Wärmeausdehnung berechnen
Wärmeausdehnung beschreibt, dass sich fast jeder Stoff beim Erwärmen vergrößert und beim Abkühlen wieder zusammenzieht. In dieser Lektion lernst du die Formel für die Längenausdehnung fester Körper, rechnest Beispiele zur Bahnschiene und zur Freileitung und erfährst, warum Brücken und Schienen extra Dehnungsfugen benötigen.
- Fach: Physik
- Klasse 8
- Thema: Energie
- Dauer: 18 Min
- Niveau: Mittel
Warum dehnen sich Stoffe bei Wärme aus?
Wärmeausdehnung entsteht, weil die Teilchen eines Stoffes bei höherer Temperatur stärker schwingen und dadurch im Mittel mehr Platz beanspruchen. Erwärmst du einen festen Körper wie eine Metallschiene, rücken seine Teilchen nicht enger zusammen, sondern schwingen weiter auseinander, sodass der ganze Körper etwas länger wird.
Dieser Effekt betrifft fast alle Stoffe, allerdings unterschiedlich stark: Metalle dehnen sich meist deutlich mehr aus als Glas oder Keramik. Deshalb kann sich bei einem plötzlichen Temperatursturz eine Fensterscheibe aus Glas verziehen, wenn der Rahmen aus einem Metall besteht, das sich stärker zusammenzieht als das Glas selbst.
Besonders auffällig wird die Wärmeausdehnung bei langen Bauteilen wie Bahnschienen, Brücken oder Freileitungen, denn die Längenänderung wächst proportional mit der Ausgangslänge. Ein kurzer Nagel dehnt sich bei derselben Erwärmung kaum spürbar, eine 20 Meter lange Schiene dagegen um mehrere Millimeter, was im Sommer und Winter beachtet werden muss.
Die Formel für die Längenausdehnung
Die Länge eines festen Körpers nach einer Erwärmung berechnet sich aus seiner Ausgangslänge L, dem Längenausdehnungskoeffizienten α des Materials und der Temperaturänderung t. Die Formel lautet l ist gleich L mal, in Klammern, 1 plus Alpha mal t. Je größer α, L oder t sind, desto stärker fällt die Ausdehnung aus.
Der Ausdehnungskoeffizient α ist eine Materialkonstante und beschreibt, um welchen Bruchteil der Ausgangslänge sich ein Stoff pro Grad Celsius Erwärmung ausdehnt. Stahl hat einen Ausdehnungskoeffizienten von etwa 0,000012 pro Grad Celsius, Aluminium mit rund 0,000023 pro Grad Celsius dehnt sich fast doppelt so stark aus wie Stahl.
Für viele Aufgaben reicht es, zunächst die reine Längenänderung mit α mal L mal t zu berechnen und diesen kleinen Wert anschließend zur Ausgangslänge zu addieren. So bleibt der Rechenweg übersichtlich, auch wenn die eigentliche Formel mit der Klammer auf den ersten Blick komplizierter aussieht.
- L
- Ausgangslänge vor der Erwärmung, in Meter (m)
- l
- Länge nach der Erwärmung, in Meter (m)
- α
- Längenausdehnungskoeffizient des Materials, in 1/°C
- t
- Temperaturänderung, in Grad Celsius (°C)
| Stoff | α in 1/°C | Ausdehnung bei 10 m und 50 °C |
|---|---|---|
| Glas | 0,000009 | 4,5 mm |
| Stahl | 0,000012 | 6,0 mm |
| Kupfer | 0,000017 | 8,5 mm |
| Aluminium | 0,000023 | 11,5 mm |
Ausdehnungskoeffizienten verschiedener Stoffe im Vergleich
Nicht jeder Stoff dehnt sich gleich stark aus, deshalb ist der Ausdehnungskoeffizient α eine wichtige Materialkenngröße in Tabellenbüchern. Metalle wie Aluminium und Zink haben einen vergleichsweise hohen Ausdehnungskoeffizienten, während Glas, Beton und viele Keramiken sich deutlich weniger ausdehnen.
Diese Unterschiede werden technisch gezielt genutzt: Ein Bimetallstreifen besteht aus zwei fest verbundenen Metallen mit unterschiedlichem α, etwa Stahl und einem Metall wie Kupfer. Erwärmt sich der Streifen, dehnt sich die Kupferseite stärker aus als die Stahlseite, wodurch sich der ganze Streifen zur Stahlseite hin krümmt. Genau dieser Effekt steckt in vielen einfachen Thermostaten und Temperaturschaltern.
Beispiel 1: Ausdehnung einer Bahnschiene
Eine Stahlschiene ist bei 0 Grad Celsius genau 20 Meter lang. Im Sommer erwärmt sie sich um 40 Grad Celsius. Wie lang ist die Schiene dann, wenn Alpha für Stahl 0,000012 pro Grad Celsius beträgt?
Gegeben:
- L20 m
- α0,000012°C
- t40 °C
Gesucht:
lLösung:
- Δlα · L · t
- Δl0,000012°C · 20 m · 40 °C
- Δl0,0096 m
- lL + Δl20 m + 0,0096 m20,0096 m
Die Schiene ist nach der Erwärmung 20,0096 Meter lang, also etwa 9,6 Millimeter länger als bei 0 Grad Celsius. Ohne Dehnungsfuge könnte sich die Schiene dabei verbiegen oder gegen die Nachbarschiene drücken.
Beispiel 2: Ausdehnung einer Freileitung
Eine Freileitung aus Aluminium ist bei 0 Grad Celsius genau 100 Meter lang. An einem heißen Sommertag erwärmt sie sich um 30 Grad Celsius. Alpha für Aluminium beträgt 0,000023 pro Grad Celsius. Um wie viele Zentimeter wird die Leitung länger?
Gegeben:
- L100 m
- α0,000023°C
- t30 °C
Gesucht:
ΔlLösung:
- Δlα · L · t
- Δl0,000023°C · 100 m · 30 °C
- Δl0,069 m
- 0,069 m entsprechen 6,9 cm
Die Freileitung wird um 6,9 Zentimeter länger. Deshalb hängen Freileitungen nie straff gespannt zwischen den Masten, sondern immer mit einem leichten Durchhang, damit die Wärmeausdehnung im Sommer nicht zu einer zu starken Zugspannung im Draht führt.
Typische Fehler bei der Wärmeausdehnung
Ein häufiger Fehler ist, die Temperaturänderung t mit der absoluten Temperatur zu verwechseln, etwa 40 Grad Celsius statt der tatsächlichen Differenz von 0 auf 40 Grad Celsius einzusetzen. In der Formel gehört immer die Änderung der Temperatur hinein, nicht ihr Endwert, auch wenn beide Zahlen in einer Aufgabe zufällig gleich groß sein können.
Ein zweiter Fehler ist, den Ausdehnungskoeffizienten α verschiedener Materialien zu verwechseln oder aus dem Gedächtnis zu schätzen, statt ihn aus einer Tabelle abzulesen. Da sich Aluminium fast doppelt so stark ausdehnt wie Stahl, führt eine Verwechslung schnell zu einem Ergebnis, das um den Faktor zwei danebenliegt.
Ein dritter Fehler ist, bei sehr kleinen Längenänderungen die Kommastellen zu verlieren, etwa 0,0096 Meter versehentlich als 0,96 Meter zu notieren. Da die Änderung meist nur wenige Millimeter beträgt, lohnt es sich, das Ergebnis am Ende noch einmal in Millimeter oder Zentimeter umzurechnen und auf Plausibilität zu prüfen.
Alltagsbezug und Tipps für die Klassenarbeit
Wärmeausdehnung begegnet dir an vielen Stellen im Alltag: Brücken besitzen an ihren Enden spezielle Dehnungsfugen mit ineinandergreifenden Metallzähnen, damit sich die gesamte Fahrbahn im Sommer ausdehnen und im Winter zusammenziehen kann, ohne dass Risse entstehen. Auch Gasleitungen und Fernwärmeleitungen erhalten regelmäßig U-förmige Ausdehnungsbögen, die ähnlich wie eine Ziehharmonika Längenänderungen abfedern.
Ein festsitzender Schraubdeckel auf einem Marmeladenglas lässt sich manchmal leichter öffnen, wenn man ihn kurz unter warmes Wasser hält: Der Metalldeckel dehnt sich dabei stärker aus als das Glas darunter, sodass sich der Deckel minimal löst. Auch Bimetallstreifen in einfachen Thermostaten und Zeitschaltern nutzen die unterschiedliche Ausdehnung zweier Metalle gezielt aus.
Für die Klassenarbeit hilft es, dir vor jeder Rechnung klarzumachen, welche Temperaturänderung tatsächlich gemeint ist, und den passenden Ausdehnungskoeffizienten aus der Tabelle zu übernehmen. Prüfe am Ende, ob dein Ergebnis in einer sinnvollen Größenordnung liegt, meist geht es um wenige Millimeter oder Zentimeter, nicht um ganze Meter.
Jetzt bist du dran
Welche Formel beschreibt die Länge eines festen Körpers nach einer Erwärmung?
Noch nicht. Die Länge nach der Erwärmung berechnet sich aus l ist gleich L mal, in Klammern, 1 plus Alpha mal t, wobei L die Ausgangslänge, Alpha der Ausdehnungskoeffizient und t die Temperaturänderung ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Wärmeausdehnung entsteht, weil Teilchen bei höherer Temperatur stärker schwingen und mehr Platz beanspruchen.
- Formel: l ist gleich L mal, in Klammern, 1 plus Alpha mal t, mit der Ausgangslänge L, dem Koeffizienten Alpha und der Temperaturänderung t.
- Verschiedene Stoffe haben unterschiedliche Ausdehnungskoeffizienten - Aluminium dehnt sich fast doppelt so stark aus wie Stahl.
- Lange Bauteile wie Bahnschienen, Brücken und Freileitungen brauchen Dehnungsfugen oder Durchhang, um die Ausdehnung aufzufangen.
- Typischer Fehler: die Endtemperatur statt der Temperaturänderung einsetzen oder Ausdehnungskoeffizienten verschiedener Stoffe verwechseln.
Lektion abschließen
Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.
Häufige Fragen zu Wärmeausdehnung berechnen
- Wie berechnet man die Wärmeausdehnung eines Körpers?
- Mit der Formel l ist gleich L mal, in Klammern, 1 plus Alpha mal t, wobei L die Ausgangslänge, Alpha der materialabhängige Ausdehnungskoeffizient und t die Temperaturänderung ist. Oft berechnet man zuerst nur die Längenänderung Δl mit Alpha mal L mal t und addiert sie anschließend zur Ausgangslänge.
- Was ist der Unterschied zwischen Wärmeausdehnung und Temperatur?
- Die Temperatur beschreibt, wie stark sich die Teilchen eines Stoffes bewegen, und wird in Grad Celsius gemessen. Die Wärmeausdehnung ist die Folge einer Temperaturänderung: Bewegen sich die Teilchen stärker, beanspruchen sie mehr Platz, wodurch sich der ganze Körper vergrößert.
- Warum dehnen sich manche Stoffe stärker aus als andere?
- Wie stark sich ein Stoff bei gleicher Temperaturänderung ausdehnt, hängt von seinem Ausdehnungskoeffizienten Alpha ab, einer Materialeigenschaft. Metalle wie Aluminium haben einen größeren Ausdehnungskoeffizienten als Stahl oder Glas und dehnen sich deshalb bei gleicher Erwärmung stärker aus.
- In welcher Klasse lernt man Wärmeausdehnung in Physik?
- Wärmeausdehnung wird in Deutschland meist in der achten Klasse behandelt, häufig im Rahmen des Themenblocks Wärmelehre nach der Einführung von Temperatur und Wärmeenergie. Es bildet die Grundlage für spätere Themen wie Gasgesetze und Wärmeübertragung.
- Warum brauchen Brücken und Bahnschienen Dehnungsfugen?
- Lange Bauteile wie Brücken oder Bahnschienen dehnen sich bei Hitze deutlich aus, weil sich die Längenänderung mit der Ausgangslänge vervielfacht. Ohne Dehnungsfugen könnte sich das Material verbiegen oder Risse bekommen, deshalb lassen Ingenieure gezielt kleine Lücken oder ineinandergreifende Zähne frei.
- Wie funktioniert ein Bimetallstreifen?
- Ein Bimetallstreifen besteht aus zwei fest verbundenen Metallen mit unterschiedlichem Ausdehnungskoeffizienten. Erwärmt sich der Streifen, dehnt sich ein Metall stärker aus als das andere, wodurch sich der ganze Streifen zur Seite krümmt. Dieser Effekt wird in Thermostaten und Temperaturschaltern genutzt.
- Warum hängen Freileitungen nicht straff gespannt zwischen den Masten?
- Freileitungen dehnen sich im Sommer durch die Wärme aus und würden bei straffer Spannung eine sehr hohe Zugkraft erfahren. Der bewusst eingeplante Durchhang lässt Platz für diese Wärmeausdehnung, ohne dass die Leitung reißt oder die Masten zu stark belastet werden.
- Was passiert mit einem Körper beim Abkühlen im Vergleich zum Erwärmen?
- Beim Abkühlen läuft die Wärmeausdehnung umgekehrt ab: Die Teilchen bewegen sich weniger stark, benötigen weniger Platz, und der Körper zieht sich zusammen. Dieselbe Formel gilt dabei auch für negative Temperaturänderungen, das Ergebnis für die Längenänderung wird dann entsprechend negativ.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.