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Gärung: alkoholisch und Milchsäure

Gärung ist eine Möglichkeit für Zellen, ohne Sauerstoff Energie aus Traubenzucker zu gewinnen. In dieser Lektion lernst du die alkoholische Gärung und die Milchsäuregärung kennen, ihre Unterschiede sowie die Rolle, die beide Gärungsarten bei der Herstellung von Lebensmitteln und in unseren eigenen Muskeln spielen.

  • Fach: Biologie
  • Klasse 10
  • Thema: Zellen
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Mittel
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Warum gärt eine Zelle überhaupt?

Zellen gewinnen Energie normalerweise durch die Zellatmung, bei der Traubenzucker mithilfe von Sauerstoff vollständig zu Wasser und Kohlenstoffdioxid abgebaut wird und dabei viel Energie liefert. Fehlt Sauerstoff, können manche Zellen trotzdem weiter Energie aus Traubenzucker gewinnen, allerdings deutlich weniger effizient. Diesen Vorgang nennt man Gärung.

Man unterscheidet vor allem zwei Arten der Gärung: die alkoholische Gärung, bei der Ethanol und Kohlenstoffdioxid entstehen, und die Milchsäuregärung, bei der Milchsäure entsteht. Beide laufen ohne Sauerstoff ab und liefern der Zelle deutlich weniger Energie als die vollständige Zellatmung.

Ein häufiger Fehler ist zu glauben, Gärung sei einfach eine Art unvollständige Zellatmung mit denselben Endprodukten. Tatsächlich entstehen bei der Gärung ganz andere Endprodukte als bei der Zellatmung, nämlich Ethanol beziehungsweise Milchsäure statt Wasser und vollständig oxidiertem Kohlenstoffdioxid.

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Alkoholische Gärung: Hefe ohne Sauerstoff

Hefepilze sind Einzeller, die sowohl mit als auch ohne Sauerstoff Energie gewinnen können. Ist ausreichend Sauerstoff vorhanden, betreiben sie normale Zellatmung. Fehlt Sauerstoff, etwa in einem geschlossenen Gärbehälter, schalten sie auf alkoholische Gärung um.

Bei der alkoholischen Gärung spaltet die Hefezelle Traubenzucker in mehreren Schritten auf, wobei am Ende Ethanol, also Alkohol, und Kohlenstoffdioxid entstehen. Diese Reaktion liefert der Zelle deutlich weniger Energie als die vollständige Zellatmung mit Sauerstoff, reicht der Hefe aber zum Überleben.

Menschen nutzen die alkoholische Gärung seit Jahrtausenden gezielt: Beim Bierbrauen und bei der Weinherstellung entsteht der Alkohol im Getränk genau durch diesen Prozess, während beim Backen vor allem das entstehende Kohlenstoffdioxid genutzt wird, um den Teig aufgehen zu lassen.

Bei der alkoholischen Gärung baut die Hefezelle Traubenzucker ohne Sauerstoff zu Ethanol und Kohlenstoffdioxid ab.
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Milchsäuregärung: von Bakterien bis zum Muskel

Bei der Milchsäuregärung wird Traubenzucker ebenfalls ohne Sauerstoff abgebaut, allerdings entsteht dabei Milchsäure statt Ethanol und Kohlenstoffdioxid. Diese Gärungsart betreiben zum einen Milchsäurebakterien, zum anderen auch die Muskelzellen des Menschen selbst.

Milchsäurebakterien werden gezielt bei der Herstellung von Joghurt, Sauerkraut oder eingelegtem Gemüse genutzt: Sie bauen den Zucker in der Milch oder im Gemüse zu Milchsäure ab, die das Lebensmittel sauer schmecken lässt und gleichzeitig haltbarer macht, weil viele unerwünschte Keime in saurem Milieu schlechter wachsen.

Auch die eigenen Muskelzellen greifen bei sehr starker Anstrengung auf die Milchsäuregärung zurück, wenn die Sauerstoffversorgung über das Blut nicht ausreicht, um den hohen Energiebedarf allein durch Zellatmung zu decken. Die dabei entstehende Milchsäure trägt zu dem bekannten Muskelbrennen bei intensiver Belastung bei.

MerkmalAlkoholische GärungMilchsäuregärung
AusgangsstoffTraubenzuckerTraubenzucker
EndprodukteEthanol, KohlenstoffdioxidMilchsäure
Durchführende OrganismenHefepilzeMilchsäurebakterien, menschliche Muskelzellen
Genutzt fürBier, Wein, BrotteigJoghurt, Sauerkraut, Muskelarbeit
Alkoholische Gärung und Milchsäuregärung im Überblick
Alkoholische Gärung und Milchsäuregärung unterscheiden sich vor allem in den Endprodukten und den beteiligten Organismen.
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Alkoholische Gärung und Milchsäuregärung im direkten Vergleich

Alkoholische Gärung und Milchsäuregärung ähneln sich darin, dass beide ohne Sauerstoff ablaufen und aus Traubenzucker Energie gewinnen. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in den entstehenden Endprodukten und in den beteiligten Organismen.

Bei der alkoholischen Gärung entstehen Ethanol und Kohlenstoffdioxid, ausgeführt vor allem von Hefepilzen. Diese Gärungsart wird gezielt genutzt, wenn entweder der entstehende Alkohol oder das entstehende Gas gebraucht wird, etwa beim Brauen oder beim Backen.

Bei der Milchsäuregärung entsteht dagegen Milchsäure, ausgeführt von Milchsäurebakterien oder von den Muskelzellen des Menschen selbst. Diese Gärungsart wird genutzt, um Lebensmittel haltbar zu machen, oder tritt automatisch auf, wenn der Muskel schneller Energie braucht, als über Sauerstoff bereitgestellt werden kann.

Alkoholische Gärung

Wird von Hefepilzen genutzt, wenn kein Sauerstoff zur Verfügung steht.

Beispiele

  • Bierherstellung
  • Weinherstellung
  • Aufgehen von Brotteig

Signalwörter

  • Endprodukt Ethanol
  • Endprodukt Kohlenstoffdioxid
  • durchgeführt von Hefepilzen

Milchsäuregärung

Wird von Milchsäurebakterien oder Muskelzellen genutzt, wenn kein Sauerstoff zur Verfügung steht.

Beispiele

  • Joghurtherstellung
  • Sauerkrautherstellung
  • Muskelarbeit bei starker Anstrengung

Signalwörter

  • Endprodukt Milchsäure
  • kein Kohlenstoffdioxid
  • durchgeführt von Bakterien oder Muskelzellen
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Warum geht Brotteig auf und wird locker?

Ein Bäcker mischt Hefe unter den Brotteig und lässt ihn abgedeckt an einem warmen Ort ruhen. Nach einer Stunde hat sich das Teigvolumen deutlich vergrößert. Erkläre, welcher biologische Vorgang dafür verantwortlich ist.

Gegeben:

  • Teig enthält Hefepilze und Traubenzucker aus dem Mehl
  • Teig ist abgedeckt, also kaum Sauerstoffzufuhr
  • Teigvolumen vergrößert sich deutlich

Gesucht:

Welcher Vorgang lässt den Brotteig aufgehen, und welches Produkt ist dafür verantwortlich?

Lösung:

  1. Im abgedeckten Teig steht den Hefepilzen kaum Sauerstoff zur Verfügung, sie können deshalb keine normale Zellatmung betreiben.
  2. Die Hefepilze schalten stattdessen auf alkoholische Gärung um und bauen den im Teig vorhandenen Traubenzucker ab.
  3. Dabei entstehen als Endprodukte Ethanol und Kohlenstoffdioxid.
  4. Das entstehende Kohlenstoffdioxid bildet kleine Gasbläschen im Teig, die ihn von innen aufblähen und locker machen.

Der Brotteig geht durch die alkoholische Gärung der Hefepilze auf: Das dabei entstehende Kohlenstoffdioxid bildet Gasbläschen im Teig, die ihn vergrößern und locker machen. Der ebenfalls entstehende Alkohol verdunstet größtenteils beim späteren Backen.

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Gärung im Alltag: Lebensmittel und Sport

Gärung begegnet dir im Alltag ständiger, als es zunächst scheint: Brot, Bier, Wein, Joghurt, Käse und Sauerkraut verdanken ihre Herstellung ganz unterschiedlichen Gärungsprozessen. Ohne die alkoholische Gärung und die Milchsäuregärung würde es diese Lebensmittel in ihrer bekannten Form nicht geben.

Beim Sport spürst du die Milchsäuregärung direkt am eigenen Körper: Bei sehr intensiver, kurzer Belastung wie einem Sprint reicht die Sauerstoffversorgung der Muskeln nicht aus, sodass sie zusätzlich Energie durch Milchsäuregärung gewinnen. Das dabei entstehende Muskelbrennen und die spätere Erholungsphase gehören zu den spürbaren Folgen dieses Vorgangs.

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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 5

Welche Endprodukte entstehen bei der alkoholischen Gärung?

Welche Endprodukte entstehen bei der alkoholischen Gärung?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Gärung ist der Abbau von Traubenzucker ohne Sauerstoff und liefert weniger Energie als die Zellatmung.
  • Bei der alkoholischen Gärung entstehen Ethanol und Kohlenstoffdioxid, ausgeführt von Hefepilzen.
  • Bei der Milchsäuregärung entsteht Milchsäure, ausgeführt von Milchsäurebakterien oder Muskelzellen.
  • Beide Gärungsarten werden gezielt bei der Herstellung von Lebensmitteln wie Brot, Bier, Joghurt oder Sauerkraut genutzt.
  • Typischer Fehler: Gärung liefert andere Endprodukte als die Zellatmung, nämlich Ethanol beziehungsweise Milchsäure statt Wasser und vollständig oxidiertem Kohlenstoffdioxid.

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Häufige Fragen zu Gärung: alkoholisch und Milchsäure

Was ist der Unterschied zwischen alkoholischer Gärung und Milchsäuregärung?
Bei der alkoholischen Gärung baut Hefe Traubenzucker zu Ethanol und Kohlenstoffdioxid ab, bei der Milchsäuregärung bauen Milchsäurebakterien oder Muskelzellen Traubenzucker zu Milchsäure ab. Beide Gärungsarten laufen ohne Sauerstoff ab und liefern weniger Energie als die Zellatmung.
Was ist Gärung einfach erklärt?
Gärung ist ein Vorgang, mit dem Zellen ohne Sauerstoff Energie aus Traubenzucker gewinnen. Dabei entstehen je nach Gärungsart unterschiedliche Endprodukte, etwa Ethanol und Kohlenstoffdioxid bei der alkoholischen Gärung oder Milchsäure bei der Milchsäuregärung.
Warum geht Brotteig auf?
Im Brotteig betreiben Hefepilze bei Sauerstoffmangel alkoholische Gärung und bauen Traubenzucker aus dem Mehl zu Ethanol und Kohlenstoffdioxid ab. Die entstehenden Gasbläschen aus Kohlenstoffdioxid blähen den Teig auf und machen ihn locker.
Wer betreibt Milchsäuregärung?
Milchsäuregärung betreiben zum einen Milchsäurebakterien, etwa bei der Herstellung von Joghurt oder Sauerkraut, zum anderen auch die Muskelzellen des Menschen selbst, wenn bei sehr intensiver Anstrengung nicht genug Sauerstoff zur Verfügung steht.
Warum verdunstet der Alkohol beim Brotbacken?
Der bei der alkoholischen Gärung entstandene Alkohol im Brotteig hat einen niedrigeren Siedepunkt als Wasser. Beim Backen bei hoher Temperatur im Ofen verdunstet er deshalb größtenteils, sodass im fertigen Brot nur noch geringe Spuren übrig bleiben.
Warum brennen die Muskeln bei intensivem Sport?
Reicht die Sauerstoffversorgung der Muskeln bei sehr intensiver, kurzer Belastung nicht aus, gewinnen die Muskelzellen zusätzlich Energie durch Milchsäuregärung. Die dabei entstehende Milchsäure trägt zu dem bekannten Brennen im Muskel bei.
Ist Gärung dasselbe wie Zellatmung?
Nein, Gärung und Zellatmung sind unterschiedliche Vorgänge. Zellatmung läuft mit Sauerstoff ab und baut Traubenzucker vollständig zu Wasser und Kohlenstoffdioxid ab, während Gärung ohne Sauerstoff abläuft und andere Endprodukte wie Ethanol oder Milchsäure liefert.
In welcher Klasse lernt man etwas über Gärung?
Alkoholische Gärung und Milchsäuregärung werden meist in Klasse 10 im Biologieunterricht behandelt, oft im Zusammenhang mit Zellatmung, Enzymen und dem Energiestoffwechsel der Zelle.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können

Das kommt als Nächstes