Klassenspace

Mikroskopieren

Mit dem Lichtmikroskop siehst du Dinge, die mit bloßem Auge unsichtbar bleiben: Zellen, Zellkerne und winzige Lebewesen. In dieser Lektion lernst du den Aufbau des Mikroskops, die richtige Vorgehensweise beim Präparieren und Scharfstellen und wie du die Gesamtvergrößerung berechnest. Dazu kommen typische Fehler und Tipps für die praktische Klassenarbeit am Mikroskop.

  • Fach: Biologie
  • Klasse 6
  • Thema: Zellen
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Mittel
1

Aus welchen Teilen besteht ein Mikroskop?

Ein Lichtmikroskop besteht aus einem optischen und einem mechanischen Teil. Zum optischen Teil gehören das Okular, durch das du schaust, und die Objektive, die am drehbaren Objektivrevolver sitzen. Beide zusammen erzeugen das vergrößerte Bild: Das Objektiv erzeugt ein erstes vergrößertes Zwischenbild, das Okular vergrößert dieses ein weiteres Mal.

Zum mechanischen Teil gehören der Objekttisch mit den Klemmen für den Objektträger, oft ergänzt um einen Kreuztisch, mit dem du das Präparat millimetergenau verschieben kannst. Darunter liegen die Blende und der Kondensor, die das Licht bündeln und die Helligkeit regulieren. Der Grobtrieb bewegt den Tisch oder das Objektiv schnell auf und ab, der Feintrieb erlaubt die letzte, sehr feine Einstellung der Schärfe.

Beleuchtet wird das Präparat meist von unten, entweder mit einer eingebauten Lampe oder mit einem Spiegel, der Tageslicht einfängt. Das Licht durchdringt das dünne Präparat, wird von Objektiv und Okular gebündelt und vergrößert, und du siehst im Auge ein stark vergrößertes, aber seitenverkehrtes Bild. Ein Mikroskop mit Statim, Stativfuß, Tubus, Okular, Revolver, Objektiven, Objekttisch, Kondensor, Blende und Lichtquelle gehört zur Grundausstattung jedes Biologieraums.

Diese sechs Bauteile solltest du am Mikroskop benennen können.
2

Ein Präparat vorbereiten und einspannen

Bevor du überhaupt etwas siehst, brauchst du ein gutes Präparat. Dafür legst du einen sehr dünnen Schnitt oder Ausstrich, zum Beispiel eine Zwiebelhaut oder einen Tropfen Teichwasser, mittig auf einen sauberen Objektträger. Ein Tropfen Wasser hält das Präparat feucht und verhindert, dass es unter dem Deckglas austrocknet oder zerbricht.

Das Deckglas setzt du am besten schräg an einer Kante des Wassertropfens an und lässt es dann langsam ab, statt es einfach fallen zu lassen. So kann die Luft entweichen und es entstehen keine Luftblasen, die später als runde, dunkel gerandete Kreise im Bild stören. Anschließend spannst du den Objektträger mit den Federklemmen auf dem Objekttisch fest und schiebst ihn so, dass das Präparat genau über der Beleuchtungsöffnung liegt.

3

Grob- oder Feintrieb – wann benutzt du welchen?

Grobtrieb und Feintrieb übernehmen unterschiedliche Aufgaben beim Scharfstellen, und wer sie verwechselt, verliert im schlimmsten Fall das Deckglas oder zerdrückt das Präparat. Der Grobtrieb bewegt den Objekttisch über größere Strecken schnell auf und ab, der Feintrieb dagegen nur um Bruchteile eines Millimeters.

Am Anfang, mit dem schwächsten Objektiv, fährst du seitlich schauend das Objektiv vorsichtig nah an das Präparat heran, ohne durchs Okular zu blicken. Erst dann schaust du hinein und drehst den Grobtrieb langsam in die andere Richtung, bis ungefähr etwas erkennbar wird. Danach übernimmt ausschließlich der Feintrieb die letzte, genaue Schärfeeinstellung – der Grobtrieb wird jetzt nicht mehr angerührt, weil er sonst das empfindliche Deckglas gegen das Objektiv drücken könnte.

Bei stärkeren Objektiven ist der Abstand zwischen Objektiv und Präparat so gering, dass ausschließlich der Feintrieb verwendet wird. Ein grober Dreh würde das Deckglas zerbrechen oder das Objektiv verkratzen. Deshalb gilt die feste Reihenfolge: erst schwaches Objektiv und Grobtrieb, dann stärkeres Objektiv und nur noch Feintrieb.

Grobtrieb

Große, schnelle Bewegungen des Objekttischs. Nur beim schwächsten Objektiv und nur zu Beginn verwenden.

Beispiele

  • erstes grobes Heranfahren an das Präparat
  • Objektträger komplett neu positionieren
  • vom unscharfen Bild zum ersten Umriss kommen

Signalwörter

  • großer Drehwinkel bewegt den Tisch deutlich
  • nur mit schwachem Objektiv (4x oder 10x) nutzen
  • nie bei starken Objektiven verwenden

Feintrieb

Sehr kleine Bewegungen für die letzte, genaue Schärfe. Bei jedem Objektiv erlaubt, bei starken Objektiven die einzige Option.

Beispiele

  • letzte Schärfe nach dem Grobtrieb
  • Nachjustieren nach dem Objektivwechsel
  • einzelne Zellstrukturen scharf stellen

Signalwörter

  • kleiner Drehwinkel bewegt kaum sichtbar
  • bei 40x und 100x einzig erlaubte Einstellung
  • verhindert, dass Deckglas und Objektiv sich berühren
Sieben Schritte vom fertigen Präparat bis zum scharfen Bild bei höherer Vergrößerung.
4

Wie berechnest du die Gesamtvergrößerung?

Die Gesamtvergrößerung eines Mikroskops ergibt sich, indem du die Vergrößerung des Okulars mit der Vergrößerung des gerade eingeschwenkten Objektivs multiplizierst. Ein Okular mit der Angabe 10x und ein Objektiv mit 40x ergeben zusammen eine 400-fache Vergrößerung des Originals.

Die Vergrößerungszahl steht meist als aufgedruckte Zahl mit einem x direkt auf Okular und Objektiv, zum Beispiel 10x oder 40x. Schulmikroskope haben üblicherweise einen Revolver mit drei bis vier Objektiven unterschiedlicher Stärke, sodass du zwischen mehreren Gesamtvergrößerungen wählen kannst, ohne das Okular zu wechseln.

Vv(Okular) · v(Objektiv)
V
Gesamtvergrößerung des Mikroskops
v
Vergrößerung des einzelnen Bauteils (Okular bzw. Objektiv)
ObjektivOkularGesamtvergrößerungTypischer Einsatz
4x10x40-fachÜberblick verschaffen
10x10x100-fachÜbersicht, Zellverbände
40x10x400-facheinzelne Zellen, Zellkern
100x (mit Öl)10x1000-fachFeinstrukturen, Bakterien
Gesamtvergrößerung bei einem 10-fachen Okular und vier üblichen Objektiven
Gesamtvergrößerung ist immer Okular mal Objektiv, nie eine der beiden Zahlen allein.
5

Wie stark ist ein Objekt vergrößert?

Du mikroskopierst eine Zwiebelhautzelle mit dem 10x-Okular und dem 40x-Objektiv. Berechne die Gesamtvergrößerung und erkläre, was das für die sichtbare Größe der Zelle bedeutet.

Gegeben:

  • Vergrößerung Okular: 10x
  • Vergrößerung Objektiv: 40x
  • reale Zellbreite: etwa 0,05 mm

Gesucht:

Gesamtvergrößerung und scheinbare Zellbreite im Bild

Lösung:

  1. Gesamtvergrößerung berechnen: V10 · 40400.
  2. Die Zelle erscheint also 400-mal größer als in Wirklichkeit.
  3. Scheinbare Breite: 0,05 mm · 40020 mm.
  4. Eine winzige Zelle von 0,05 mm Breite erscheint im Mikroskop also rund zwei Zentimeter breit.

Bei 400-facher Vergrößerung wirkt eine 0,05 mm breite Zelle etwa 20 mm breit, also so groß wie ein Fingernagel. Das erklärt, warum Zellwände und der Zellkern bei dieser Einstellung schon gut erkennbar sind.

6

Typische Fehler und Tipps für die Klassenarbeit

Der häufigste Fehler ist, mit einem starken Objektiv zu beginnen, statt zuerst mit dem schwächsten das Präparat zu finden. Bei starker Vergrößerung ist das Sichtfeld winzig, sodass man das Präparat kaum trifft und leicht die Orientierung verliert. Ein zweiter häufiger Fehler: Das Bild erscheint seitenverkehrt und auf dem Kopf, weil Okular und Objektiv das Bild umkehren – bewegst du den Objektträger nach rechts, wandert das Bild scheinbar nach links.

Ein weiterer Klassiker ist zu viel Wasser unter dem Deckglas, wodurch das Deckglas verrutscht oder Wasser seitlich austritt. Zu wenig Wasser dagegen lässt Luftblasen entstehen, die als dunkle Kreise stören. In der Klassenarbeit wird oft verlangt, ein mikroskopisches Bild zu beschriften oder die passende Vergrößerung zu berechnen – dafür lohnt es sich, die Formel und die Bauteile wirklich auswendig zu können, nicht nur einmal gelesen zu haben.

7

Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 3

Mit welchem Objektiv beginnst du beim Mikroskopieren immer zuerst?

Mit welchem Objektiv beginnst du beim Mikroskopieren immer zuerst?
8

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Mikroskop besteht aus Okular, Objektivrevolver, Objekttisch, Blende und Kondensor, Grob- und Feintrieb sowie einer Lichtquelle.
  • Präparate werden dünn geschnitten oder ausgestrichen, mit einem Wassertropfen und Deckglas ohne Luftblasen abgedeckt.
  • Zuerst mit dem schwächsten Objektiv und dem Grobtrieb suchen, danach nur noch mit dem Feintrieb nachstellen.
  • Gesamtvergrößerung = Vergrößerung des Okulars mal Vergrößerung des Objektivs.
  • Typischer Fehler: gleich mit dem stärksten Objektiv beginnen – das verkleinert das Sichtfeld und erschwert das Finden des Präparats.

Lektion abschließen

Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.

0 %

Häufige Fragen zu Mikroskopieren

Wie funktioniert ein Mikroskop einfach erklärt?
Licht durchdringt von unten ein dünnes Präparat. Das Objektiv erzeugt daraus ein vergrößertes Zwischenbild, das Okular vergrößert dieses ein weiteres Mal, sodass du ein stark vergrößertes Bild siehst. Grob- und Feintrieb bewegen den Objekttisch, bis das Bild scharf ist. Die Gesamtvergrößerung ergibt sich aus Okular mal Objektiv.
Wie berechnet man die Vergrößerung beim Mikroskop?
Die Gesamtvergrößerung ist das Produkt aus der Vergrößerung des Okulars und der Vergrößerung des gerade verwendeten Objektivs. Bei einem 10-fachen Okular und einem 40-fachen Objektiv ergibt sich 10 mal 40, also eine 400-fache Vergrößerung. Beide Zahlen sind direkt auf Okular und Objektiv aufgedruckt.
Was ist der Unterschied zwischen Grobtrieb und Feintrieb?
Der Grobtrieb bewegt den Objekttisch schnell über größere Strecken und wird nur zu Beginn mit dem schwächsten Objektiv genutzt. Der Feintrieb bewegt nur Bruchteile eines Millimeters und stellt die letzte, genaue Schärfe ein. Bei starken Objektiven darf ausschließlich der Feintrieb verwendet werden, sonst können Deckglas und Objektiv zusammenstoßen.
Warum sieht man das Bild im Mikroskop verkehrt herum?
Objektiv und Okular brechen das Licht so, dass ein umgekehrtes Bild entsteht: Es erscheint auf dem Kopf und seitenverkehrt. Bewegst du den Objektträger nach rechts, wandert das Bild im Okular scheinbar nach links. Das liegt an den optischen Gesetzen der Linsen und ist bei jedem Lichtmikroskop gleich.
Wie bereitet man ein Präparat für das Mikroskop vor?
Ein dünner Schnitt oder Ausstrich kommt mit einem Tropfen Wasser auf einen sauberen Objektträger. Das Deckglas wird schräg angesetzt und langsam abgesenkt, damit keine Luftblasen entstehen. Zu viel Wasser lässt das Deckglas verrutschen, zu wenig führt zu Luftblasen, die als dunkle Kreise im Bild stören.
In welcher Klasse lernt man das Mikroskopieren?
Das Mikroskopieren wird meist in der 6. oder 7. Klasse im Biologieunterricht eingeführt, oft zusammen mit dem Aufbau der Zelle. Schulmikroskope erreichen dabei üblicherweise Gesamtvergrößerungen zwischen 40-fach und 400-fach, manche auch bis 1000-fach mit Ölimmersion.
Warum beginnt man immer mit dem schwächsten Objektiv?
Das schwächste Objektiv zeigt das größte Sichtfeld, sodass sich das Präparat viel leichter finden lässt als bei starker Vergrößerung mit winzigem Sichtfeld. Erst wenn ein Bereich grob scharf und richtig positioniert ist, wechselt man zu einem stärkeren Objektiv und stellt nur noch mit dem Feintrieb nach.
Was bedeutet Ölimmersion beim Mikroskop?
Bei sehr starker Vergrößerung, meist 100-fach, wird ein spezielles Immersionsöl zwischen Objektiv und Deckglas gebracht. Das Öl hat denselben Brechungsindex wie Glas und verhindert, dass Licht an der Grenzfläche gestreut wird. So bleibt das Bild bei sehr hoher Vergrößerung, etwa 1000-fach, noch scharf genug für Feinstrukturen wie Bakterien.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können

Das kommt als Nächstes