfe Saum eines Schattens bei zwei Lampen im Raum

Signalwörter

  • nur abgeschwächt, nicht völlig dunkel
  • weicher, verwaschener Rand
  • von hier aus ist ein Teil der Lampe sichtbar
  • entsteht nur bei ausgedehnten oder mehreren Lichtquellen
  • umgibt den Kernschatten ringförmig
Art der LichtquelleBeispielErzeugter Schatten
Punktförmigsehr weit entfernter Stern, einzelne LEDnur Kernschatten, scharfer Rand
AusgedehntDeckenlampe mit Schirm, FensterKernschatten und Halbschatten, weicher Rand
Mehrere Quellenzwei Lampen im Raummehrere sich überlappende Halbschatten, oft zwei Schatten
Lichtquellenarten und die Schatten, die sie erzeugen
Kernschatten und Halbschatten unterscheiden sich in Helligkeit, Randschärfe und Lage zueinander.
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Beispielrechnung: Schattenlänge mit dem Strahlensatz

Eine kleine Lampe steht 30 cm vor einer Wand. Genau in der Mitte dazwischen hängt eine quadratische Pappe mit einer Kantenlänge von 4 cm. Wie breit ist der Schatten auf der Wand?

Gegeben:

  • Abstand Lampe–Wand: 30 cm
  • Abstand Lampe–Pappe: 15 cm
  • Kantenlänge Pappe: 4 cm

Gesucht:

Breite des Schattens auf der Wand

Lösung:

  1. Das Strahlenbündel läuft geradlinig auseinander. Schatten und Pappe wachsen im gleichen Verhältnis wie ihre Abstände zur Lampe – das ist genau der Strahlensatz: Lampe, Pappenkante und Schattenkante liegen auf je einer Geraden.
  2. Streckfaktor30 cm15 cm
  3. Streckfaktor2
  4. Schattenbreite4 cm · 28 cm

Der Schatten auf der Wand ist 8 cm breit, also doppelt so breit wie die Pappe.

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Zusatzbeispiel: Warum der Schatten zweier Personen unterschiedlich weich ist

Zwei Kinder stehen im Freien. Das eine wirft bei tiefstehender Sonne einen scharfen Schatten, das andere steht direkt unter einer großen Wolke und wirft einen sehr weichen, kaum sichtbaren Schatten. Erkläre den Unterschied mit dem Modell aus dieser Lektion.

Gegeben:

  • Sonne bei klarem Himmel: praktisch punktförmige Lichtquelle aus großer Entfernung
  • Sonne hinter dünner Wolkendecke: Licht kommt von der ganzen sichtbaren Wolkenfläche

Gesucht:

Erklärung für scharfen bzw. weichen Schattenrand

Lösung:

  1. Bei klarem Himmel wirkt die Sonne trotz ihrer riesigen Größe wegen der enormen Entfernung fast wie eine punktförmige Quelle. Es gibt kaum einen Bereich, der nur teilweise verdeckt wird – der Halbschatten ist so schmal, dass der Rand scharf erscheint.
  2. Eine dünne Wolkendecke streut das Sonnenlicht in viele Richtungen. Dadurch kommt Licht von einer großen, ausgedehnten Fläche des Himmels statt nur von einem Punkt.
  3. Ein Körper kann jetzt an vielen Stellen nur einen Teil dieser großen Lichtfläche verdecken. Der Halbschattenbereich wird dadurch sehr breit, der Kernschatten dagegen sehr klein oder verschwindet fast ganz.

Je größer die wirksame Lichtquelle erscheint, desto breiter und weicher wird der Halbschatten – deshalb ist der Schatten bei bewölktem Himmel kaum noch zu erkennen.

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Sonnen- und Mondfinsternis: Schatten im Weltraum

Die geradlinige Lichtausbreitung erklärt auch ein Ereignis am Himmel: die Sonnenfinsternis. Die Sonne ist eine ausgedehnte Lichtquelle. Wenn der Mond bei Neumond genau zwischen Sonne und Erde steht, wirft er wie jeder undurchsichtige Körper einen Kern- und einen Halbschatten – nur eben Tausende Kilometer groß statt Zentimeter.

Menschen im schmalen Kernschattenstreifen des Mondes erleben eine totale Sonnenfinsternis: Die Sonne ist für kurze Zeit vollständig verdeckt. Menschen im viel größeren Halbschattenbereich sehen nur eine teilweise, partielle Sonnenfinsternis, weil von dort aus noch ein Teil der Sonne sichtbar ist.

Bei einer Mondfinsternis ist es umgekehrt: Die Erde steht zwischen Sonne und Mond und wirft ihren Schatten auf den Mond. Da die Erde deutlich größer ist als der Mond, kann der Mond komplett im Kernschatten der Erde verschwinden – das ist die totale Mondfinsternis, bei der der Mond oft rötlich schimmert, weil etwas Sonnenlicht durch die Erdatmosphäre zu ihm gebeugt wird.

Bei einer Sonnenfinsternis stehen Sonne, Mond und Erde fast genau auf einer Linie, und der Mondschatten trifft die Erde.
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Typische Fehler bei Licht und Schatten

Der häufigste Fehler ist, Kernschatten und Halbschatten zu verwechseln oder als Synonyme zu behandeln. Sie sind aber zwei verschiedene Bereiche mit klar unterscheidbaren Eigenschaften: völlig dunkel gegen abgeschwächt hell, scharf gegen weich. Prüfe im Zweifel immer mit der Sichtbarkeits-Frage: Wie viel von der Lampe wäre von dort aus zu sehen?

Ein zweiter Fehler ist die Vorstellung, ein Schatten sei etwas, das der Körper selbst erzeugt oder aussendet, ähnlich wie ein Duft. Richtig ist: Ein Schatten ist reiner Lichtmangel. Ohne Lichtquelle gibt es überhaupt keinen Schatten, egal wie der Körper aussieht.

Ein dritter Fehler betrifft die Größe des Schattens: Manche denken, der Abstand zwischen Körper und Wand sei für die Schattengröße egal. Tatsächlich wächst der Schatten, je weiter der Körper von der Wand entfernt ist beziehungsweise je näher er an der Lampe steht, weil sich die Lichtstrahlen dann über eine längere Strecke ausbreiten können, bevor sie auf die Wand treffen.

Ein vierter Fehler ist zu glauben, jede Lichtquelle erzeuge einen Halbschatten. Das stimmt nur für ausgedehnte oder mehrere Lichtquellen. Eine wirklich punktförmige Quelle kann rein geometrisch keinen Halbschatten erzeugen, weil es kein Teilverdecken einer Fläche geben kann, die selbst keine Ausdehnung hat.

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Alltagsbezug: Wo dir Licht und Schatten begegnen

Schattenspiele mit den Händen vor einer Wand funktionieren, weil eine punktförmige Lampe oder Taschenlampe fast nur Kernschatten wirft. Der scharfe Rand macht erst erkennbar, dass die Fingerform wirklich wie ein Hase oder ein Hund aussieht – bei diffusem Tageslicht würde die Figur nur ein verwaschener grauer Fleck bleiben.

An Straßenlaternen siehst du oft mehrere Schatten von dir selbst, wenn zwei oder drei Lampen aus unterschiedlichen Richtungen leuchten. Jede Lampe wirft ihren eigenen Kernschatten, und dort, wo sich die Halbschatten zweier Lampen überschneiden, wird es besonders dunkel.

In der Fotografie und beim Film wird die Größe der Lichtquelle gezielt genutzt: Ein kleiner, punktförmiger Blitz erzeugt harte, scharfe Schatten im Gesicht, was oft dramatisch wirkt. Ein großer Diffusor oder eine bewölkte Himmelsdecke wirkt dagegen wie eine ausgedehnte Lichtquelle und erzeugt weiche, kaum sichtbare Schatten – deshalb fotografieren viele Menschen Porträts am liebsten bei leicht bewölktem Himmel.

Auch Sonnenfinsternisse sind ein direkter Alltagsbezug: Sie zeigen im Großen genau dasselbe Prinzip wie eine Hand vor einer Taschenlampe, nur mit Sonne, Mond und Erde als Beteiligten.

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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 3

Wie breitet sich Licht in Luft aus, wenn nichts im Weg ist?

Wie breitet sich Licht in Luft aus, wenn nichts im Weg ist?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Licht breitet sich geradlinig aus – deshalb entstehen Schatten.
  • Ein Schatten ist der Bereich, in den kein Licht gelangt.
  • Im Kernschatten ist die Lichtquelle völlig verdeckt, im Halbschatten nur teilweise.
  • Punktförmige Quellen geben scharfe Ränder, ausgedehnte Quellen weiche.
  • Der Schatten wird größer, weil die Strahlen auseinanderlaufen – nicht, weil der Gegenstand wächst.
  • Sonnen- und Mondfinsternisse folgen demselben Prinzip, nur in den Ausmaßen des Weltraums.
Die vier Kernregeln zu Licht und Schatten auf einen Blick.

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Häufige Fragen zu Licht und Schatten

Was ist der Unterschied zwischen Kernschatten und Halbschatten?
Im Kernschatten wird die Lichtquelle von einem Körper vollständig verdeckt, es kommt gar kein Licht an – dieser Bereich ist völlig dunkel. Im Halbschatten wird die Lichtquelle nur teilweise verdeckt, sodass etwas Licht die Fläche noch erreicht. Halbschatten ist deshalb nur abgeschwächt hell und hat einen weichen, verwaschenen Rand statt einer scharfen Kante.
Wie entsteht eine Sonnenfinsternis?
Bei Neumond stehen Sonne, Mond und Erde ausnahmsweise fast genau auf einer geraden Linie. Der Mond schiebt sich dabei zwischen Sonne und Erde und wirft seinen Schatten auf die Erde. Im schmalen Kernschattenstreifen sehen Menschen eine totale Sonnenfinsternis, im breiteren Halbschattenbereich nur eine teilweise, partielle Verdunkelung der Sonne.
Warum breitet sich Licht geradlinig aus?
In einem gleichmäßigen, durchsichtigen Stoff wie Luft gibt es keinen Grund für Licht, seine Richtung zu ändern, solange kein Hindernis oder Stoffübergang im Weg steht. Physiker beschreiben das mit dem Modell gerader Lichtstrahlen. Diese geradlinige Ausbreitung ist die Grundlage dafür, dass undurchsichtige Körper überhaupt scharf umrissene Schatten werfen können.
Warum haben manche Schatten einen scharfen und andere einen weichen Rand?
Das hängt von der Größe der Lichtquelle ab. Eine kleine, punktförmige Quelle wie eine LED erzeugt fast nur Kernschatten mit scharfem Rand. Eine große, ausgedehnte Quelle wie ein Fenster oder eine bewölkte Himmelsdecke erzeugt zusätzlich einen breiten Halbschatten, weil verschiedene Stellen der Lichtquelle aus unterschiedlichen Winkeln beleuchten und der Übergang dadurch weich wird.
Kann eine punktförmige Lichtquelle einen Halbschatten erzeugen?
Nein. Eine wirklich punktförmige Lichtquelle kann von keiner Stelle aus nur teilweise verdeckt werden, weil sie selbst keine Ausdehnung besitzt – entweder sie ist ganz sichtbar oder ganz verdeckt. Halbschatten entsteht deshalb ausschließlich bei ausgedehnten Lichtquellen oder wenn mehrere Lichtquellen gleichzeitig leuchten.
Wie berechnet man die Größe eines Schattens?
Bei einer punktförmigen Lampe bilden Lampe, Gegenstandskante und Schattenkante jeweils eine Gerade, sodass sich der Strahlensatz anwenden lässt. Man teilt den Abstand Lampe–Wand durch den Abstand Lampe–Gegenstand, das ergibt den Streckfaktor. Die Größe des Gegenstands multipliziert mit diesem Streckfaktor liefert die Größe des Schattens auf der Wand.
Warum wird ein Schatten größer, wenn der Gegenstand näher an die Lampe rückt?
Der Gegenstand selbst ändert seine Größe nicht. Weil sich die Lichtstrahlen von der Lampe aus aber geradlinig auseinanderweitend ausbreiten, deckt derselbe Gegenstand näher an der Lampe einen größeren Teil des Strahlenbündels ab. Auf der weiter entfernten Wand ergibt das einen entsprechend größeren dunklen Bereich.
Was ist der Unterschied zwischen einer Sonnen- und einer Mondfinsternis?
Bei einer Sonnenfinsternis steht der Mond zwischen Sonne und Erde und wirft seinen Schatten auf die Erde, sodass die Sonne von dort verdeckt erscheint. Bei einer Mondfinsternis steht umgekehrt die Erde zwischen Sonne und Mond und wirft ihren viel größeren Schatten auf den Mond, der dabei oft komplett im Kernschatten verschwindet und rötlich schimmert.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können

  • Lichtquellen und Lichtstrahlenin Arbeit
  • Sehen und Gesehenwerdenin Arbeit

Das kommt als Nächstes

  • Sonnen- und Mondfinsternisin Arbeit
  • Reflexion am Spiegelin Arbeit